Was bedeutet das militärisch?
Nach dpa-Informationen geht es unter anderem um weniger US-Tankflugzeuge, Kampfjets, Drohnen, Seeaufklärer, Schiffe, Bomberverbände und eine Flugzeugträgerkampfgruppe in der Nato-Planung. Rutte sagt, europäische Verbündete und Kanada hätten bereits einige Lücken geschlossen oder nahezu geschlossen. Gelöst ist das Problem aber bei weitem nicht.
Wie reagiert Deutschland auf Trumps Kritik?
Trump bezeichnete deutsche Beiträge für das Bündnis kurz vor dem Gipfel als «lächerlich». Kanzler Friedrich Merz wies das zurück. Deutschland verdoppele seinen Verteidigungsetat binnen vier Jahren, sagte er. Es sei die größte Kraftanstrengung, die Deutschland je unternommen habe, um seine Verteidigungsfähigkeit zu stärken. Insofern müsse sich Deutschland vor niemandem verstecken.
Welche Rolle spielt das neue Fünf-Prozent-Ziel?
Beim Nato-Gipfel im vergangenen Jahr hatten die Alliierten auf Drängen Trumps vereinbart, spätestens ab 2035 jährlich fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Verteidigung und Sicherheit auszugeben. Davon sollen 3,5 Prozent klassische Verteidigungsausgaben sein, weitere 1,5 Prozent können etwa in Infrastruktur fließen. In Ankara soll überprüft werden, wie weit die Verbündeten bei der Umsetzung sind. Entscheidend ist allerdings nicht nur die Quote.
Warum nicht?
Weil höhere Ausgaben allein die Nato nicht verteidigungsfähiger machen. Entscheidend ist, ob daraus schnell Munition, Flugabwehr, Drohnen, weitreichende Präzisionswaffen und andere Fähigkeiten werden. Parallel zum Gipfel findet deshalb ein Verteidigungsindustrie-Forum statt. Dort soll es um transatlantische Produktion, Investitionen und Innovation gehen - also um die Frage, ob die Nato ihre Rüstungsbasis schnell genug hochfahren kann.
Warum belastet der Iran-Krieg den Gipfel?
Trump wirft europäischen Verbündeten vor, die USA im Krieg gegen den Iran nicht ausreichend unterstützt zu haben. Dabei ging es unter anderem um Stützpunkte, Überflugrechte und eine mögliche Rolle bei der Sicherung der Straße von Hormus. In der Nato wurde vor dem Gipfel überlegt, Trump für die Zeit nach dem Iran-Krieg ein Engagement des Bündnisses bei der Sicherung der Schifffahrt durch die Meerenge in Aussicht zu stellen. Ein klares Ergebnis gab es allerdings nicht.
Frankreich und Großbritannien bereiteten zuletzt schon ohne die Nato eine mögliche internationale Marinemission vor. Deutschland hat signalisiert, dass es sich beteiligen könnte.
Was bedeutet der Gipfel für Gastgeber Türkei?
Für Präsident Recep Tayyip Erdogan ist der Gipfel schon vor Beginn ein Prestigeerfolg. Trump will persönlich nach Ankara reisen, und Erdogan kann die Türkei, das Land mit der zweitgrößten Armee der Nato, als unverzichtbare Regionalmacht präsentieren.
Wie reagiert die Nato auf die Kritik an der Menschenrechtslage im Land?
Sehr schmallippig - so gab es selbst dann keine klare öffentliche Kritik, als zahlreiche türkische Journalisten, darunter viele oppositionelle Medienvertreter, keine Akkreditierung für den Gipfel erhielten. Der Türkei-Berichterstatter der EU, Nacho Sanchez Amor, kritisierte auf X, das sei das Ergebnis, wenn eine «autoritäre Regierung» den Gipfel ausrichte - was Nato-Generalsekretär Rutte aber nicht zu interessieren scheine. Die Organisation Human Rights Watch schrieb, das Vorgehen der türkischen Regierung widerspreche den Gründungswerten des Bündnisses.