Was der Rücktritt mit der Koalition macht
In der schwarz-roten Koalition dürfte Bas' Erklärung und die harten Worte aus der SPD-Spitze für neue Spannungen sorgen. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) äußert sich zwar sofort verständnisvoll und dankte Bas. «Als Vater und Großvater kann ich nur erahnen, wie schwer dieser Verlust wiegt», schreibt er. Zu den Vorwürfen gegen seine Partei jedoch äußert sich der Kanzler aber zunächst nicht.
In der CDU-Führung herrscht aber größere Verwunderung über die Vorwürfe. Es wird auch darüber gerätselt, welche persönlichen Angriffe gemeint seien. Der Vorsitzende des einflussreichen Parlamentskreises Mittelstand (PKM) in der Unionsfraktion, Christian von Stetten, hatte Bas vor einem Monat scharf attackiert und ihr die Eignung für ihr Amt abgesprochen. «Die Ministerin ist nicht mehr tragbar», sagte der CDU-Abgeordnete der «Bild». «Seit Monaten blockiert sie die Reformen, die unser Land so dringend braucht.» Zu diesem Zeitpunkt wusste aber kaum jemand in der CDU von der Krankheit der Stieftochter. Das verbreitete sich erst in den vergangenen zwei Wochen.
Der Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, Gordon Schnieder (CDU), weist die Kritik am politischen Umgang mit Bas daher auch als nicht nachvollziehbar zurück. «Das muss man dann auch aushalten», sagte er dem Nachrichtensender Welt TV. Wenn man Vereinbarungen nicht einhält, wenn man auch entsprechende Entwürfe nicht auf den Tisch legt, wenn man damit nicht ins Kabinett geht, dann muss man sich irgendwann fragen lassen, warum das nicht so ist.»
Außenminister Johann Wadephul versuchte die Wogen zu glätten. «Für die Koalition bedeutet das natürlich gar nichts.» Die Arbeit müsse weitergehen, Deutschland brauche eine handlungsfähige Regierung.
Was das für die anstehende Rentenreform bedeutet
So einfach wird das aber nicht sein. Bas' Nachfolger Alexander Schweitzer gilt wie Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig als dezidierter Gegner der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren. Wer diese Zeit hinter sich habe, müsse selbst über sein Ausscheiden entscheiden können - ohne Abschläge, ohne Rechtfertigungsdruck, sagte Schweitzer im August. «Diese Klarheit sind wir den Menschen schuldig, die dieses Land jeden Tag am Laufen halten. Wer das infrage stellt, verwechselt Sparpolitik mit Gerechtigkeit.»
Damit stellte er das von Bas anfangs noch als «Gesamtkunstwerk» gepriesene Reformpaket infrage. Wegen der Auseinandersetzungen in der Koalition hatte Merz schon in der vergangenen Woche vorgebaut, und den Fahrplan für die Umsetzung des Reformpakets bis hin zur parlamentarischen Zustimmung verschoben. Geplant ist jetzt Frühjahr statt Jahresende. Was der überraschende Rücktritt nun für diesen Zeitplan bedeutet, ist offen.
Wie es für Bas weitergeht
Einige prominente Politikerinnen und Politiker reagieren auf Bas Erklärung mit Sympathiebekundungen. Die Grünen-Politikerin Katrin Göring-Eckardt, die in Bas` Amtszeit als Bundestagspräsidentin einen der Vizeposten ausübte, schreibt unter ihren Post auf Instagram: «Die Erbarmungslosigkeit der Angriffe auf dich werfen ein furchtbares Bild auf diese Art der politischen Auseinandersetzung.» Die frühere Grünen-Chefin Ricarda Lang bekennt: «Das macht mich sehr traurig.»
Klingbeil betont: «Hinter den Ämtern sind wir alle nur Menschen.» Deshalb könne er den Schritt persönlich nachvollziehen. SPD-Fraktionschef Matthias Miersch würdigt, Bas habe Haltung gezeigt, auch wenn es unbequem wurde. «Aber die Kraft ist endlich.»
Bas selbst bedankt sich für die Unterstützung im Arbeitsministerium. Abgeordnete im Bundestag will sie bleiben, wie sie ankündigt. «Hier endet für mich ein Kapitel, aber nicht die Geschichte», hat sie ihre Erklärung überschrieben.