150 verletzte Polizisten, 1.200 Festnahmen: Frankreichs Premierminister spricht von einem «entsetzlichen Ausmaß an Gewalt». Was folgt auf die Ausschreitungen?
Nach einem landesweiten Protesttag mit beispiellosen Ausschreitungen und Plünderungen hat Frankreichs Premierminister Sébastien Lecornu ein «entsetzliches Ausmaß an Gewalt» angeprangert. Es seien 150 Polizisten verletzt und rund 1.200 Menschen festgenommen worden. Am Rande der Proteste gegen hohe Lebenshaltungskosten, an denen sich Hunderttausende beteiligten, kam es in vielen Städten zu Gewalt, Plünderungen und Sachbeschädigungen mit Schäden in Millionenhöhe.
In der Stadt Limoges etwa setzten Randalierer das unter Denkmalschutz stehende Rathaus in Flammen, das weitgehend ausbrannte. Der Bürgermeister der zentralfranzösischen Stadt, Guillaume Guérin, sagte laut dem Sender lci: «Es gibt keine Worte, um das Geschehene zu verurteilen, so abscheulich ist es. Das Land befindet sich in einer chaotischen Lage.» Er sprach umringt von Abgeordneten, die Tränen in den Augen hatten. «Sie haben ein Gebäude zerstört, das den Einwohnern von Limoges am Herzen liegt, aber sie haben den öffentlichen Dienst nicht zerstört», sagte er.
Dem Protesttag hatten sich verschiedene Gruppierungen angeschlossen, darunter Schüler und Studenten, die seit Wochen für bessere Lernbedingungen demonstrieren. Bei dem Protestaufruf, der keiner Organisation klar zuzuordnen war, ging es auch um hohe Spritpreise, niedrige Löhne, die große Zahl von zu Niedriglöhnen Beschäftigten sowie Probleme der Landwirtschaft und der Feuerwehr. Aufgrund des bereits hohen Haushaltsdefizits und Frankreichs hoher Verschuldung ist der Handlungsspielraum der Regierung, auf Forderungen der Demonstranten einzugehen, allerdings begrenzt.
Ausschreitungen von beispiellosem Ausmaß
Premierminister Lecornu sagte, die Polizei habe sich den ganzen Tag lang «einer besonders gewalttätigen Ultralinken» gegenübergesehen, «einer sehr gut organisierten, undurchsichtigen Gruppe, die methodisch versuchte, Eigentum, Personen, aber auch die Institutionen der Republik anzugreifen», sagte Lecornu. Es handle sich «um ein politisches Manöver, das Gewalt billigt». Er betonte: «Wir lassen uns davon nicht einschüchtern.»
Justizminister Gérald Darmanin sprach am späten Samstagabend von «Ausschreitungen von beispiellosem Ausmaß, die auch derzeit noch andauern». Er habe «alle Generalstaatsanwälte und Staatsanwälte erneut aufgefordert, eine äußerst entschlossene juristische Reaktion zu zeigen, die der Gewalt, die unser Land heimgesucht hat, angemessen ist», erklärte der Minister.
Präsident Emmanuel Macron drohte den Verantwortlichen mit Konsequenzen. «In unserer Republik ist kein Platz für Gewalt», sagte er am Abend. «Diejenigen, die sowohl Präfekturen als auch Geschäfte zerstört und angegriffen sowie sogar unsere Rathäuser geplündert haben, werden strafrechtlich verfolgt und bestraft.»
Schon am Vormittag waren Einsatzkräfte in Paris, Lyon, Straßburg und anderen Großstädten mit Tränengas und Schlagstöcken gegen Protestierende vorgegangen. Auch Wasserwerfer kamen zum Einsatz.