Wenn ein Mensch nicht nach Hause kommt, ist das für Angehörige, Freunde und Familie ein großer Schock. Noch schlimmer, wenn es sich dabei um das eigene Kind handelt. Aktuell gelten in Bayern 358 Kinder als vermisst (Stand: 17. Mai 2023).

Die Zahlen seien nur eine Momentaufnahme und könnten sich schnell wieder ändern, berichtete das Bayerische Landeskriminalamt (BLKA) mit Blick auf den Internationalen Tag der verschwundenen Kinder am Donnerstag (23. Mai 2023). Meist gebe es einen guten Ausgang und die Kinder kehrten nach wenigen Tagen wohlbehalten nach Hause zurück.

358 Kinder in Bayern vermisst - LKA mit Appell an Eltern

Dennoch sollten Eltern in solchen Fällen rasch tätig werden. "Wichtig ist ein schnelles Handeln der Eltern und Angehörigen. Zögern Sie daher nicht, die Polizei über den Notruf 110 zu verständigen", rät Polizeivizepräsident Guido Limmer. Auch von Behördenseite sei ein schnelles und koordiniertes Handeln von großer Bedeutung. Daher werden alle Fahndungen in Bayern zentral in der Vermisstendienststelle des BLKA gebündelt. 

Minderjährige gelten dann als vermisst, wenn sie ihr gewohntes Umfeld verlassen haben und ihr Aufenthaltsort unbekannt ist. Solange die Ermittlungen nicht anderes ergeben, wird vorsichtshalber vom Schlimmsten ausgegangen: Gefahr für das Leben oder die körperliche Unversehrtheit des Kindes. 

Die Polizei leitet dann sofort Fahndungsmaßnahmen ein. Dazu zählen nicht nur Suchaktionen an bekannten Aufenthaltsorten, es werden auch Freunde, Familie und Bekannte des vermissten Kindes nach möglichen Hinweisen befragt. Die Ermittler seien mit dieser Strategie in den meisten Fällen erfolgreich. 2022 wurden 1049 Kinder im Freistaat als vermisst gemeldet, 966 Fälle davon konnten aufgeklärt werden. Im Jahr 2021 war die Aufklärungsquote ähnlich, von 929 Vermisstenfällen konnten 859 gelöst werden.

Vermisste Kinder und Jugendliche: Nur selten Gewaltverbrechen verantwortlich

Bei vielen der vermissten Kinder oder Jugendlichen handele es sich um sogenannte Ausreißer, die schon mehrmals weggelaufen und wieder zurückgekommen sind. Bei den aktuell 358 vermissten Kindern geht das BLKA von 92 Ausreißern aus. Weitere 117 Kinder oder Jugendliche wurden ihren Eltern oder ihrem Vormund entzogen. Das kann beispielsweise aufgrund von Streitigkeiten um das Sorgerecht geschehen. Bei 12 aktuell vermissten Kindern vermuten die Ermittler ein Gewaltverbrechen. 

Den Großteil der vermissten Kinder machen laut Vermisstendienststelle jedoch unbegleitete minderjährige Flüchtlinge aus. 137 von ihnen gelten als vermisst, oft für mehrere Jahre. Für die Beamten sind diese Fälle schwer aufzuklären, da Bayern oft nur ein Zwischenstopp für geflohene Kinder sei. Ob hinter ihrem Verschwinde eine Straftat steckt, bleibe dabei offen. 

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