• Langjähriger Service steht vor dem Aus
  • Das neue Preismodell 
  • Die klimaneutrale Zustellung
  • Paket-Ablehnung schon beim Zulauf

Die Paketflut im Onlinehandel ist für die Zustellungsunternehmen Segen und Fluch zugleich. Deshalb bastelt der Marktführer DHL immer wieder an seinem Service und verändert ihn. Jetzt geht es um klimaneutrale Zustellung und ein neues Preismodell für Pakete, das zunächst bei der Geschäftskundschaft ausprobiert wird. Und: Von einem kleinen roten Schein müssen wir Abschied nehmen.

Langjähriger Service steht vor dem Aus

Dem sicheren Versand von Briefen, dem Einschreiben, geht es an den Kragen. Alles was wichtig ist, Dokumente, Verträge oder Kündigungen nehmen üblicherweise diesen Weg. Mit einem Aufpreis, zusätzlich zum Briefporto, von 2,35 Euro bis 4,85 Euro konntest du das Einschreiben bisher aufgeben. Und das als Standard (Eigenhändig, Rückschein, Wert) oder als Einwurf. Dadurch kann der oder die Absender*in die Lieferung nachvollziehen und erhält einen Nachweis – den sogenannten Rückschein. Dieser rosafarbene Zettel war bisher bei der Auslieferung von dem oder der Empfänger*in zu unterschreiben. Im Anschluss ging dieser mit der Originalunterschrift an den oder die Absender*in zurück und diente als eine Art Quittung. Dieses eingespielte Verfahren soll sich allerdings noch dieses Jahr ändern.

Ab dem 1. Oktober (plus zweiwöchige Übergangsfrist) ist der Rückschein nur noch digital erhältlich. In der aktuellen Preisbroschüre gibt es dafür bereits einige Hinweise. So erklärt die Deutsche Post: "Ab dem 01.10.2022 wird der Rückschein national per Brief zugestellt und enthält die digitalisierte Unterschrift des Empfängers sowie ein Sendungsbild. Der Rückschein wird an die auf der Vorderseite der Sendung vermerkte Absenderadresse geschickt."

Demnächst gibt es nur noch die digitale Unterschrift. Daraus könnten sich rechtlich Schwierigkeit ergeben: Das Einschreiben mit Rückschein galt als beweisstarke Versandart, weil der oder die Absender*in die Unterschrift von dem oder der Empfänger*in im Original auf Papier zugeschickt bekam. Digitale Unterschriften sind oft unleserlich und von schlechterer Qualität, stehen sie doch nur auf dem Display der Mitarbeitenden. Ob das dem Gericht reicht, bleibt abzuwarten.

Neues Preismodell erproben die Geschäftskunden

Die letzte Preiserhöhung bei DHL war zum 1. Juli 2022. Der Preis für das Paket bis 2 kg Gewicht ist von 4,99 Euro auf jetzt 5,49 Euro gestiegen. Weitere Preiserhöhungen gibt es beispielsweise beim Päckchen S, das jetzt 3,99 Euro statt bisher 3,79 Euro kostet. Das Päckchen M kostet wiederum 4,79 Euro statt bisher 4,50 Euro beziehungsweise 4,39 Euro. 

Weil erst wenige Monate vorher die Bundesnetzagentur die DHL-Preise genehmigte, hätte die Deutsche Post keine Chance, bereits drei Monate später, erneut eine Anhebung durchzusetzen. DHL probiert deshalb bei den geschäftlichen Auftraggebenden das aus, was demnächst auf die Privatkundschaft zukommt. 

Die geplante Erhöhung zum 1.1.2023 bezieht sich deshalb lediglich auf den DHL-Paketversand der Geschäftskundschaft und betrifft ebenfalls nicht das nationale und internationale DHL Express-Geschäft. Mit variablen Energiezuschlägen müssen die Geschäftskundschaft rechnen. Die Höhe ist abhängig von der Preisentwicklung bei Diesel, Gas und Strom. Zudem will DHL neu einen sogenannten Peak-Zuschlag einführen. In Zeiten mit besonders hohem Paketaufkommen (November und Dezember) soll dieser gelten. Er beläuft sich auf 0,19 Euro pro Sendung. Für Privatpersonen bleiben die Kosten für den DHL-Paketversand vorerst unverändert.

Die klimaneutrale Zustellung

Ab Herbst 2022 gibt es die Möglichkeit, gegen eine Jahresgebühr alle Pakete und Warenpost-Sendungen klimaneutral mit "DHL GoGreen Plus" (inFranken.de berichtete darüber) zu erhalten. Der Service solle auch dann funktionieren, wenn der Absender keinen "GoGreen-Service" gebucht hat.

Diesen Service konnte bisher nur die versendende Person nutzen, nicht aber die empfangende. Der Preis für den neuen Service hat DHL noch nicht bekannt gegeben. Zum Vergleich: Die Firmenkundschaft zahlt für grüne Pakete zwei Cent Aufschlag und bei Warenpost-Sendungen einen Cent mehr. 

Die von dem oder der Empfänger*in gezahlte Jahresgebühr fließt in Klimaschutzmaßnahmen von DHL, mit denen CO₂-Emissionen vermieden werden (z.B. Elektrofahrzeuge, Fotovoltaikanlagen und Wärmepumpen für Postgebäude). Es bleibt abzuwarten, ob die Kundschaft den neuen Service akzeptiert.

Paket-Ablehnung schon beim Zulauf

Kunden*innen sollen zukünftig eine Sendung bereits vor der Zustellung ablehnen können. Sobald das Paket im Sendungsverfolgungssystem erfasst und für Kund*innen sichtbar ist, ist der Storno möglich. Wichtig: Ist die Annahme erst einmal verweigert, ist das unumkehrbar. DHL schickt die Sendung zurück zur Absende-Adresse.

Zu einer weiteren Änderung wurde DHL durch Gerichtsurteil gezwungen: Wird von DHL ein Paket an einem vom Kunden selbstbestimmten Ablageort hinterlegt, ist darüber eine Nachricht zu hinterlassen. In der Regel erfolgt das elektronisch, kann aber auch per Einwurf einer Benachrichtigungskarte in den Briefkasten passieren.

Bisher musste das Zustellpersonal keine Botschaft hinterlassen, wenn das Paket an einem Ablageort abgestellt war. Dagegen hat die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen geklagt und hat vor dem Bundesgerichtshof (BGH) Recht bekommen (Urteil vom 7.4.2022, Az.: I ZR 212/20). Deshalb ist die Sendung künftig nicht mehr als zugestellt zu betrachten, bloß weil sie am Ablageort hinterlegt ist. Eine Nachricht über die Zustellung ist Pflicht.

Fazit

Am häufigsten bemängeln Verbraucher*innen, dass ihnen Sendungen nicht ausgehändigt werden, obwohl sie den ganzen Tag zu Hause waren. Jeder Dritte ärgerte sich über diesen nachlässigen Service. Rund 10 Prozent beschwerten sich über eine auf dem Transportweg verloren gegangene Sendung. Das alles verändert sich in naher Zukunft nicht. Was neu ist, zielt auf Imagegewinn, eine höhere Marge und nur Kleinigkeiten verändern sich. Liebe Post, das reicht nicht.