Mutmaßlicher Postkarten-Erpresser gefasst - sorgte 31 Jahre lang für Angst und Schrecken

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Pressekonferenz zu "Postkartenerpresser"
Die Postkarte eines Erpressers mit der Aufschrift "Entweder sie schicken mir 500 000,- ·, oder bei ihnen geht eine Briefbombe hoch!".
Pressekonferenz zu "Postkartenerpresser"
Karl-Josef Hildenbrand (dpa)

Eine der längsten Erpresser-Serien Deutschlands könnte vor ihrem Ende stehen. Seit 1992 droht ein Unbekannter bundesweit per Postkarte mit Bombenanschlägen. Nun meldete die Polizei einen Ermittlungserfolg.

Durch die Ermittlungsarbeit der Kripo Kempten scheint einer der kuriosesten Kriminalfälle Deutschlands gelöst zu sein: Ein 70 Jahre alter Mann aus dem Raum Hannover soll für eine 31 Jahre andauernde Erpressungsserie verantwortlich sein. 

Wie die Staatsanwaltschaft und die Kriminalpolizei am Donnerstag (21. Dezember 2023) in Kempten berichteten, soll der Verdächtige in rund 360 Fällen mit handgeschriebenen Postkarten Lebensmittelherstellern und Hotelbetreibern im ganzen Bundesgebiet mit einer Briefbombe gedroht haben. Der Mann habe jeweils 500.000 Euro gefordert, sich danach aber nicht mehr gemeldet. Die Serie hatte 1992 begonnen.

Kurioser Kriminalfall: Kripo wird nach Fällen im Allgäu aufmerksam - dann stimmen DNA-Spuren überein

"Das Motiv ist noch völlig unklar", sagte Josef Ischwang, der Leiter der Kemptener Kriminalpolizei. Auf die Spur des 70-Jährigen kamen die Ermittler, weil die Postkarten im Raum Hannover versandt wurden. Aktiv wurde die Kripo in Kempten, nachdem es auch mehrere Erpressungskarten gegeben hatte, die bei Betrieben im Allgäu ankamen.

In der Annahme, dass der Mann auch andere Post verschickt, ließen die Beamten in Niedersachsen Postsendungen in einem Verteilzentrum überwachen und glichen die Handschriften auf den Umschlägen erfolgreich mit den Erpresserschreiben ab.

Danach konnte nachgewiesen werden, dass die DNA des bisher strafrechtlich unauffälligen Verdächtigen mit Spuren, die auf 70 Postkarten gefunden wurden, übereinstimmt. Einen Haftbefehl hat die Staatsanwaltschaft gegen den mutmaßlichen Erpresser nicht beantragt, weil es keine Fluchtgefahr gebe.