Es ist, vorsichtig ausgedrückt, unglücklich: Während Bayerns Staatsregierung die freiwillige Einhaltung der Corona-Schutzmaßnahmen empfiehlt, halten sich die wichtigsten Menschen im Freistaat nicht daran. Markus Söder, immerhin Bayerns Ministerpräsident und ehemals im Corona-Team „Vorsicht“, macht gerade „Volksfesthopping“. Schnappschüsse fürs Fotoalbum und die sozialen Netzwerke inklusive.

Und Gesundheitsminister Klaus Holetschek scheint ebenfalls innerhalb kürzester Zeit jegliche Angst vor dem Coronavirus verloren zu haben. Zuletzt postete der CSU-Politiker ein Foto seines Besuchs beim Festakt „500 Jahre Fuggerei“ in Augsburg. Von Maske und vor allem Abstand ist da nichts zu sehen.

Söder und Holetschek massiv in der Kritik: Aus "Corona-Gott" wird "Hopfen-Gott" - Nutzer schreiben von "Doppelmoral"

Und das, obwohl unter Paragraf 1 der aktuellen bayerischen Corona-Verordnung folgendes zu „allgemeinen Verhaltensempfehlungen“ geschrieben steht: „Jeder wird angehalten, wo immer möglich zu anderen Personen einen Mindestabstand von 1,5 m einzuhalten und auf ausreichende Handhygiene zu achten.“

Söder und Holetschek haben offenbar nicht nur diesen Satz vergessen und die Sorgen rund um Corona verloren, sondern auch den Respekt vor den Bürgern: Während die sich „freiwillig“ an Abstands- und Maskenempfehlung halten sollen, scheint es den CSUlern egal zu sein. Darüber wundern sich die Menschen und machen ihrem Unmut in den Kommentarspalten Luft.

„Und wieder fehlt die Maske bei dem Typen mit Vorbildfunktion!“, schreibt ein Nutzer unter das Feierbild von Klaus Holetschek. Ein weiterer Nutzer erinnert den Gesundheitsminister an dessen eigene Aussage, dass „Innenräume ohne Maske“ gleich „sehr gefährlich“ sein sollen. Außerdem sei Holetschek derjenige, der „schon wieder von der Maskenpflicht im Herbst“ träume.

Sinneswandel bei Söder: "Richtig in Feierlaune"

Auch beim zweiten „Corona-Gott“, wie ihn ein Nutzer in der Facebook-Kommentarspalte nennt, fragt man sich, was in den letzten Wochen passiert sein könnte. Denn: Auch Markus Söder trägt kaum noch Maske, tingelt von Volksfest zu Volksfest und sucht die Nähe zu vielen Menschen. Das wird gerade in den sozialen Netzwerken massiv kritisiert. Und es ist nicht das erste Mal, dass Söder negativ auffällt. Schon vor Wochen war "kein Biertisch vor ihm sicher".

„Im Herbst & Winter der Corona-Gott und jetzt der Hopfen-Gott“, fasst ein Facebook-Nutzer diese Transformation passend zusammen. Und fügt an: „Bravo Markus, geh mit gutem Beispiel voran.“ Ein anderer Nutzer vermutet den Grund fürs Söder plötzlichen Sinneswandel gefunden zu haben: „Sie sind ja richtig in Feierlaune, seit ihrer Coronainfektion“, schreibt der unter ein weiteres Söder-Volksfest-Feier-Bild. Von "Doppelmoral" ist auf Twitter die Rede.

Der Bayerischer Rundfunk hat das bayerische Gesundheitsministerium mit diesem Vorwurf konfrontiert. Ein Ministeriumssprecher entgegnete, dass die Staatsregierung in der aktuellen Phase der Pandemie auf Eigenverantwortung setze. Die Empfehlung, sich weiter an gängige Corona-Schutzmaßnahmen zu halten, gelte weiter. "Diesem Rat folgt auch Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek", versichert der Sprecher dem BR.

Feiern und Fordern: Paradoxe Situation in der Staatsregierung

Holetschek und Söder feiern und teilen munter Fotos davon, wie ihnen ihre eigene Empfehlung offenbar völlig egal ist. Das Paradoxe: Beide fordern so etwas wie einen „Corona-Masterplan“ für den Herbst. Auch soll der Bund die aktuell geltende Maskenpflicht in Bussen und Bahnen im Nahverkehr weiter aufrechterhalten. Schließlich handelt es sich dabei meistens um einen Innenraum, in dem Menschen nicht immer den empfohlenen Mindestabstand einhalten können.

Quasi so wie im Bierzelt auch. Warum sowohl Söder als auch Holetschek da dann allerdings auf eine Maske verzichten, das ist einzig und allein ihr Geheimnis.