Wo sind all die Störche geblieben?

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Vereinzelt sind Störche noch auf den Wiesen anzutreffen. Doch viele sind schon auf in den Süden.Hans Schönecker
Vereinzelt sind Störche noch auf den Wiesen anzutreffen. Doch viele sind schon auf in den Süden.Hans Schönecker
Was harmlos aussieht, kann für Weißstörche gefährlich werden: Die Vögel können Gummiringe auf Wiesen mit Regenwürmern verwechseln.Eberhard Schorr
Was harmlos aussieht, kann für Weißstörche gefährlich werden: Die Vögel können Gummiringe auf Wiesen mit Regenwürmern verwechseln.Eberhard Schorr
 

Auf den Wiesen rund um Forchheim ist es einsam geworden – Eine Gefahr lauert immer

Noch vor wenigen Tagen standen sie zu Dutzenden auf den Wässerwiesen bei Forchheim. Jetzt wirken viele Flächen plötzlich leer. Sind die Weißstörche wegen Hitze und Trockenheit lieber Richtung Süden verschwunden?

Helmut Schmitt, Vorsitzender der Kreisgruppe Forchheim im Landesbund für Vogel- und Naturschutz in Bayern (LBV), spricht von einer für diese Jahreszeit normalen Situation. Die Trockenheit spiele dabei allerdings eine Rolle.

Denn ist der Boden hart und ausgetrocknet, kommen Störche schlechter an ihre Nahrung. Amphibien und kleine Reptilien zeigen sich weniger, Mäuse, Würmer oder Maulwürfe sind schwerer erreichbar.

Wo Wiesen gewässert werden, sieht das anders aus. Solche Flächen erkennen die Störche aus der Luft. Der feuchte und weichere Boden macht die Nahrung leichter zugänglich. „Hier kann man dann oft 100 und mehr Störche beobachten“, erklärt Schmitt. Wird die Wässerung beendet und trocknet der Boden wieder aus, ziehen die Tiere weiter zu ergiebigeren Flächen.

Wer im Landkreis Forchheim Störche beobachten will, findet sie deshalb besonders dort, wo Wasser und feuchte Wiesen vorhanden sind. Typische Bereiche liegen entlang der Regnitz von Hausen in Richtung Baiersdorf, rund um Forchheim sowie an Wiesent und Trubach.

Auch mehrere feste Horststandorte gibt es im Landkreis. Bei Leutenbach am Ehrenbach zog ein Storchenpaar im vergangenen Jahr zwei Junge groß. In Pretzfeld wurden drei flügge Jungstörche gezählt, in Ebermannstadt vier und in Willersdorf zwei.

Dass derzeit weniger Störche zu sehen sind, hat noch einen zweiten Grund: Die Reisezeit hat begonnen. Oft ziehen zuerst die Jungstörche los. Sie schließen sich bereits Ende Juli oder Anfang August durchziehenden Störchen aus östlicheren Regionen an.

Altvögel sind später dran

Die Altvögel folgen später: Nach der kräftezehrenden Jungenaufzucht müssen sie zunächst selbst wieder zu Kräften kommen und Energiereserven für die lange Reise anlegen. Bis Mitte September ist der Wegzug laut Schmitt in großen Teilen abgeschlossen.

Doch nicht alle Weißstörche verlassen die Region. Immer mehr Tiere bleiben auch im Winter hier. Kälte allein macht ihnen wenig aus. Problematisch wird es vor allem dann, wenn eine geschlossene Schneedecke die Nahrung unerreichbar macht.

Doch während Adebar auf Wiesen nach Mäusen, Würmern und anderem Kleingetier sucht, lauert dort eine Gefahr, die sich leicht vermeiden ließe: Gummiringe. Für Störche sehen elastische Haushaltsgummis offenbar Regenwürmern zum Verwechseln ähnlich. Der LBV meldet immer wieder Fälle, bei denen solche Bänder in den Mägen verendeter Weißstörche gefunden wurden.

Die Tiere können den Irrtum beim Fressen offenbar nicht erkennen. Die Gummis können die Verdauung blockieren. Im schlimmsten Fall verhungert ein Storch mit gefülltem Magen. Besonders tragisch: Altvögel können die vermeintliche Nahrung sogar an ihre Jungen verfüttern.

In die Natur gelangen solche Gummiringe unter anderem, wenn sie zusammen mit Bioabfällen oder Kompost entsorgt werden. Der LBV rät deshalb, Haushaltsgummis im Restmüll zu entsorgen.

Und jeder Spaziergang kann ein kleiner Beitrag zum Storchenschutz sein: Wer auf einer Wiese oder am Wegesrand einen Gummiring oder anderen Müll entdeckt, kann ihn aufheben und richtig entsorgen. Für Passanten ist es nur ein Handgriff. Für einen Storch kann genau dieser Handgriff entscheidend sein.