Im Tauziehen um eine diplomatische Lösung des Iran-Kriegs regt sich - zumindest auf offener Bühne - aktuell nichts. Eine Visite fällt aber ins Auge. Was brachte das Treffen in Russland?
Eine neue Verhandlungsrunde zwischen den USA und dem Iran zur Beilegung ihres Kriegs zeichnet sich nicht ab. Weder aus Washington noch aus Teheran kamen zu Wochenbeginn offizielle diplomatische Signale.
Dafür kam es zu einem Treffen zwischen Russlands Präsident Wladimir Putin und dem iranischen Außenminister Abbas Araghtschi in St. Petersburg. Putin sprach danach von seiner Hoffnung auf baldigen Frieden in der Region. Russland werde alles tun, was im Interesse Irans liege und den Interessen aller Völker der Region entspreche, damit der Frieden so schnell wie möglich erreicht werde, so Putin.
Kremlsprecher Dmitri Peskow erklärte zu dem Treffen, dass eine Rückkehr zu Kampfhandlungen weder im Interesse Teherans noch im Interesse der Weltwirtschaft sei. Russland sei zur Vermittlung in dem Konflikt bereit.
Russland gilt als Verbündeter des Iran, unterstützt das Land aber nicht offen militärisch. Moskau hatte mehrfach angeboten, angereichertes Uran aus dem Iran abzunehmen. Eine der Hauptforderungen der USA ist der Verzicht des Iran auf eine Atombombe.
Unterdessen haben die USA in der Golfregion weitere Kräfte zusammengezogen. Erstmals seit 2003 sind drei US-Flugzeugträger gleichzeitig im Nahen Osten im Einsatz. Auf den Schiffen sind mehr als 200 Flugzeuge und rund 15.000 Matrosen und Marineinfanteristen stationiert.
Iraner sieht Lage als «sehr, sehr kritisch»
Die ins Stocken geratenen Verhandlungsbemühungen zwischen Washington und Teheran um ein Kriegsende bereiten den Menschen im Iran zunehmend Sorgen. «Die Lage hier ist wirklich sehr, sehr kritisch», sagte ein Bewohner Teherans mit Blick auf die Zukunft. «Entweder gibt es wieder Krieg, oder es gibt keinen Krieg und das Regime bleibt. Oder am allerschlimmsten: Krieg und Regime bleiben trotz allem.» Der Mann wollte aus Furcht vor möglichen Vergeltungsmaßnahmen der Sicherheitsbehörden der Islamischen Republik nicht namentlich genannt werden.
Irans Präsidialamt hat nach massiver Kritik die Internetsperren im Land verteidigt. «Auch der Präsident (Massud Peseschkian) ist strikt gegen eine eingeschränkte Internetnutzung für die Bevölkerung», behauptet die Pressestelle des Präsidialamts auf der Plattform X. Das Projekt «Pro Internet» – so werden die Einschränkungen genannt – sei nicht dauerhaft, sondern nur eine vorübergehende Maßnahme in der Kriegssituation, hieß es. Nach Ende der Konflikte werde der reguläre Zugang für alle Bürger wiederhergestellt. Viele Menschen und vor allem Unternehmen leiden unter dem Internet-Aus.