Ein EU-Hilfspaket wird dabei allerdings mitgerechnet. Über dieses soll die Ukraine bis Ende 2027 rund 60 Milliarden Euro für verteidigungsrelevante Ausgaben bekommen. Unter dem Strich blieben damit noch rund 80 Milliarden Euro, die Nato-Staaten aus ihren nationalen Haushalten stemmen müssten.
Neuer Vorstoß für Frieden für die Ukraine?
Der Ukraine-Krieg ist schon im fünften Jahr. Trump hatte einst das Ziel, den Konflikt binnen 24 Stunden nach Amtsantritt beizulegen. Doch die Vermittlungsbemühungen der USA lahmen. Der Krieg gegen den Iran forderte offensichtlich Trumps ganz Aufmerksamkeit. Nun überrascht der US-Präsident am Vorabend des Gipfels mit einer Einschätzung der Lage. Nach einem Telefonat mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin sei er sich sicher, dass dieser den Krieg beenden wolle. Eine Einigung sei näher, «als die Menschen glauben». Mit Blick auf den Gipfel sagte Trump: «Wir werden darüber sprechen, und ich glaube, wir werden es schaffen.»
Der Konflikt um Trumps Iran-Krieg
In der erwarteten Gipfelerklärung kommt der von den USA und Israel begonnene Iran-Krieg nur knapp zur Sprache: Da geht es um das Ziel einer freien Schifffahrt durch die für Öl- und Gaslieferungen wichtige Straße von Hormus. Trump hat wiederholt großen Unmut über die ausgebliebene Unterstützung von Alliierten für den Krieg gezeigt. US-Regierungsvertreter wie Verteidigungsminister Pete Hegseth und Außenminister Marco Rubio bezeichneten den Kurs von Verbündeten als «beschämend» und kündigten eine Neubewertung der US-Beziehungen zur Nato an.
Große Zahlen für Trump
Immerhin Generalsekretär Rutte sieht Fortschritte der Verbündeten, um die USA zufriedenzustellen. Die europäischen Alliierten und Kanada investierten bereits jetzt etwa vier Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts in Verteidigung und Sicherheit, sagte Rutte in Ankara.
Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur sind darunter etwa 2,5 Prozent für klassische Verteidigungsausgaben und 1,5 Prozent für andere verteidigungsrelevante Ausgaben wie etwa Infrastruktur. Für das vergangene Jahr hatte Rutte in einem im März veröffentlichten Bericht für die europäischen Nato-Länder und Kanada noch klassische Verteidigungsausgaben in Höhe von 2,33 Prozent des Bruttoinlandsprodukts ausgewiesen.
Der Generalsekretär hob hervor, dass die Europäer und Kanadier im vergangenen Jahr fast 20 Prozent mehr für klassische Verteidigung ausgegeben hätten als im Vorjahr. Für 2025 und 2026 zusammen bedeute das 258 Milliarden US-Dollar zusätzlich.
Prestige für den umstrittenen Gastgeber
Für Präsident Recep Tayyip Erdogan ist der Gipfel schon vor Beginn ein Prestigeerfolg. Trump will persönlich nach Ankara reisen, und Erdogan kann die Türkei, das Land mit der zweitgrößten Armee der Nato, als unverzichtbare Regionalmacht präsentieren. Kritik von Menschenrechtlern an Erdogans Vorgehen gegen Oppositionelle dürfte beim Gipfel keine große Rolle spielen.
Und was ist mit Trumps Zwist mit Meloni?
Auslöser war die Behauptung des US-Präsidenten, Meloni habe ihn beim G7-Gipfel im französischen Évian um ein Foto mit ihm angefleht. Sie habe ihm leidgetan. Meloni bezeichnete dies als «völlig erfunden».
Kurz vor dem Nato-Gipfel legte nun Trump noch einmal nach und postete ein Foto, auf dem die rechte Regierungschefin ihn intensiv anschaut. Über dem Foto stand in Großbuchstaben: «Restraining order needed» - was im Englischen etwa als «Kontaktverbot erforderlich» oder «Annäherungsverbot erforderlich» verstanden werden kann. Das Aufeinandertreffen der beiden in Ankara dürfte nun besonders intensiv beäugt werden.