Die Annexionsfantasien des US-Präsidenten bestimmen das Weltwirtschaftsforum. Es soll «Im Geiste des Dialogs» stehen. In Zeiten von Trump ein ambitioniertes Ziel.
Der Altar ist eine Bühne. Werbetafeln, buntes Licht - und sehr viel Amerika. Vor der Orgelempore künden Banner vom nahenden 250. Jahrestag der Gründung der USA. Zum Weltwirtschaftsforum in Davos hat die US-Delegation eine ganze Kirche als «USA House» geschmückt. Hier wird über Künstliche Intelligenz und Raumfahrt diskutiert, aber auch über Gott. Glaube, Pomp und Pathos eng beieinander: Es wirkt wie ein Sinnbild der Politik von Donald Trump.
Der US-Präsident soll am Mittwoch in Davos eine Rede halten, an die die Teilnehmer große Erwartungen haben. Trumps Besuch macht klar: Bei der Jahrestagung des Weltwirtschaftsforums (WEF) geht es in diesem Jahr um mehr als um die Weltwirtschaft und eine neue Handelsordnung. Es geht um die Frage, ob das, was man einst den Westen nannte, so überhaupt noch existiert. Wie steht es um das transatlantische Verhältnis? Und könnten die Europäer Trump in persönlichen Gesprächen von seinen Grönland-Ambitionen und Zollplänen abbringen?
Abseits des offiziellen Programms im Davoser Kongresszentrum dürfte es zu einer ganzen Reihe durchaus außergewöhnlicher Dialogformate kommen. «Im Geiste des Dialogs»: Selten war das WEF-Motto wohl so passend und so zweifelhaft zugleich. Es wirkt wie eine hehre, aber aus der Zeit gefallene Hoffnung. Wie viel ernsthafter und lösungsorientierter Dialog ist überhaupt noch möglich, wie viel will Trump überhaupt noch?
Was bringt Reden mit Trump?
So ein Dialog über Grönland werde für die EU schwer, meint die US-Expertin Laura von Daniels. «Mit Blick auf die 250-Jahre-Feier Anfang Juli hat sich Trump möglicherweise in den Kopf gesetzt, einen großen territorialen "Gewinn" für die USA herauszuholen», sagt die Forschungsgruppenleiterin Amerika der Stiftung Wissenschaft und Politik der Deutschen Presse-Agentur.
Die Ambitionen des US-Präsidenten auf Grönland und seine Zolldrohungen gegen Länder wie Deutschland, die Annexionspläne nicht schlucken wollen, dürften auch beim WEF viele schockiert haben. Erneut verschärft Trump damit die internationale Tonart. Und seine Drohungen stehen diametral zu dem, was das Weltwirtschaftsforum eigentlich propagiert: freien Handel, Globalisierung, Multilateralismus, also die Zusammenarbeit der Staaten auf der Welt.
Trump reist mit der größten und ranghöchsten Delegation an, die der kleine Wintersportort in den Schweizer Bergen je gesehen hat. Nicht nur wird er begleitet von Außenminister Marco Rubio, Finanzminister Scott Bessent und Handelsminister Howard Lutnick. Auch der Sondergesandte Steve Witkoff und Trump-Schwiegersohn Jared Kushner, ein Top-Verhandler, sind dabei.
Der Zwiespalt der Europäer in Davos
Die USA und die Ukraine wollen das Forum nutzen, um ihre Friedensgespräche über ein Ende des Ukraine-Kriegs fortzusetzen. Es wird ein Spitzentreffen Trumps mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj und den Europäern rund um Bundeskanzler Friedrich Merz und den französischen Staatschef Emmanuel Macron erwartet.