China profitiere dabei auch von seiner wirtschaftlichen Stärke. Das Land sei für viele Staaten ein zentraler Handelspartner. Gerade in Europa gebe es jedoch auch sehr unterschiedliche Sichtweisen auf den Umgang mit China.
Vorsicht sei angebracht, warnt Expertin Legarda: «Peking nähert sich einem seiner langfristigen strategischen Ziele, Europa und die USA zu spalten, insbesondere in Bezug auf die China-Politik».
Rückschläge in Iran und Venezuela
Der Blick auf die jüngsten globalen Krisenherde in Venezuela und im Iran zeigen zugleich, dass von einer uneingeschränkten geopolitischen Verschiebung zugunsten Chinas keine Rede sein kann. Beide Staaten gelten als wichtige Partner Pekings und stehen nun unter starkem Druck aus Washington.
Die US-Schläge beschädigten «Chinas breitere Interessen», sagt die in Hongkong arbeitende Ökonomin Alicia García-Herrero. Einerseits geht es um wirtschaftliche Interessen. Mehr noch als aus Venezuela bezieht China große Mengen Öl aus dem Iran und dem Nahen Osten. Gleichzeitig mache der US-Angriff sichtbar, wie begrenzt Pekings Möglichkeiten seien, seine Partner zu schützen.
Große Worte, wenig Taten
Außenminister Wang kritisierte die Angriffe und forderte ein Ende des Krieges. «Dies ist ein Krieg, der nie hätte passieren dürfen, und der für keine der beteiligten Seiten Vorteile hat», sagte Wang. Unterstützung oder konkrete Maßnahmen Chinas für seinen Wirtschaftspartner Iran kündigte er nicht an. China sei bereit, für eine Wiederherstellung des Friedens in Nahost zu arbeiten, erklärte Wang.
Für viele Staaten im Globalen Süden entsteht daraus ein Dilemma. China wird zunehmend als wirtschaftlicher Partner gesucht und gewinnt diplomatisch an Einfluss. Doch im Bereich der Sicherheit bleiben die USA weiterhin die dominante Macht. So dürften sich gleichzeitig nun manche Regierungen fragen, ob China ihnen wirklich helfen würde, wenn es darauf ankommt.
Probleme im eigenen Land
Auch innerhalb Chinas selbst gibt es Zweifel daran, wie stabil die geopolitische Position des Landes tatsächlich ist. Der Pekinger Politikwissenschaftler Shi Yinhong sieht die Entwicklung skeptisch. Pekings geopolitische Situation habe sich mit Trump im Weißen Haus «offensichtlich verschlechtert», sagt Shi. Der Professor der Pekinger Volksuniversität macht dafür auch wirtschaftliche Probleme im eigenen Land verantwortlich.
An denen sind die USA nicht unbeteiligt. Die US-Zölle belasten chinesische Exportunternehmen, auch wenn viele von ihnen neue Märkte erschließen. Chinesische Tech-Firmen leiden weiter unter eingeschränktem Zugang zu US-Chips.
Damit ergibt sich ein widersprüchliches Bild. In militärischen Fragen bleiben die USA deutlich überlegen. Enge Partner Pekings lernen, dass sie in Konflikten nicht unbedingt auf Unterstützung zählen können. Andere Staaten wiederum nähern sich wegen Trumps-Politik Peking an.