Crans-Montana: 40 Tote bei Silvesterfeier - was ist ein "Flashover"?
Autor: Alexander Milesevic, Agentur dpa
Montana, Freitag, 02. Januar 2026
Warum wird eine Schweizer Bar zur Todesfalle für rund 40 Menschen? Die Ermittlungen laufen, Polizei und Staatsanwaltschaft halten sich bedeckt.
Update vom 02.01.2026: Viele Fragen offen nach Brandtragödie in Crans-Montana
Nach der Brandtragödie in der Silvesternacht (31. Dezember 2025/1. Januar 2026) mit etwa 40 Todesopfern in einem Lokal im Schweizer Luxus-Skiort Crans-Montana sind viele Fragen nach wie vor ungeklärt. Politiker, die Staatsanwältin und die Polizei zeigten sich erschüttert - viele Ergebnisse der Ermittlungen wurden in den ersten 24 Stunden nach dem Vorfall nicht präsentiert. Die Mehrheit der rund 115 Verletzten erlitt schwere Brandverletzungen, einige schwebten in der Nacht noch in Lebensgefahr.
Die Regierung des Kantons Wallis sprach in einer Mitteilung von einem "Flashover" in der Bar, ohne eine Quelle für diese Information zu nennen. Mit dem Ausdruck wird der schnelle Übergang eines kleinen Feuers zu einem Großbrand bezeichnet. Das geschieht durch extreme Hitze, die brennbares Material so zersetzt, dass es bestimmte Gase bildet und dann auch ohne Flammenkontakt blitzschnell in Brand gerät. Ohne Schutzkleidung sei das kaum zu überleben, sagte die Brandschutzexpertin Sandra Barz im ARD-"Brennpunkt".
Zahlreiche der mehr als 110 Verletzten wiesen lebensbedrohliche Verbrennungen auf. In der Universitätsklinik Lausanne wurden allein etwa 13 erwachsene und acht minderjährige Brandverletzte aufgenommen, "deren Körperoberfläche zu mehr als 60 Prozent verbrannt ist", wie der Chefarzt des Spitals Morges, Wassim Raffoul, dem Sender RTS sagte. Es handle sich um sehr schwere Verletzungen, deren Behandlung sehr lange dauern werde. Hinzu könne kommen, dass die Verletzten auch Rauchgasvergiftungen, Quetschungen sowie Knochenbrüche durch das Gedränge erlitten hätten.
Auch Deutsche unter den Opfern?
Am Neujahrsabend beteten in der Kirche von Crans-Montana 400 Gläubige in einer Messe mit dem Bischof von Sitten, Jean-Marie Lovey für die Opfer. Die meisten dürften Teenager oder junge Erwachsene gewesen sein, heißt es vonseiten der Polizei, womöglich Minderjährige. Die Bar "Le Constellation" war nach Angaben von Anwohnern bei ihnen besonders beliebt.
Bundespräsident Guy Parmelin sprach von einer der schlimmsten Tragödien, die es in der Geschichte der Schweiz je gegeben habe. Die Flaggen am Parlament würden für fünf Tage auf halbmast gehängt.
Der Flughafen von Genf bereitete sich auf die Ankunft der Familien ausländischer Opfer vor, wie der Kanton Genf berichtete. Er liegt am nächsten am Unglücksort, aber auf dem Landweg immer noch 180 Kilometer entfernt. Unter den Toten und Verletzten sind nach italienischen Angaben Italiener, andere Staaten hielten sich bedeckt. Ob Deutsche darunter sind, war zunächst unklar. Das Außenministerium in Berlin eigenen Angaben zufolge mit den Behörden in Verbindung.
Identifizierung der Todesopfer hat Priorität
Der französische Präsident Emmanuel Macron verkündete auf der Plattform X, Frankreich nehme Verletzte in seinen Krankenhäusern auf und stehe für jede Hilfe zur Verfügung. Verletzte sind Berichten zufolge bereits nach Paris und Lyon gebracht worden. Außerdem haben sowohl Schweden als auch Nordmazedonien ihre Unterstützung angeboten.