Beim Umgraben ihres Gartens ist eine Familie auf haufenweise menschliche Knochen gestoßen. Es gibt eine Theorie, doch ganz überzeugend ist sie nicht.
Bei Gartenarbeiten auf einem Grundstück in der niedersächsischen Stadt Braunschweig hat eine Familie zahlreiche Knochen und Knochenfragmente entdeckt. Laut dem Besitzer Felix Chall waren darunter unter anderem Zähne und größere Teile eines Skeletts. Die Herkunft der Knochen ist bisher unklar.
"Wir haben vor Ostern angefangen, Beetbegrenzungssteine wegzunehmen, um den Garten schönzumachen", berichtet Chall. Mit dem ungewöhnlichen Fund habe man nicht gerechnet, es fühle sich nicht gut an. Relativ schnell hätten sie etwa 40 bis 50 menschliche Knochen entdeckt. Da habe er die Polizei gerufen, sagt Chall: "Egal wo, ob wir Beton oder Rasen weggenommen haben, überall waren Knochen versteckt."
Braunschweiger Eltern müssen Kindern mysteriöse Knochen im Garten erklären
Die Spurensicherung habe kistenweise Gebeine abtransportiert. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig hat ihre Ermittlungen zu dem bizarren Fund inzwischen eingestellt. "Das Grundstück, auf dem die Knochen gefunden worden sind, wurde offenbar in den 60er Jahren mit Friedhofserde aufgefüllt, die noch mit Knochen versetzt war", teilte Staatsanwalt Christian Wolters mit. Anhaltspunkte für Straftaten bestünden nicht.
Chall erhofft sich mehr Informationen darüber, wie die Gebeine in seinen Garten gelangt sind. Zunächst hatten er und seine Frau gedacht, dass es sich um tierische Knochen handelt - erst als der Gerichtsmediziner den menschlichen Ursprung feststellte, habe man geschluckt. Seine Familie sei damit gut umgegangen: Man habe den Kindern erklärt, dass die Knochenreste schon sehr lange im Boden gelagert haben.
Die Fragen, wie die Überreste ihren Weg in den Boden gefunden haben und warum es so viele sind, beschäftigen den 35-Jährigen am meisten. Inzwischen sei der Garten umgegraben, am vergangenen Wochenende habe man sich extra einen Bagger geliehen. Knapp 150 Kubikmeter Erde wurden mit Hilfe von Freunden und Bekannten gesiebt. Das Ergebnis: sechs weitere Kisten voller Knochen. Für ihn ist die Erklärung mit der aufgeschütteten Friedhofserde angesichts der Fülle des Fundes allerdings nicht plausibel.
Aufgeschüttete Friedhofserde? Experte zweifelt
Stadtheimatpfleger Thorsten Wendt hält es für außergewöhnlich, dass die Funde nur auf diesem Grundstück gemacht wurden. Alle umliegenden Grundstücke seien flacher, das Haus 1960 gebaut. Die Theorie von der Friedhofserde ist auch für ihn nicht ganz schlüssig, weil die Totenfunde teilweise sehr gut erhalten seien.
Zudem habe es in der Nähe des Fundorts nicht wie etwa in einer unterfränkischen Gemeinde, wo über 30 Mittelalter-Skelette gefunden wurden, Kirche noch Friedhof gegeben. "Die Theorie, dass in den 60er Jahren Erde aufgeschüttet wurde, steht im Raum. Aber so richtig belegen lässt sie sich nicht", sagt Wendt. Es werde wohl kaum Aufklärung über die Identität der Toten geben.