Von wegen «ukrainische Hausfrauen» mit 3D-Druckern!
Drukarmija gehört zu den Tausenden Organisationen der Zivilgesellschaft, deren freiwilliger Einsatz das Überleben der Ukraine im Krieg ermöglicht. Sie zählt aber auch zu einer neuartigen Rüstungsbranche mit Start-Up-Mentalität. Der Chef des deutschen Rüstungskonzerns Rheinmetall, Armin Papperger, tat dies unlängst ab als «ukrainische Hausfrauen», die in ihren Küchen auf 3D-Druckern Drohnenteile produzierten.
Wolnow und seine Kollegen haben darüber gelacht. «Dieser Krieg hat gezeigt, dass millionenteures Gerät nichts taugt gegen eine Drohne, die nur 1.000 Dollar kostet», sagt Wolnow. Die Ukraine hat kaum Zugang zu teuren Waffensystemen. Also baut sie Waffen flexibler, billiger und in hohen Stückzahlen - wie bei den Drohnen, die Russlands Vormarsch fürs Erste gestoppt haben.
Vorsicht bei Aufträgen an das Ausland
Die deutschen Freiwilligen dürfen bei Drukarmija nicht alles drucken. «Wir geben keine Aufträge ins Ausland für Teile, die theoretisch als Waffen eingestuft werden könnten», sagt Wolnow. Niemand wolle Ärger mit dem deutschen Kriegswaffenkontrollgesetz. Plastikteile für Waffen und Munition würden in der Ukraine gedruckt - so jedenfalls die offizielle Auskunft.
Dagegen kommen Munitionsattrappen zu Lehrzwecken durchaus aus Deutschland: Panzerminen oder tückische Streumunition mit bunten Plastikflügeln, nach denen Kinder oft greifen. «Es geht darum, Zivilisten zu zeigen, dass man so etwas nicht anfasst», sagt Yevhen. Er hat solche Attrappen mitentwickelt, die unter anderem in Schulen gezeigt werden.
«Ich kann nicht an der Seitenlinie stehen»
Der gebürtige Ukrainer, jetzt Informatiker in Süddeutschland, druckt seit drei Jahren. «Ich habe nie gedacht, dass es diesen Krieg geben wird. Ich habe nie gedacht, dass ich daran teilnehmen werde. Das ist gegen meine Werte als Wissenschaftler», sagt er. «Aber ich kann nicht an der Seitenlinie stehen.»
Ein Auftrag aus jüngster Zeit: Modelle menschlicher Knochen, damit Suchmannschaften auf den Schlachtfeldern etwas zum Vergleichen haben. Chris zeigt in seiner Garage orthopädische Hilfsmittel, die er gedruckt hat. Soldaten, die Gliedmaßen verloren haben, bekommen Schoner für ihre Prothesen. Für das Münchener Projekt Energy for Ukraine druckt Chris Plastikgriffe für Venensucher. Unter Rotlicht können Sanitäter bei Verletzten auch im Dunkeln die Venen finden.
Suche nach gebrauchten E-Bike-Akkus
«Wir entwickeln und bauen elektrische Hilfsgeräte für die Ukraine», sagt Max Uzunov von Energy for Ukraine. Er und andere Freiwillige löten neben Venensuchern auch Taschenlampen und Powerbanks zusammen. Das raue grüne Plastik für die Gehäuse kommt aus der Ukraine. In den Powerbanks werden recycelte Akkus aus E-Bikes verbaut. «Das Hauptproblem ist, gebrauchte Akkus zu bekommen», sagt Uzunov.
Die Geräte kommen zum Einsatz, wenn ukrainische Retter nach Luftangriffen Verletzte versorgen. Oder die Teile werden mit Drohnen über ukrainischen Stellungen abgeworfen, damit die Soldaten eine Energiequelle haben. «Ich löte fast jeden Tag und verstehe, wofür das ist», sagt Uzunov. Wenn eine Reaktion aus der Ukraine komme, «dann ist das die Belohnung».