Beim vergangenen Labour-Parteitag im September 2025 - Starmer stand damals schon in der Kritik - war der inzwischen als «König des Nordens» bekannte Politiker der heimliche Star.
Der Weg von Manchester nach London ist allerdings nicht einfach: Für die Nachwahl muss Burnham erst einmal als Kandidat zugelassen werden. Anfang des Jahres wurde ihm dieses Vorhaben bei einer Nachwahl vom Labour-Führungskreis verwehrt. Und dann müsste die Wahl noch gewonnen werden. In Makerfield schnitt bei der vergangenen Wahl 2024 auch die rechtspopulistische Partei Reform UK von Brexit-Befürworter Nigel Farage stark ab - ein riskantes Spiel also.
Burnham die Kandidatur erneut zu verweigern, wäre kein kluger Schachzug der Labour-Spitze. Schließlich hatten viele die Rückkehr des Bürgermeisters nach Westminster gefordert - und den Groll weiterer Abgeordneter auf sich zu ziehen, kann sich Starmer nicht leisten. Nach Informationen britischer Medien will Starmer nicht versuchen, Burnham an seinem Vorhaben zu hindern.
Wie funktioniert die Wahl um den Parteivorsitz?
Um Starmer herauszufordern, benötigen Kandidaten die Unterstützung von 20 Prozent der Labour-Abgeordneten, derzeit sind das 81. Ist dies gegeben, folgt eine Urabstimmung unter den Mitgliedern und weiteren Wahlberechtigten. Als aktueller Vorsitzender steht Starmer automatisch zur Wahl. In diesem Prozess können sich auch weitere Kandidatinnen und Kandidaten mit 81 Unterstützern aus der Fraktion bewerben.
Neben Streeting und möglicherweise nun auch Burnham hat sich überraschend auch Ex-Vizeregierungschefin Angela Rayner ins Spiel gebracht. Die 46-Jährige vom linken Parteiflügel war im September vergangenen Jahres wegen einer Steueraffäre zurückgetreten. Diese Sache ist nun abgehakt.
Innerhalb weniger Tage wäre eine Führungswahl jedenfalls nicht erledigt. Vielmehr könnte sich dieser Prozess über Wochen oder gar Monate ziehen.
Wer ist eigentlich Wes Streeting?
Streeting wäre mit 43 Jahren ein recht junger Parteichef und Premierminister - als unbeschriebenes Blatt würde er das Amt allerdings nicht antreten.
Abgeordneter in Westminster ist Streeting seit 2015. Innerhalb der Labour-Partei wird er im Gegensatz zu Burnham dem rechten Flügel zugeordnet, im linken Lager gilt er als geradezu verhasst. Zudem hatte er ein enges Verhältnis zum Labour-Veteranen Peter Mandelson, der wiederum wegen seines engen Verhältnisses zu Jeffrey Epstein in den Sog des Missbrauchsskandals um den gestorbenen Sexualstraftäter geriet.
Offen ist die Frage, inwieweit Streeting und seine Anhänger die mögliche Rückkehr Burnhams einkalkuliert hatten.
Ist das aktuelle Polit-Drama ungewöhnlich für Großbritannien?
Auf diese Frage gäbe es von vielen Britinnen und Briten vermutlich nur ein kurzes Auflachen als Antwort. Seit dem Brexit-Referendum geben sich britische Regierungschefs die Klinke der berühmten schwarzen Tür am Regierungssitz in der Downing Street Nummer 10 in die Hand. Mit Starmer gab es in den vergangenen zehn Jahren bereits sechs Premierminister - so viele wie in den 35 Jahren davor.
Im Wahlkampf vor dem überwältigenden Sieg mit seiner Labour-Partei im Sommer 2024 hatte Starmer seine Wähler auch mit dem Versprechen überzeugt, dem ständigen Polit-Drama in Westminster ein Ende zu setzen. Doch nun läuft er selbst Gefahr, primär mit dem Drama um seine Partei in Erinnerung zu bleiben.