Putin bringt Altkanzler Schröder als Vermittler ins Gespräch
Autor: dpa
, Sonntag, 10. Mai 2026
Man kennt sich, man schätzt sich: Nun hat Kremlchef Putin seinen Freund Gerhard Schröder als Vermittler im Ukraine-Krieg ins Spiel gebracht. Und sagt, er wäre für Hilfe dankbar.
Kremlchef Wladimir Putin hat den seit langem mit ihm befreundeten Altkanzler Gerhard Schröder als Vermittler im Krieg zwischen Russland und der Ukraine ins Spiel gebracht. Obwohl sich die USA um Vermittlung bemüht hätten, könne er sich von europäischer Seite den früheren SPD-Chef als Vermittler vorstellen, sagte Putin am Abend bei einer außerordentlichen Pressekonferenz nach der Siegesparade zum Ende des Zweiten Weltkriegs in Moskau. «Von allen europäischen Politikern würde ich Gespräche mit Schröder bevorzugen.»
In der Bundesregierung stoßen Putins Äußerungen auf deutliche Skepsis. Aus Regierungskreisen in Berlin hieß es, man habe die Äußerungen zur Kenntnis genommen. Sie reihten sich ein in eine Serie von Scheinangeboten und seien Teil der bekannten hybriden Strategie Russlands. «Deutschland und Europa lassen sich dadurch aber nicht spalten», hieß es weiter.
Russland habe seine Bedingungen nicht geändert. Deswegen sei die Verhandlungsoption nicht glaubwürdig. «Ein erster Test der Glaubwürdigkeit wäre es, wenn Russland die Waffenruhe verlängert.» Beide Seiten hatten sich unter Vermittlung von US-Präsident Donald Trump auf eine Waffenruhe bis Montag (11. Mai) geeinigt.
Selenskyj: Sind schon lange auf Gespräche vorbereitet
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj wertete Putins Gesprächsbereitschaft positiv. «Wir haben ihn ein wenig dazu gedrängt, und wir sind schon lange auf diese Treffen vorbereitet.» Es müsse noch ein passendes Format gefunden werden. «Dieser Krieg muss beendet werden – und die Sicherheit muss zuverlässig gewährleistet werden», sagte er in seiner abendlichen Videoansprache. Zu Putins Bedingungen und zu der von ihm vorgeschlagenen Einbeziehung Schröders als Vermittler äußerte sich der ukrainische Staatschef nicht.
«Europa muss mit am Tisch sitzen»
Europa und die USA hätten eingespielte Verhandlungsteams, hieß es in Regierungskreisen weiter. Die Ukraine stehe gemeinsam mit der Gruppe der E3 - das sind Deutschland, Frankreich und Großbritannien - für Gespräche stets zur Verfügung. «Europa muss mit am Tisch sitzen. Dafür müssen aber die Bedingungen stimmen.» Zwischen Kiew und Moskau gab es Verhandlungen über ein Ende des russischen Angriffskriegs bisher unter Vermittlung der USA, die Europäer saßen nicht mit am Tisch - auch weil der Kreml das ablehnte.
SPD-Außenpolitiker fordern dagegen, dass der Vorschlag des Kreml nicht sofort abgelehnt wird. «Jedes Angebot muss ernsthaft geprüft werden, wie verlässlich es ist», sagte der außenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Adis Ahmetovic, dem «Spiegel». Ähnlich äußerte sich der SPD-Außenpolitiker Ralf Stegner. «Ich begrüße jede Initiative, die den Krieg beenden könnte», sagte er dem «Spiegel». Bislang sei Europa nicht an den Verhandlungen beteiligt und könne keine Vorschläge machen. »Wenn das über jemand wie Schröder gelingen würde, wäre es fahrlässig, das auszuschlagen.«
Das Büro des Altkanzlers teilte auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit, Schröder werde sich zu dieser Frage nicht äußern. Putin hatte auch gesagt, es brauche jemanden als Vermittler, der bisher nicht mit Gemeinheiten gegenüber Russland aufgefallen sei.