Längst ist klar, dass die Riester-Rente keine Zukunft hat. Jetzt gibt es eine Alternative. Die bringt höhere Rendite-Chancen, aber auch mehr Risiko.
Ab Januar soll es neue Möglichkeiten geben, privat und staatlich gefördert für das Alter vorzusorgen. Der Bundestag beschloss in Berlin einen Nachfolger für die immer unbeliebtere Riester-Rente. Die neuen Produkte seien kostengünstiger, flexibler und vor allem renditestärker, erklärten Union und SPD. Kritiker sehen aber auch Gefahren.
Was die Regierung erreichen will
Vor allem, dass mehr Menschen privat Geld für die Rente zurücklegen. Denn die gesetzliche Rente hat Probleme: Immer weniger Menschen zahlen ein, gleichzeitig gibt es mehr und ältere Rentner. Private Vorsorge wird deshalb immer wichtiger, damit man im Alter seinen Lebensstandard halten kann. Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) betonte, nun lohne sich private Altersvorsorge auch für diejenigen, die nur wenig Geld einzahlen könnten. «Es lohnen sich auch schon 10 Euro im Monat.»
Welche Spar-Varianten es gibt
Kern der Reform ist die Abkehr von der verpflichtenden Beitragsgarantie. Für sicherheitsorientierte Sparer soll es zwar weiter eine Altersvorsorge geben, bei der 100 Prozent der eingezahlten Beiträge garantiert auch ausgezahlt werden. Dazu kommen aber eine Variante mit 80-prozentiger Garantie und ein Altersvorsorgedepot ohne Garantien, die höhere Renditen am Kapitalmarkt versprechen. Das gibt Sparern mehr Wahlfreiheit, die bereit sind, für mehr Profit auch höhere Risiken einzugehen.
Neu geplant ist auch ein von einem öffentlichen Träger angebotenes Standarddepot. Die Idee: Dieses Depot soll günstige Bedingungen haben – und dann auch private Finanzinstitute unter Druck setzen, nachzuziehen. Die Finanzbranche ist nicht begeistert: Der Staat werde damit zum Akteur in einem Markt, in dem er selbst den Rahmen setze, sei also gleichzeitig Regulierer, Schiedsrichter und Wettbewerber. Auch die AfD äußerte solche Befürchtungen.
Vor allem die Grünen dagegen lobten die Entscheidung der Koalition. Sie hatten ein öffentliches Depot zuvor gefordert. Allerdings wollten sie, dass alle Bürger dort automatisch einzahlen, wenn sie sich nicht bewusst dagegen entscheiden. Die Koalition setze darauf, dass man selbst aktiv werde – viele Menschen würden so wieder nicht erreicht, kritisiert die Oppositionsfraktion.
Was das kosten soll
Beim alten Riester-System schmälern hohe Abschluss- und Verwaltungskosten die Rendite enorm. Im neuen System soll zumindest für die Standardprodukte deshalb ein Kostendeckel von einem Prozent der Effektivkosten gelten. Banken und Versicherer können trotzdem noch teurere Produkte anbieten, zum Beispiel bei Beratung vor Ort. Die Sparerinnen und Sparer haben aber zumindest Alternativen.
Kritikern ist aber auch dieser einprozentige Deckel noch zu hoch. Er sei zwar ein Fortschritt im Vergleich zu vielen Riester-Verträgen, «aber wenn man das mit dem Zinseszinseffekt durchrechnet, stellt man fest, dass er immer noch zu hoch ist und den Verbrauchern viele Zehntausende von Euro kosten kann», sagte Finanzmarktexpertin Dorothea Mohn vom Verbraucherzentrale Bundesverband dem Sender Bayern 2.