Präsident Putin will seinen Kriegskurs bestätigen lassen. Bei der dreitägigen Wahl zur Staatsduma stehen auch nur kremlnahe Parteien auf dem Stimmzettel. Wahlbeobachter melden einige Auffälligkeiten.
In Russland endet heute die dreitägige Parlamentswahl. Nach dem Ausschluss der Opposition will sich Präsident Wladimir Putin seinen Kriegskurs gegen die benachbarte Ukraine offiziell bestätigen lassen. Trotz Wirtschaftskrise, Kriegsmüdigkeit und weit verbreiteter Unzufriedenheit im Volk soll auch diesmal wieder eine Zweidrittelmehrheit für die seit mehr als 20 Jahren regierende Kremlpartei «Geeintes Russland» erzielt werden.
Die Wahl wird trotz Protesten der Ukraine erstmals auch in den von Russland kontrollierten Teilen der annektierten ukrainischen Regionen Luhansk, Donezk, Saporischschja und Cherson abgehalten. Auf der schon 2014 annektierten Schwarzmeer-Halbinsel Krim wird ebenfalls wieder abgestimmt. Die ukrainische Führung sprach von einer Stimmabgabe mit vorgehaltenen Sturmgewehren und will das offizielle Ergebnis in den besetzten Gebieten nicht anerkennen.
Auch andere Kritiker weisen darauf hin, dass von einer fairen und demokratischen Wahl keine Rede sein könne. Die zehn Parteien auf dem Wahlzettel gelten durchweg als kremlnah und unterstützen den 2022 von Putin befohlenen Angriffskrieg. Für einen Friedensschluss eintretende Oppositionskräfte wurden nicht zur Wahl zugelassen. Unabhängige Wahlbeobachter meldeten zudem verschiedene Manipulationsversuche und andere Regelverstöße - oder wurden gleich festgenommen.
Höhere Wahlbeteiligung erwartet
Erste Ergebnisse zur künftigen Zusammensetzung des Parlaments sollen nach Schließung der letzten Wahllokale in Kaliningrad (früher Königsberg) um 20.00 Uhr deutscher Zeit verkündet werden. Schon am Ende des zweiten Wahltags deutete die zentrale Wahlkommission in Moskau eine höhere Beteiligung an als vor fünf Jahren. Damals waren Putins Partei 324 der 450 Sitze in der Staatsduma zugesprochen worden.
Am Sonntagmorgen lag die Beteiligung nach Angaben der Wahlkommission in Moskau bei knapp 45 Prozent. Zum Vergleich: 2021 hatten laut offiziellen Angaben bis zum Ende der Abstimmung 51,7 Prozent der Wahlberechtigten ihr Kreuzchen gesetzt.
Wahlbeobachter melden auffällige Werte
Unabhängige Beobachter berichteten von auffälligen Ausschlägen bei den veröffentlichten Daten - vor allem in den südrussischen Kaukasusregionen Dagestan und Kabardino-Balkarija, aber auch im zentralrussischen Gebiet Iwanow. Medienberichten zufolge wurden einige von ihnen an der Überwachung des Wahlprozesses gehindert. So seien Beobachter der von der Wahl ausgeschlossenen Antikriegspartei Jabloko in Perm und St. Petersburg nicht in Wahllokale gelassen oder gar von der Polizei festgenommen worden.
In St. Petersburg stimmten Wahlprotokolle demnach nicht mit der Zahl der bei der Stimmabgabe gezählten Wähler überein. In mehreren Wahllokalen sei zudem gefilmt worden, wie vorab ausgefüllte Stimmzettel in die Wahlurne geworfen wurden. Der russischsprachige Dienst der BBC berichtete, dass Staatsangestellte in Provinzregionen zur Stimmabgabe gedrängt worden seien.