Unter US-Vermittlung setzen Russen und Ukrainer bis morgen ihre Verhandlungen über ein Kriegsende in Genf fort. Was ist von den Gesprächen zu erwarten?
Unter dem Eindruck schwerer gegenseitiger Luftangriffe haben Russland und die Ukraine unter US-Vermittlung in der Schweiz ihre zweitägigen Verhandlungen über ein Ende des Krieges aufgenommen. «Auf der Tagesordnung stehen Sicherheits- und humanitäre Fragen», teilte der ukrainische Verhandlungsführer Rustem Umjerow bei Telegram mit. Die Gespräche, an denen US-Vermittler Steve Witkoff und der Schwiegersohn von US-Präsident Donald Trump, Jared Kushner, teilnehmen, laufen hinter verschlossenen Türen in einem Hotel in Genf.
Kremlsprecher Dmitri Peskow sagte, dass heute noch keine Neuigkeiten zu erwarten seien, weil die Gespräche bis Mittwoch angesetzt seien. Leiter der russischen Delegation ist der Kremlbeamte Wladimir Medinski, der seit Beginn des Moskauer Angriffskrieges immer wieder mit ukrainischen Verhandlungsteams zusammengetroffen ist.
«Wir danken der amerikanischen Seite für ihre Beteiligung und konsequente Arbeit im Verhandlungsprozess», sagte Umjerow. «Wir sind der Schweiz für die Organisation und die bereitgestellten Bedingungen für die Durchführung der Treffen dankbar.» Präsident Wolodymyr Selenskyj habe klare Aufgaben ausgegeben für die Gespräche. Selenskyj hofft vor allem auf Sicherheitsgarantien der USA, die nach einem Waffenstillstand die Ukraine vor künftigen russischen Angriffen schützen sollen.
«Wir arbeiten konstruktiv, konzentriert und ohne überzogene Erwartungen. Unsere Aufgabe ist es, die Entscheidungen, die einen dauerhaften Frieden fördern können, so weit wie möglich voranzutreiben», sagte Umjerow.
Friedenslösung bisher nicht in Sicht
Russland will nach Kremlangaben über die strittigen Gebietsfragen mit der Ukraine sprechen. Eine Lösung im Ukraine-Krieg ist bisher nicht in Sicht.
Russland verlangt einen Rückzug ukrainischer Truppen aus den von ihnen kontrollierten Teilen der Gebiete Luhansk und Donezk und will diese dem eigenen Staatsgebiet einverleiben. Nicht nur in Kiew wird das kategorisch abgelehnt - auch europäische Verbündete der Ukraine warnen davor, den Aggressor Russland für seinen Angriffskrieg quasi noch zu belohnen und mit einer solchen Friedenslösung womöglich nur weitere Eroberungsgelüste zu schüren.
Nach russischen Angaben will die Ukraine wiederum über eine teilweise Waffenruhe für Angriffe auf Energieanlagen verhandeln. Nach Russlands Schlägen gegen die Energieinfrastruktur machen der Ukraine Strom-, Wasser- und Heizungsausfälle zu schaffen - in einem ungewöhnlich harten Winter. Russische Kommentatoren bezweifelten, dass sich der Kreml auf eine solche Waffenruhe einlässt, weil die Energieanlagen auch für die Produktion von Rüstungsgütern gebraucht werden und Moskau die Aufrüstung verhindern will.