Eine ungewöhnliche Mischung von Jazz und Renaissance präsentierte der Chor seinen Zuhörern. Wer kam, wurde nicht enttäuscht.
Der Kammerchor St. Johannes Kitzingen und Regionalkantor Christian Stegmann hatten zu „Renaissance meets Jazz“ in die Kitzinger Kreuzkapelle eingeladen, und rund 130 Besucher kamen. Der Chor hatte sich dazu mit dem Jazztrio „Raniin“ verstärkt: Aktham Abou Fakher an der arabischen Laute, Felix Schneider am Flügel und Jonas Hermes am Bass.
Homogenität in den Stimmen
Gleich zu Beginn bei Monteverdi fiel die Homogenität in den Stimmen des Kammerchores auf. In allen Lagen ausgewogen, mit schönen Vokalfärbungen in den Registern, sauber intonierend, folgte er dem klaren und präzisen Dirigat von Christian Stegmann. Der Chor ist in allen Stimmen gut besetzt, die Soprane sangen auch in der extremen Höhe noch rein und leicht, die Altistinnen warteten mit kräftigen und warmen Phrasen auf, die Tenöre waren hell, die Bässe bildeten das solide Fundament, von baritonaler Höhe bis in satte Tiefen ausgewogen.
Chor und Jazzmusiker inspirierten sich gegenseitig. Die schwebenden Klänge des Pianos wurden von den Sopranen zur „Missa Papae Marcelli“ in der gleichen Leichtigkeit aufgegriffen, um später in große Klangfülle zu münden. Das Volkslied „Die Gedanken sind frei“ erklang völlig ungewohnt. In arabischer Manier eingeleitet und vom meisterhaften Trio verjazzt, zauberte es manchem Besucher ein Lächeln auf die Lippen. Mit „Sahar el Layaly“ lockte das Trio mit flirrendem Beginn und tanzartiger Musik voller arabischer Lebenslust in die Pause.
1#googleAds#100x100
Von Piano bis Fortissimo
Danach folgte Brittens „Hymn to he virgin“, in dem ein Soloquartett aus dem Chor den lateinischen Teil übernahm. Mit „Ave maris stella“ von Trond Kverno brachte Stegmann mit akzentuierten Sprechgesängen der Männer sowie scharfen Betonungen bei den Frauen eine exakte Interpretation. Samuel Barbers „Agnus Dei“ zeigte, dass der Chor vom Fortissimo bis ins äußerste, tragende Piano eine große Bandbreite des Ausdrucks hat. Immer wieder stellten die Sänger in den teils extremen Werken von Javier Busto und Maarten Jansson ihr Können unter Beweis.
Sehr schön war die Zurücknahme der Stimmen am Ende von Janssons „The Choirmasters burial“. Runestads „Alleluja“ forderte vom Chor noch einmal alle Konzentration in puncto Präsenz, Beweglichkeit und Dynamik. Das begeisterte Publikum erklatschte sich eine Zugabe von allen Musikern gemeinsam: „Der Mond ist aufgegangen“, bei dem der Kammerchor improvisieren konnte. Alles vermischte sich zu einem kongenialen Ganzen und endete in einem ergreifenden Pianissimo. Ein großer Abend!