Putin bringt Altkanzler Schröder als Vermittler ins Gespräch
Autor: dpa
, Sonntag, 10. Mai 2026
Man kennt sich, man schätzt sich: Nun hat Kremlchef Putin seinen Freund Gerhard Schröder als Vermittler im Ukraine-Krieg ins Spiel gebracht. Und sagt, er wäre für Hilfe dankbar.
Kremlchef Wladimir Putin hat den seit langem mit ihm befreundeten Altkanzler Gerhard Schröder als Vermittler im Krieg zwischen Russland und der Ukraine ins Spiel gebracht. Obwohl sich die USA um Vermittlung bemüht hätten, könne er sich von europäischer Seite den früheren SPD-Chef als Vermittler vorstellen, sagte Putin am Abend bei einer außerordentlichen Pressekonferenz nach der Siegesparade zum Ende des Zweiten Weltkriegs in Moskau. «Von allen europäischen Politikern würde ich Gespräche mit Schröder bevorzugen.»
Putin betonte, dass eine friedliche Lösung des Konflikts Sache der Ukraine und Russlands sei. «Aber wenn jemand helfen möchte, sind wir dafür dankbar.»
Schröder ist gegen Isolierung Russlands
Der mittlerweile 82 Jahre alte Sozialdemokrat Schröder, der von 1998 bis 2005 Kanzler war, steht seit Jahren wegen seiner Freundschaft zu Putin und Tätigkeiten für russische Öl- und Gaskonzerne in der Kritik - auch innerhalb seiner eigenen Partei. Zuletzt hatte er Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine Ende Januar in einem Gastbeitrag für die «Berliner Zeitung» als völkerrechtswidrig bezeichnet und zugleich nachgeschoben: «Ich bin aber auch gegen die Dämonisierung Russlands als ewiger Feind.» Auch plädierte Schröder für die Wiederaufnahme von Energielieferungen aus Russland.
Schröder war nach seinem Ausscheiden aus der Politik lange Jahre für russische Energiekonzerne aktiv, unter anderem als Präsident des Verwaltungsrats der Nord Stream 2 AG, einer Tochtergesellschaft des russischen Energiekonzerns Gazprom. Die Pipeline wurde Ende 2021 fertiggestellt, ging aber wegen des russischen Überfalls auf die Ukraine im Februar 2022 nicht in Betrieb - die Bundesregierung unter dem damaligen Kanzler Olaf Scholz (SPD) versagte die Betriebsgenehmigung.
Putin zu direkten Gesprächen mit Selenskyj bereit - in Moskau
Putin machte in der Pressekonferenz weiter deutlich, er sei auch bereit zu direkten Gesprächen mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. «Wer sich mit mir treffen will, muss nach Moskau kommen», sagte Putin allerdings. Ein Treffen an einem anderen Ort sei auch möglich, «aber nur wenn zuvor eine langfristige Friedensvereinbarung getroffen wurde». Selenskyj schließt eine Reise nach Moskau aus.
Siegesparade verläuft störungsfrei
Angesichts einer von US-Präsident Donald Trump vermittelten dreitägigen Waffenruhe konnte Putin seine Militärparade am Samstag störungsfrei durchziehen. Die befürchteten Drohnenangriffe von ukrainischer Seite blieben aus. In seiner Rede vor Tausenden Soldaten und einigen internationalen Gästen zeigte sich Putin sicher, dass Russlands Armee den Angriffskrieg gegen die Ukraine gewinnen wird.
Russland feiert am 9. Mai traditionell den Tag des Sieges der Sowjetunion über Nazi-Deutschland. Wegen der gespannten Sicherheitslage - und möglicherweise auch wegen des kriegsbedingt reduzierten Arsenals - gab es diesmal nicht die übliche Waffenschau mit Panzern, Raketen und anderer Militärtechnik.