Anerkannten Flüchtlingen wird ein Wohnort zugewiesen, in der Regel für zunächst drei Jahre, oft in einem Asylzentrum, das ähnlich abgelegen ist wie Sandholm. Die Zentren haben einen Kindergarten. Minderjährige im schulpflichtigen Alter bekommen Schulunterricht, zuerst im Asylzentrum und sobald sie fit dafür sind in normalen Schulen in der Umgebung. Für Erwachsene gibt es Dänisch-Unterricht. Schon in Sandholm grüßen viele bereits in der Landessprache. Die Bewohner erhalten ein Taschengeld, das sie aufbessern können, wenn sie bestimmte Arbeiten übernehmen.
Abgelehnte Asylbewerber werden in eines von drei Abschiebezentren geschickt. Dort landen auch Menschen, deren Aufenthaltserlaubnis nicht verlängert wurde oder deren Heimat die dänischen Behörden für sicher erklärt haben, und zwar selbst dann, wenn sie seit Jahren in Dänemark leben, Dänisch sprechen, Arbeit haben und ihre Familie ernähren. Gerade erst machte der Fall der Russin Larissa Okulowa Schlagzeilen, deren Aufenthaltsgenehmigung nach 19 Jahren aufgehoben wurde, nachdem ihr in Dänemark angestellter Mann gestorben war.
Abgelehnten Asylbewerbern bieten die dänischen Behören 20.000 Kronen, wenn sie auf einen Einspruch verzichten. Doch darauf gehen die wenigsten ein. Wer nicht einlenkt, muss mit einer anderen «motivationsfördernden Maßnahme» rechnen - der Einweisung nach Ellebæk, von dem der Chef des Antifolterkomitees des Europarats gesagt hat, selbst Gefängnisse in Russland seien besser.
Richtlinien, die von den EU-Verträgen abweichen
Støjberg hat auf solche Kritik entgegnet, sie wolle den in Dänemark unerwünschten Insassen von Abschiebezentren das Leben so unerträglich wie möglich machen. Sie ist im Streit um Auswüchse ihrer Ausländerpolitik aus der Venstre ausgetreten und hat die rechtspopulistischen Dänemarkdemokraten gegründet, die in Umfragen heute fast dreimal so stark sind wie die Dänische Volkspartei.
Als Vorbild für andere EU-Staaten taugt Dänemark jedoch schon rein rechtlich nicht. Denn Anfang der 1990er Jahre hatte die damalige Regierung Sonderregeln ausgehandelt, nach denen Dänemark Richtlinien für Grenzkontrollen, Asyl, Einwanderung und Visa erlassen darf, die von den EU-Verträgen abweichen. Andere EU-Staaten können das nicht.
Dennoch kann das Land längst nicht alle Ausreisepflichtigen abschieben. Die Regierung in Syrien etwa kooperiere nicht, sagt Bendixen. Auch in den Sudan, den Iran, nach Gaza und Myanmar werde praktisch nicht abgeschoben. Also blieben die Menschen in Ellebæk und anderen Zentren, machten andere Asylgründe geltend oder würden nach 18 Monaten unter bestimmten Umständen sogar als geduldet eingestuft.
Viele Ausreisepflichtige tauchen unter
Darauf lassen es viele aber lieber nicht ankommen. Refugees Welcome zufolge verdrücken sich die meisten Ausreisepflichtigen, bevor sie in Ellebæk landen. 2022 habe es in Dänemark 548 Ausreisepflichtige gegeben. Davon seien 222 abgeschoben worden. Die meisten der gut 300 anderen verschwänden irgendwann aus dem System, tauchten unter oder versuchten es zum Beispiel in Deutschland.
Bendixen nennt Ellebæk Teil der dänischen Abschreckungspolitik gegen Flüchtlinge. Die funktioniere aber nur so lange, wie andere Länder das Rezept nicht übernähmen. Falls die Nachbarstaaten ähnlich vorgingen, werde die europäische Flüchtlingspolitik laufen wie das Spiel «Die Reise nach Jerusalem». «Es werden immer weniger Stühle, aber die Zahl der Flüchtlinge wird dadurch nicht geringer. Sie sind in Europa und drängen sich auf die immer weniger freien Plätze.»