"Wie bei der Mafia": Söders Lob für Scheuer sorgt für Fassungslosigkeit

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Überschwängliches Lob gab es für Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) - hier im batterieelektrischen Zug BEMU der Firma Alstom am Bahnhof Annaberg-Buchholz - beim CSU-Parteitag in Nürnberg von Markus Söder.
"Du hast uns viel Geld nach Bayern gebracht": Überschwängliches Lob gab es für Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) - hier im batterieelektrischen Zug BEMU der Firma Alstom am ...
Überschwängliches Lob gab es für Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) - hier im batterieelektrischen Zug BEMU der Firma Alstom am Bahnhof Annaberg-Buchholz - beim CSU-Parteitag in Nürnberg von Markus Söder.
Sebastian Kahnert/ZB/dpa
Parteitag der CSU
Daumen hoch für Andreas Scheuer: Markus Söder, CSU-Parteivorsitzender und Ministerpräsident von Bayern, steht beim CSU-Parteitag nach seiner Rede auf der Bühne ...
Parteitag der CSU
Daniel Karmann/dpa

Ein Leitantrag für die Wahlkampfoffensive, Söders Bestätigung als Parteivorsitzender, ein umjubelter Auftritt von Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet: Der CSU-Parteitag in Nürnberg hatte jede Menge Potenzial, um der schwächelnden Union wieder Auftrieb im Bundestagswahlkampf zu geben. Doch für eine Aussage von CSU-Chef Markus Söder zu Verkehrsminister Andreas Scheuer hagelte es in den Sozialen Netzwerken massive Kritik.

  • CSU-Parteitag in Nürnberg: Parteichef Markus Söder lobt Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer überschwänglich
  • "Kenne wenige Minister, die so viel Geld nach Bayern holen wie der Andi Scheuer"
  • Twitter-Nutzer reagieren entsetzt: "Politikverständnis eher wie bei der Mafia"
  • Das erwartet uns, "wenn Söder mal Kanzler werden sollte"

CSU-Vorsitzer Markus Söder hat seine Rede auf dem Parteitag in Nürnberg dazu genutzt, sich klar zu dem Unions-Kanzlerkandidaten Armin Laschet zu bekennen und SPD bzw. Grünen den Kampf anzusagen ("Wir fangen euch noch auf den letzten Metern ab").  In den Sozialen Medien sorgte allerdings ein anderes Thema für Aufruhr: Söders Lob für Bundesverkehrsminister und Parteifreund Andreas Scheuer, das der CSU-Chef ebenfalls eingeflochten hatte. Stein des Anstoßes war die Aussage des Ministerpräsidenten, wonach Scheuer "viel Geld nach Bayern gebracht" habe. 

CSU-Parteitag: Markus Söder stellt heraus, dass Verkehrsminister Scheuer "viel Geld nach Bayern gebracht hat"

Ein Tweet der ARD-Sendung "Bericht aus Berlin" vom Freitag (10. September 2021) gibt wider, wie Söder die Vorzüge Scheuers herausstellt. Im Wortlaut heißt es: "Ja, wir wollen erneuerbare Energien zu 100 Prozent. Wir wollen neue Antriebe, Andi Scheuer. Elektro, Wasserstoff, synthetische Kraftstoffe. Du hast uns viel Geld nach Bayern gebracht. Und bei allem, was der eine oder andere kritisiert an dem Andi Scheuer: Ich kenne wenige Minister, die so viel Geld nach Bayern holen wie der Andi Scheuer. Auch das muss man einfach mal in der Bilanz ehrlicherweise bitte nach draußen sagen." 

Während die Mitglieder vor Ort artig applaudieren, sind die Reaktionen auf Twitter auf die stolze 435.000 Mal (Stand: Montag, 13. September, 12 Uhr) anzeigte Passage der Söder-Rede nahezu ausnahmslos negativ. 

In den Retweets bezeichnen die Nutzer die Aussage als Beleg für "bayrische Günstlingswirtschaft" und "unverschämte Lobbypolitik" und stellen fest: "Die Bundesrepublik ist nicht der Selbstbedienungsladen der Bayern."

Kritik an Söder-Rede: "Politikverständnis eher wie bei der Mafia"

Dass Markus Söder "seinen" Verkehrsminister so überschwänglich für eine offensichtliche Bevorteilung Bayerns lobt, gefällt Nutzern außerhalb des Freistaats offenbar gar nicht. Ein User fragt: "Schon mal daran gedacht, dass anderswo (außerhalb Bayerns) die Straßen deshalb nicht repariert werden können, WEIL überproportional viel Geld nach Bayern fließt?" 

"Politikverständnis der CSU eher wie bei der  Mafia..ein Bundesminister sollte für das Land zuständig sein, nicht als Provinz- Geldeintreiber nach Berlin geschickt werden..unglaublich, diese Kleinpartei, die als Wurmfortsatz der CDU grosskotzig auftritt!", wettert ein Nutzer. 

Und eine andere Nutzerin schlägt in die gleiche Kerbe: "Unfassbar, eine korrupte Kleinstpartei lenkt Steuergelder ins eigene Bundesland, (macht so übrigens auch Bahnstrecken kaputt) und ihr Kaiser brüstet sich auch noch damit."

"Kopfschütteln außerhalb von Bayern"

"Gleichzeitig wird aber auch deutlich, was uns erwartet, wenn Söder mal Kanzler werden sollte,…alles geht nach Bayern", heißt es darüber hinaus. 

Auch ein weiter Nutzer stellt Söders Eignung als möglich künftiger Bundeskanzler infrage: "Außerhalb von Bayern erntet Söder dafür nur Kopfschütteln. So verabschiedet er sich aus der Kanzlerkandidatur 2025. Der nächste Verkehrsminister sollte Projekte in Bayern auf die ganz lange Warteliste schieben."

Der Ausgang der Bundeswahl wird darüber entscheiden, ob der künftige Verkehrsminister wieder ein CSU-Politiker sein wird: Bereits seit 2009, als Peter Ramsauer das Amt übernahm, ist es ausschließlich in der Hand der Christsozialen. Auf Ramsauer folgten 2013 Alexander Dobrindt und 2017 Christian Schmidt. Andreas Scheuer, der in der vergangenen Woche verkündet hatte, Spritpreise über zwei Euro verhindern zu wollen, amtiert seit 14. März 2018. Anfang Juli hatte Scheuer verkündet, gerne Minister bleiben zu wollen. 

Auf ihrem Parteitag hat die CSU am Samstag den Leitantrag des Vorstands für eine Offensive im Wahlkampfendspurt beschlossen. Markus Söder ist mit großer Mehrheit in seinem Amt als Parteichef bestätigt worden. Für Unions-Kanzlerbewerber Armin Laschet (CDU) gab es minutenlangen Applaus. Und das, obwohl die Union laut einer aktuellen Umfrage deutlich besser da stehen würde, wenn Markus Söder und nicht Armin Laschet Kanzlerkandidat der Union bei der Bundestagswahl 2021 wäre.

Gut zu wissen für die Bundestagswahl 2021: