Nawalnaja: Wahrheit von Nawalnys Tod nun bekannt
Dagegen betonte Nawalnaja in einem Instagram-Beitrag, dass es nun Klarheit gebe über die Todesursache. «Zwei Jahre. Die Wahrheit haben wir ergründet, und die Gerechtigkeit werden wir auch eines Tages erreichen», schrieb sie vor einem am Abend in Paris geplanten Auftritt bei einer Kundgebung. Sie unterlegte den Post mit dem Lied «My Way» von Frank Sinatra.
Nawalnaja hatte am Samstag in München mit Wadephul am Rande der Sicherheitskonferenz Laborergebnisse bekanntgegeben, denen zufolge ihr Mann mit dem Nervengift getötet worden sein soll. Wadephul zeigte sich schockiert, er sprach von Vergiftung. Nur der russische Staat habe «Möglichkeit, Motiv und Mittel» gehabt, den Oppositionellen zu vergiften, bekräftigte das Auswärtige Amt auch am Montag.
Die russischen Behörden behaupten hingegen seit langem, dass Nawalny eines natürlichen Todes gestorben sei. Sie hatten seine Leiche trotz Bitten von Nawalnys Mutter tagelang nicht herausgegeben. Deshalb wurde befürchtet, dass etwaige Giftspuren womöglich nicht mehr nachgewiesen werden können. Unklar ist, wie die Gewebeproben Nawalnys in den Westen gelangt sind.
Amnesty fordert Aufklärung der Todesumstände
Menschenrechtler kritisieren, dass es in Russland keine Aufklärung gab. «Bis heute vertuschen die russischen Behörden die Umstände seines Todes», erklärt Julia Duchrow, Generalsekretärin von Amnesty International in Deutschland. Zugleich führe der Machtapparat eine «gnadenlose Kampagne» gegen Anhänger Nawalnys. Seine Anwälte sind inhaftiert. «Diese systematische Repression zeigt, wie kompromisslos der russische Staat gegen jede Form friedlicher Kritik vorgeht», sagte sie.
Duchrow appellierte an die russischen Behörden, die Inhaftierten freizulassen und «ungerechtfertigte Verurteilungen» aufzuheben. Zugleich forderte sie die Bundesregierung dazu auf, politisch verfolgten Menschen aus Russland zu helfen, etwa durch flexible Visa- und Aufenthaltsregelungen.
Tausende politische Gefangene
Nawalny war einer von Tausenden politischen Gefangenen in Russland, von denen Putin bisher nur einige im Tausch mit im Westen inhaftierten Russen freigelassen hat. Menschenrechtler sehen viele Gefangene in Lebensgefahr in den russischen Straflagern - aufgrund von Folter oder anderer als menschenunwürdig kritisierten Umstände.
Die Menschenrechtsorganisation Memorial geht davon aus, dass Russland mindestens 5.027 Menschen wegen politischer Motive in Gefangenschaft hält. Memorial führt eine namentliche Liste. «Das ist eine minimale Schätzung. Wir gehen davon aus, dass es in Wirklichkeit mindestens doppelt so viele Gefangene geben könnte», hieß es in einer Mitteilung.