Volkswagen bemerkt Druck
Für Deutschlands Autobauer, die traditionell viel Umsatz in China machen, sind die Entwicklungen alarmierend. «Der chinesische Automobilmarkt steht unter zunehmendem Druck», teilte der Volkswagen-Konzern in Peking mit. Die Wolfsburger erwarten nicht, dass sich der Markt im Jahresverlauf erholt und rechnen damit, dass der Gesamtmarkt für Neufahrzeuge in diesem Jahr auf unter 21 Millionen Fahrzeuge zurückgehen wird.
«Die Volkswagen Group China kann sich diesem Trend nicht entziehen. Wir passen unsere Pläne entsprechend an», hieß es weiter. VW will seine China-Strategie fortführen und sieht sich mit seinen Neuausrichtungen und der Modelloffensive für NEV-Fahrzeuge «gut aufgestellt».
Neben Volkswagen haben auch Mercedes-Benz und BMW in China lange stark vom Verbrennermarkt profitiert. Bei NEVs sind chinesische Hersteller dagegen oft schneller, günstiger und näher an den Erwartungen chinesischer Kunden.
Wie Chinas Autobauer den Druck lindern
Doch auch Hersteller aus China stehen unter Druck. Der Heimatmarkt schwächelt, der Preiskampf bleibt hart, und viele Unternehmen haben Überkapazitäten aufgebaut.
Ein wichtiger Ausweg ist deshalb der Export. Allein im Mai stiegen die Pkw-Ausfuhren laut CPCA um rund 75 Prozent. Besonders in Mittel- und Südamerika, Australien, Südostasien und Afrika sieht Cui große Chancen für chinesische Hersteller. Der Druck verschiebt sich nach außen, indem chinesische Hersteller einen Teil der Schwäche im Heimatmarkt über Auslandsmärkte abfedern.
Damit erklärt sich womöglich auch die Gelassenheit bei manchen Marken. Nio - bislang in Deutschland eher durch schwache Verkäufe aufgefallen - lieferte nach eigenen Angaben von Januar bis Mai 150.526 Fahrzeuge weltweit und in China aus - ein Plus von 68,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. «Für Nio stehen langfristige Trends im Vordergrund und nicht kurzfristige Marktschwankungen», erklärt der Shanghaier E-Autobauer. Chinesische Branchengrößen wie Geely und BYD ließen Anfragen unbeantwortet.
So blicken Experten in die Zukunft
Beim Ausblick gehen die Expertenmeinungen auseinander. Keim sieht das schnelle Wachstum der vergangenen Jahre vor allem als Folge der Förderung. Dieses Wachstum werde sich nun abschwächen. Die Preiskämpfe dürften weitergehen, sagt sie. Für die Hersteller blieben Kostensenkungen, weniger Modellvarianten und eine bessere Kommunikation ihrer neuen Produkte wichtige Stellschrauben.
Cui hält den Einbruch dagegen nicht für einen dauerhaften Trend. Die Autodichte in China sei weiterhin deutlich niedriger als in Deutschland. Der Markt sei also nicht grundsätzlich gesättigt. Das Problem sei derzeit vor allem, dass sich viele Menschen kein Auto leisten könnten.