Die Internet-Plattform AirBnB nutzen auch Kulmbacher. Sie bietet privaten Gastgebern die Chance, Wohnraum an Gäste aus aller Welt zu vermieten.
Das Café und Appartmenthaus "Moments" in Thurnau bietet Ferienwohnungen über AirBnB an. Diese Internet-Plattform wurde vor einigen Jahren mit dem Gedanken gegründet, private Wohnungen im Stil von "Bed and Breakfast"-Hostels zu vermitteln.
Robert Weiß, der das Café zusammen mit seinem Bruder betreibt, sagt: "Ich habe auf der Website eine bessere Reichweite, ohne große Werbekosten". Nach Thurnau kommen vor allem jüngere Leute und Familien mit Hund.
"Die Menschen wünschen sich eine schöne Atmosphäre in den Ferienwohnungen. Wir haben auch eine Küche - und bei uns fühlen sich die Leute wohl", so Weiß. Seine Gäste kommen vor allem im Sommer nach Thurnau und bleiben im Durchschnitt fünf Tage. Der einzige Nachteil von AirBnB, so Weiß: die Gebühren, vor allem für Mieter, sind relativ hoch und liegen bei zehn Prozent des Übernachtungspreises.
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Viele junge Familien
Aktuell gibt es rund ein Dutzend Anbieter im Landkreis. Wir haben mit zwei weiteren gesprochen, die namentlich aber nicht genannt werden wollen: Eine der beiden betreibt einen Bauernhof. Dorthin kommen Großeltern mit ihren Enkeln, aber auch viele junge Familien.
Häufig haben Gäste beruflich in der Gegend zu tun, sind etwa bei einer Fortbildung an der Universität in Bayreuth. Manchmal ist die ganze Familie dabei, wenn die Arbeit und Urlaub miteinander verbunden werden.
Mit privat vermittelten Unterkünften hat man einen weiteren Vorteil: es ist oft ein Rahmenprogramm geboten. Man kann sich zum Beispiel gemeinsam mit seinen Gastgebern die Stadt anschauen und sich "Insidertipps" geben lassen.
"Wir sind gute zehn Monate im Jahr komplett ausgebucht", sagt die Vermieterin.
"Ich finde, AirBnB ist eine sehr gute Sache, man findet außergewöhnliche Unterkünfte zu einem guten Preis. Ich denke aber, da
Kulmbach keine typische Urlaubsregion ist, kommen wenig Leute darauf, über AirBnB bei uns nach einer Wohnung zu suchen".
Eine weitere Gastgeberin aus Kulmbach vermietet nur im Sommer. Sie reizt vor allem, dass man immer neue Menschen aus der ganzen Welt kennen lernen kann: "Für meine Kinder ist das toll, einige Leute erzählen Geschichten über die große weite Welt".
Sie sieht auch für die Vermieter viele Vorteile bei AirBnB: "Die Plattform macht es einem einfach, man hat sehr viel Werbung und die gewisse Sicherheit, da alles darüber gezahlt und organisiert wird".
Erste Einbußen erkennbar
Trotzdem gibt es auch Nachteile: Vor allem die Hotels und Gaststätten büßen durch die Vermittlung von privaten
Unterkünften Besucher ein. Der Vorsitzende des Kulmbacher Hotel- und Gaststättenverbands und Besitzer des Hotels Ertl in Kulmbach, Stephan Ertl, betont, dass AirBnB auch hier in Kulmbach eine Konkurrenz für die heimischen Hotels und Gaststätten sei. "Bis jetzt merke ich es in meinem eigenen Hotel noch nicht. Aber in Gasthöfen, die Gäste, zum Beispiel Monteure, über eine längere Zeit beherbergen, sind schon erste Einbußen erkennbar", äußert sich Ertl kritisch.
Er hält von privat vermieteten Ferienwohnungen relativ wenig, da Wohnraum zweckentfremdet und dem Wohnungsmarkt entzogen werde. Dies mache sich besonders in Groß- und Universitätsstädten bemerkbar, wo ohnehin ein Mangel an Wohnungen herrsche.
Er betont, dass sich alle Anbieter von privaten Wohnungen an Recht und Gesetz zu halten hätten, dann wäre AirBnB lediglich ein zusätzlicher Vertriebskanal.
"Die für die Beherbergungsbetriebe gültigen Sicherheits- und Hygienestandards werden häufig bei privat vermieteten Unterkünften nicht eingehalten", unterstreicht Ertl. Für alle solle das gleiche Recht gelten - und auch private Vermieter sollten sich an steuer- und sicherheitsrechtliche Bestimmungen halten müssen.