Woran liegt das?
Die Nato gilt als stärkstes Verteidigungsbündnis der Welt und als zentraler Pfeiler der transatlantischen Beziehungen. In einer gemeinsamen Erklärung mit dem Demokraten Chris Coons schrieb der Republikaber Mitch McConnell zu den jüngsten Äußerungen Trumps, US-Amerikaner seien sicherer, wenn die Nato stark sei. «Der Senat wird das Bündnis weiterhin unterstützen, da es Amerika, Europa und der Welt Frieden und Schutz bietet», heißt es in der Mitteilung. Zudem birgt ein US-Austritt auch andere Risiken. So dürften sich die Europäer in der Folge technologisch noch mehr emanzipieren und deutlich weniger Rüstungsgüter von amerikanischen Unternehmen kaufen. Der US-Industrie könnten so Milliardengeschäfte wegbrechen. Zudem müssten die USA möglicherweise strategisch wichtige Militärstandorte in Europa schließen.
Hat Trump denn einen Punkt, wenn er die Europäer für ausbleibende Unterstützung für den Iran-Krieg kritisiert?
Fest steht, dass es für Alliierte in dem Fall keinerlei formelle Verpflichtung zum Beistand gibt. Grund ist, dass der Krieg nicht mit einem bewaffneten Angriff auf die USA begann und der Nahe Osten auch nicht zum Bündnisgebiet zählt. Trump kann deswegen nicht darauf pochen, dass nach Artikel 5 der Bündnisfall ausgerufen wird.
Ob es möglicherweise eine moralische Verpflichtung zum Beistand gibt, ist eine andere Frage. So sagt etwa Nato-Generalsekretär Mark Rutte, er halte es für sehr wichtig, dass die USA mit ihren Angriffen die militärischen Fähigkeiten des Irans schwächten. «Ein Iran mit Atomwaffen wäre potenziell eine direkte Bedrohung für die Zukunft Israels gewesen, aber wiederum auch für den gesamten Nahen Osten und für Europa», argumentiert er.
In etlichen europäischen Nato-Staaten wird das US-Vorgehen allerdings äußerst kritisch gesehen. Alliierte wie Spanien und Frankreich bezeichnen den Krieg sogar öffentlich als völkerrechtswidrig. Rubio stört sich vor allem daran, dass Länder wie Spanien den USA die Nutzung von Stützpunkten oder Überflugrechte verweigerten. «Dann geht es bei der Nato einfach nur darum, dass wir Truppen in Europa stationieren, um Europa verteidigen», kritisierte er.
Wie könnte der Streit enden?
Denkbar ist, dass Trump den Alliierten mit seinen Drohungen Zugeständnisse abtrotzt. Dies gelang ihm im vergangenen Jahr auch beim Thema Verteidigungsausgaben. Unter Trumps massiven Druck wurde vereinbart, dass die Alliierten künftig mindestens einen Betrag in Höhe von 3,5 Prozent des nationalen Bruttoinlandsprodukts in Verteidigung investieren. Hinzu kommen sollen dann noch einmal 1,5 Prozent für verteidigungsrelevante Ausgaben – beispielsweise für Infrastruktur. Insgesamt soll so eine Quote von 5 Prozent erreicht werden. Erste Hinweise, wie es weitergeht, könnte ein Besuch von Nato-Generalsekretär Mark Rutte in Washington bringen. Er ist für die kommende Woche angesetzt.
Wie stark schwächen die Äußerungen von Trump schon jetzt die Nato?
Das ist umstritten. Im Bündnis kritisiert etwa Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, Trump untergrabe die Abschreckung, indem er Zweifel an der Bündnistreue säe. Andere spielen seine Äußerungen herunter: Die Nato-Abschreckung funktioniere weiter, weil Gegner wie Russland nicht wüssten, wie die USA im Ernstfall reagieren. Trumps Unberechenbarkeit sei in dieser Beziehung gar nicht so schlimm, heißt es.
Und wenn es doch zum US-Austritt kommt: Wäre es für die verbliebenen Mitglieder sinnvoll, das Bündnis fortzuführen?
Vermutlich schon. Zwar beruht die Abschreckung der Nato bislang vor allem auf den militärischen Fähigkeiten der USA und ihrem Atomwaffenarsenal. Für die Europäer und Kanadier würde aber weiterhin gelten, dass sie gemeinsam stärker sind als alleine. Sie könnten zudem die in mehr als 75 Jahren aufgebauten militärischen Strukturen weiter nutzen. Und mit Großbritannien und Frankreich würde es immerhin auch noch zwei Atommächte in der Nato geben.