Und was entsteht in Leipzig?
In der sächsischen Metropole wird eine Außenstelle des Münchner Zentrums errichtet. Diese kleinere Einrichtung soll interaktive Lernräume etablieren und ihre Angebote vor allem an Pädagogen und junge Menschen in der Region und in den Nachbarländern richten.
Leipzig könne in puncto Bildungsarbeit eine Brücke nach Osteuropa sein - zu Polen und Tschechien, sagte Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU). Beide Standorte sollen in enger Abstimmung zusammenarbeiten.
Was kostet die Einrichtung?
Die genaue Ausgestaltung der Verträge solle erst in den kommenden Monaten erfolgen, heißt es aus der Bayerischen Staatskanzlei. Im Kultushaushalt für die Jahre 2026 und 2027 sind aber bereits mehr als 200 Millionen Euro veranschlagt.
Davon entfallen 93 Millionen Euro auf Betriebskosten für die nächsten 15 Jahre. 23 Millionen soll der Umzug der bisherigen Nutzer kosten. 50 Millionen Euro sind für den Bauunterhalt eingestellt, 16,7 Millionen Euro für die sicherheitstechnische Ertüchtigung. Unter anderem soll dort dem Haushaltsplan zufolge ein Amphitheater als Vorführraum entstehen.
Ist das Erstarken der AfD in Deutschland mit ein Grund für die Maßnahme?
Davon ist auszugehen. Die Vorsitzende der israelitischen Kultusgemeinde für München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, bezeichnete den Schritt als «nötiges Gegengewicht» zu politischem Extremismus. Die Zahl der Holocaust-Zeitzeugen sinke stetig, gleichzeitig wachse der politische Extremismus, vor allem von rechts. «Dem Judenhass ist ohne Kenntnis der Geschichte nicht beizukommen», sagte Knobloch.
Gady Gronich, Generalsekretär, der Konferenz der Europäischen Rabbiner, sagte: «Gerade in einer Zeit wachsender antisemitischer Bedrohungen ist Bildung der entscheidende Schlüssel. Wer Geschichte versteht, schützt die Zukunft.»
Was genau soll in der neuen Einrichtung passieren?
Das muss erst noch abschließend geklärt werden. In jedem Fall soll die Perspektive der Opfer stärker in den Vordergrund rücken. «Wir möchten mit dem Bildungszentrum ein größeres Bild als bisher in den Dialog der Erinnerungskultur in Deutschland einbringen. Das wird vor allem Stimmen der Opfer beinhalten und weniger der Täter», sagte Yael Richler-Friedman, Pädagogische Direktorin des internationalen Instituts für Holocaust-Bildung von Yad Vashem, Ende vergangenen Jahres. Die deutsche Erinnerungskultur sei bisher von lokalen Geschichten geprägt gewesen.
Die bayerische Kultusministerin Anna Stolz (Freie Wähler) erklärte, die Bildungsangebote sollen sich nicht nur an Schulen richten - sondern ebenso an weitere gesellschaftlich relevante Zielgruppen, darunter Polizei, Justiz, Verwaltung, Ehrenamt, Erwachsenenbildung. Multiplikatorinnen und Multiplikatoren in unterschiedlichen Bildungs- und Berufsbereichen würden angesprochen.
Seine Arbeit aufnehmen soll das Zentrum innerhalb von drei Jahren.