«Für die Wähler in den USA sieht das nicht nach einem schnellen Sieg aus, wie ihn Trump versprochen hatte», sagt Expertin von Daniels.
Spritpreise steigen rasant
Vergangene Woche kletterte der Benzinpreis erstmals seit Jahren auf über vier Dollar pro Gallone (3,785 Liter). Vor dem Krieg waren es knapp drei Dollar, ein Anstieg von über einem Drittel. So viel wie jetzt mussten Autofahrer zuletzt im Sommer 2022 zahlen, als die Preise infolge des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine zeitweise stark gestiegen waren.
Aktuell gehen die hohen Preise infolge des Iran-Kriegs vor allem auf die iranische Blockade der Straße von Hormus zurück. Normalerweise wird durch die Meerenge zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman ein Fünftel der weltweiten Ölexporte verschifft. Der Krieg brachte den Schiffsverkehr praktisch zum Erliegen, der Weltmarktpreis stieg rasch.
Offene Kritik an Trumps Prioritäten ist bei den Republikanern kaum zu hören. Dass Spritpreise ein sensibles Thema sind, wird dennoch deutlich: «Die Benzinpreise sind immer wie eine Art Messlatte», zitiert das Portal «Politico» den republikanischen Mehrheitsführer im Senat, John Thune. Es sei ein Thema, dem man die volle Aufmerksamkeit schenken sollte. «Und hoffentlich werden die Operationen im Iran … nicht allzu lange andauern.» Ein Abgeordneter, der nicht namentlich genannt werden wollte, sagte «Politico», das Thema könne Amerikaner «auf die Palme» bringen.
Konservativer Tucker Carlson übt heftige Kritik an Trump
Deutlichere Kritik kommt von konservativen Rädelsführern wie dem früheren Fox-Moderator Tucker Carlson. Der Krieg im Iran widerspreche dem Slogan «America first», mit dem Trump viele Unterstützer hinter sich gebracht habe. «Ich glaube, dass er versprochen hat, diese Kriege nicht zu führen – nicht nur einmal, sondern unzählige Male.» Dass Trump es trotzdem tue, erschüttere seine Unterstützer. «Es wird die Karten grundlegend neu mischen.»
Umfragen zeigen: Bei der Mehrheit der Amerikaner war der Krieg schon unbeliebt, bevor die Spritpreise zu klettern begannen. Das dürfte vielen republikanischen Kandidaten den Wahlkampf nun deutlich erschweren.
Gehen «25 oder mehr Sitze» an die Demokraten?
Trumps Partei muss im November im Repräsentantenhaus eine hauchdünne Mehrheit verteidigen. Alle Abgeordneten der Parlamentskammer stehen zur Wahl, während es im Senat nur etwa jeder dritte Sitz ist. Verlieren die Republikaner auch nur eine der beiden Kammern, wird Trump keine größeren Gesetzesinitiativen mehr durchsetzen können - er könnte politisch zur «lame duck» (lahmen Ente) werden. Außerdem drohen ihm und seiner Regierung parlamentarische Untersuchungen bis hin zu Amtsenthebungsverfahren.
Der Verlust des Repräsentantenhauses gilt als wahrscheinlich. Dass die Regierungspartei bei den Midterms ein paar Sitze verliere, sei ohnehin üblich, sagt David McLennan, Politikwissenschaftler vom Meredith College im Bundesstaat North Carolina. «Aber die aktuelle Lage lässt vermuten, dass 25 oder mehr Sitze von den Republikanern an die Demokraten gehen könnten.» Trump Zustimmungswerte seien auf dem niedrigsten Stand seiner zweiten Amtszeit.
Düstere Inflationsprognose für die USA
Bleiben die Spritpreise hoch, sinkt Trumps Zustimmung weiter, ist McLennan überzeugt. Auch eine demokratische Mehrheit im Senat wäre dann möglich. Ohne die Kontrolle des Senats könnte Trump zahlreiche Spitzenposten nicht mehr ohne die Zustimmung der Demokraten besetzen.
Das Problem steigender Preise bleibt derweil nicht aufs Tanken beschränkt. Erst vor wenigen Tagen erhöhte die OECD ihre Inflationsprognose für die USA für dieses Jahr, und zwar um ganze 1,2 Prozentpunkte auf 4,2 Prozent.
«Gelingt es den Demokraten, Trump für Kriege und steigende Lebenshaltungskosten verantwortlich zu machen, werden Wahlsiege für sie wahrscheinlicher», sagt Expertin von Daniels.