Zugleich wehrte sich die Ukraine mit neuen Gegenangriffen auf Ziele im russischen Hinterland. Selenskyj zog dazu erneut zufrieden Bilanz. Es seien Lager-, Vorbereitungs- und Abschussstellen für Angriffsdrohnen in den Regionen Orjol und Rostow getroffen worden. «Es gab Treffer auf einen Militärflugplatz in Jeisk und im Schwarzen Meer», sagte Selenskyj. Im Leningrader Gebiet sei eine Ölraffinerie Ziel gewesen, «die monatlich Millionen Dollar in den Militärhaushalt einbringt».
«Russland muss täglich spüren, dass der Krieg dorthin zurückkehrt, woher er gekommen ist», erklärte Selenskyj. Russland müssten die Ressourcen genommen werden für den Krieg. Dafür brauche es auch weitere Sanktionen des Westens und einen Kampf gegen die Umgehung der Strafmaßnahmen. Russland beziehe weiter viele Komponenten, chemische Stoffe und Maschinen für seine Kriegswirtschaft aus dem Ausland, sagte Selenskyj.
Russland will nun verstärkt ukrainische Energieanlagen angreifen
Kremlsprecher Dmitri Peskow sagte dem russischen Staatsfernsehen, dass die Ukraine mit den «terroristischen Angriffen» auf russische wirtschaftliche Ziele selbst den Weg der Eskalation gewählt habe und darauf die Antwort bekomme. «Jeden Tag nähert sich die Niederlage des Landes. Kiew versteht das sehr gut», sagte Peskow. Die Schäden in dem Land durch die russischen Angriffe seien mit bloßem Auge sichtbar.
Das russische Verteidigungsministerium teilte am Morgen mit, in der Hauptstadt Kiew sei ein Betrieb getroffen worden, in dem Bauteile und Sprengstoff für Drohnen gelagert gewesen seien. Die Angaben sind von unabhängiger Seite nicht überprüfbar. Die Angriffe auf Rüstungsbetriebe würden fortgesetzt. Die russischen Streitkräfte kündigten zudem an, sich auf massive Schläge gegen die ukrainische Energieinfrastruktur zu rüsten.
Russland führt seit mehr als viereinhalb Jahren seinen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Kiew wehrt sich dagegen mit westlicher Hilfe.
Russischer Abgeordneter fordert Atomschlag gegen Ukraine
Der russische Parlamentsabgeordnete Alexej Schuraljow erwog in einer Videobotschaft einen Schlag gegen die Ukraine mit einer taktischen Atomwaffe. «Es gibt Diskussionen darüber, ob wir taktische Atomwaffen einsetzen dürfen oder nicht», sagte er. «Im Bedarfsfall sind wir verpflichtet, sie einzusetzen.» Die russische Armee komme zwar voran in der Ukraine. Es seien aber härtere Schläge nötig.
«Man muss so zuschlagen, dass der Feind versteht, dass er kapitulieren sollte», sagte der Politiker der kremlnahen Partei Rodina (auf Deutsch: Heimat) wenige Wochen vor der Duma-Wahl, die vom 18. bis 20. September geplant ist. Als Beispiel nannte er den Einsatz der Atombombe durch die USA in Japan im Zweiten Weltkrieg.
Der Kreml hatte stets betont, dass Atomwaffen nur im Fall einer existenziellen Bedrohung für Russland eingesetzt werden könnten. Kremlchef Wladimir Putin hatte die Schäden durch ukrainische Angriffe zwar eingeräumt, aber als «unter Kontrolle» heruntergespielt.