Aber in seiner durch die Niederlagenserie bei den September-Wahlen gedemütigte Partei gibt es auch viele, die den Anspruch auf die Besetzung des Postens durch die CDU nicht aufgeben wollen.
Vor allem die angesichts der Autoritätskrise des Kanzlers immer mächtiger werdenden CDU-Ministerpräsidenten wollen ein Wörtchen mitreden. Mit dem sächsischen Regierungschef Michael Kretschmer wagte sich im ARD-«Bericht aus Berlin» einer aus Deckung. Es gehe um eine integre Persönlichkeit, die das Land zusammenführen und nach außen vertreten könne. «Wer das hört, wird feststellen, das trifft auf Ilse Aigner zu.» Klar sei aber auch, dass es im Land noch andere Frauen und Männer mit dieser Eignung gebe. Auch CDU-Generalsekretärin Franziska Hoppermann verwies in der Münchner «Abendzeitung» auf mögliche Kandidaten in ihrer Partei.
CDU in der Zwickmühle
Nach der Miersch-Äußerung gibt es jetzt quasi eine Koalition aus CSU und SPD für Aigner - und eine CDU, die in der Zwickmühle ist: Entweder beugt sie sich dem Druck - oder Merz zaubert doch noch eine Kandidatin hervor, die alle überzeugen kann. Die ist aber bislang nicht in Sicht.
Mit jedem Tag dürfte der Druck nun steigen. Der saarländische CDU-Chef Stephan Toscani sagte der «Rheinischen Post»: «Ich erwarte, dass die Parteiführungen in den nächsten Tagen eine Entscheidung herbeiführen und damit die öffentliche Personaldebatte beenden.»
CDU-Präsidiumsmitglied Wiebke Winter sagte im Deutschlandfunk, sie halte Aigner für eine wirklich tolle Frau. «Gleichzeitig ist es so, dass wir viele tolle Frauen und Männer haben innerhalb unserer Union.» Es gehe darum, wer das höchste Amt im Staat bekleide. «Da kann es aus meiner Sicht nicht um Parteiarithmetik in dem Sinne gehen, nach dem Motto, nach 75 Jahren sind wir als CSU jetzt auch mal dran.» Es gehe darum, wer Zukunftsmut, Zuversicht und Optimismus habe und wer eine Herzlichkeit mitbringe, um das Land wieder zu verbinden. Man werde den Prozess «zeitnah» abschließen.
Welche Namen gehandelt werden
Andere Namen als Aigner, die in den Medien gehandelt werden, sind Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU), Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) und die frühere CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer. Auch die einstige Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) war zwischenzeitlich im Gespräch, außerdem Hessens Ministerpräsident Boris Rhein (CDU). Oder findet Merz doch noch eine Überraschungskandidatin oder einen Überraschungskandidaten?
Sollte er einen Mann vorschlagen, wäre das bei der SPD kaum vermittelbar. Merz müsste jemanden finden, der oder die mehr Überzeugungskraft als Aigner hätte. Das wird schwer. Eine sehr erfahrene und prominente mögliche Kandidatin hat mit EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (CDU) im vergangenen Jahr schon abgewunken. Aber was würde sie machen, wenn sie gerufen würde?