Ein großer Verlierer des Kriegs ist nach gängiger Expertensicht die iranische Bevölkerung. Zwar haben die verheerenden Luftangriffe aufgehört, doch nun belasten steigende Preise und fehlende Zukunftsperspektiven die Gesellschaft. Viele Iranerinnen und Iraner bezweifeln, dass die in Aussicht gestellten Lockerungen von Sanktionen bei der Bevölkerung ankommen. Im Januar waren noch Menschenmassen gegen ihre autoritäre Regierung und die Wirtschaftskrise auf die Straße gegangen. Die Proteste wurden jedoch blutig niedergeschlagen.
Erreichten Israel und die USA wirklich einen «historischen Sieg»?
Israels Ministerpräsident Netanjahu spricht von einem «historischen Sieg über den Iran». Er behauptet: «Wir haben das iranische Atomprogramm zunichtegemacht.» Zwei existenzielle Bedrohungen sind Netanjahu zufolge beseitigt worden: eine Vernichtung durch Atomwaffen sowie 20.000 ballistische Raketen.
Allerdings: Das tatsächliche Ausmaß der dauerhaften Schwächung des iranischen Atom- und Raketenprogramms bewerten die Internationale Atomenergie-Behörde, Geheimdienste und Experten unterschiedlich.
Netanjahu behauptete zuletzt in einem Interview mit dem israelischen Sender Channel 14, er habe das Land vor einer Vernichtung bewahrt, da der Iran bereits im Besitz einer Atombombe sei. Dagegen steht im unklassifizierten Jahresbericht der US-Geheimdienste, es gab keinen Hinweis auf eine politische Entscheidung zum Bau einer Atombombe.
Der israelische Iran-Experte Danny Citrinowicz schrieb auf X: «Eine große Anzahl von Einsätzen, Präzisionsschlägen und taktischen Erfolgen führt nicht automatisch zu dauerhaften strategischen Vorteilen.» Das iranische «Regime» sei nicht gestürzt worden. Diplomatisch und strategisch sei Israels Lage schwieriger geworden. Der Militäreinsatz sollte nicht als strategischer Erfolg, sondern als strategischer Misserfolg gewertet werden.
Tausende Angriffe und hohe Wirtschaftsschäden in den Golfländern
Die Golfstaaten gelten als Opfer des Kriegs, den sie unbedingt vermeiden wollten. Ihr Ruf als sichere Häfen für Investitionen, Handel und Tourismus - etwa in Dubai, Riad oder Doha - wurde durch die Tausenden iranischen Angriffe stark beschädigt, auch wenn die Geschosse größtenteils abgefangen wurden. Die wirtschaftlichen Schäden sind immens, weil die Länder ihr Öl und Erdgas wegen der Blockade der Straße von Hormus seit Monaten nicht oder nur teils an den Weltmarkt bringen können. Auch andere Branchen wie Logistik und Luftverkehr verzeichneten massive Verluste.
Gescheitert scheint der Versuch, mit Hilfe von US-Waffensystemen und durch die Beheimatung von US-Truppen in der Region für die eigene Sicherheit zu sorgen. Denn die USA begannen mit Israel den Krieg und nahmen dabei offenbar in Kauf, dass die Golfländer zur Angriffsfläche werden könnten. Länder wie Katar, Bahrain oder Kuwait betrachten die großen US-Militärstützpunkte in ihren Ländern jetzt eher als Belastung.
Immerhin hielten die Golfstaaten ihre Strategie durch, sich zumindest nicht offen am Krieg gegen den Iran zu beteiligen. In den jetzt laufenden Verhandlungen stehen sie trotzdem als Verlierer da: Mit Ausnahme des Vermittlers Katar bekamen sie keinen Platz am Verhandlungstisch, um Vereinbarungen zur künftigen Sicherheit in der Region auszuhandeln.