Russland bestätigt Angriffe
Umgekehrt nimmt das ukrainische Militär auch Ziele in Russland ins Visier, um den Krieg weiter in das Land des Angreifers zu tragen. Getroffen wurde in der Stadt Noworossijsk am Schwarzen Meer erneut ein Öltanker durch einen Drohnenangriff, wie das Kaspische Pipeline-Konsortium mitteilte. Bei einem Drohnenangriff im Hafen der Stadt Taman im Kreis Krasnodar gab es nach Behördenangaben Verletzte.
Das russische Verteidigungsministerium meldete am Morgen den Abschuss von 258 ukrainischen Drohnen; die Flugabwehr sei in der Nacht in zahlreichen Regionen des Landes im Einsatz gewesen. Das Ministerium bestätigte auch die Angriffe auf die Ukraine. Ziele seien Militärflughäfen, Rüstungsbetriebe, militärische Telekommunikationsinfrastruktur und logistische Zentren gewesen. Zudem seien drei für den Transport von militärischen Gütern genutzte Frachtschiffe in der Schwarzmeerregion getroffen worden.
Erneuter ukrainischer Angriff auf russischen Online-Händler
Durch Beschuss mit 15 Drohnen wurde in der Nacht zudem ein weiteres großes Lager des russischen Online-Händlers Wildberries in der Region Pensa in Brand gesetzt, wie der Gouverneur der Region, Oleg Melnitschenko, mitteilte. Das Feuer lodere auf einer Fläche von 62.000 Quadratmetern, hieß es. Dabei habe es mindestens einen Verletzten gegeben. Rund 200 Mitarbeiter seien in Sicherheit gebracht worden.
Auch in Sarapul in der Republik Udmurtien – rund 1.250 Kilometer östlich von Moskau – kam es in einem Lager von Wildberries zu einem Brand nach einem Drohnenangriff, wie das Unternehmen mitteilte. Seit diesem Monat attackiert die Ukraine immer wieder Logistikzentren des größten russischen Versandhauses. Selenskyj wirft Wildberries vor, mit Material zu handeln, das für den 2022 begonnenen Angriffskrieg gegen sein Land verwendet werde. Der Kreml weist das kategorisch zurück.
Polens Führung: Flugobjekt war wahrscheinlich russische Rakete
Ein Flugobjekt stürzte während russischer Angriffe auf die Ukraine in Polen ab. «Alles deutet darauf hin, dass es sich um einen russischen Marschflugkörper vom Typ CH-101 handelt, aber wir wollen den Ergebnissen einer genauen Untersuchung nicht vorgreifen», sagte Polens Regierungschef Donald Tusk in Lublin. «Wir waren bereit, die Rakete abzuschießen, wenn sie weitergeflogen wäre.» Nach polnischen Militärangaben stieg ein Kampfjet vom Typ F-16 auf.
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) verurteilte die massiven russischen Angriffe scharf. «Und der Einschlag in Polen zeugt auch von russischer Rücksichtslosigkeit und Eskalationsbereitschaft», teilte der CDU-Politiker auf der Plattform X mit. UN-Generalsekretär António Guterres ließ über seinen Sprecher mitteilen, er verurteile die Angriffe «aufs Schärfste». «Angriffe auf Zivilisten und zivile Infrastruktur sind – wo immer sie stattfinden – ein klarer Verstoß gegen das humanitäre Völkerrecht und müssen unverzüglich eingestellt werden.»
Der Absturzort nahe dem Ort Tarnawa Kolonia liegt südlich von Lublin und 90 Kilometer von der Grenze zur Ukraine entfernt. Das polnische Fernsehen zeigte Bilder von einem riesigen Krater in einem Feld, Anwohner berichteten von einem lauten Knall. Verletzt wurde niemand. Bereits in der Vergangenheit hat Polen schon mehrfach eine Verletzung seines Luftraums durch russische Raketen und Drohnen beklagt.