Deutsche und polnische Soldaten sichern gemeinsam Polens Ostgrenze. Was der Bundeswehr-Einsatz für die Nato-Abschreckung bedeutet.
In drei Reihen liegen die Panzersperren auf dem matschigen, zerfurchten Acker. Nur an einer Stelle klafft noch eine Lücke. Ein Baggerlader hebt eines der tonnenschweren Betonelemente von einem Militärlaster. Gemeinsam packen deutsche und polnische Soldaten zu und kontrollieren, dass der «Panzerigel» passgenau in der Reihe steht.
Zweihundert Meter von hier markieren ein Stacheldraht und hohe Birken Polens Grenze zur russischen Exklave Kaliningrad. Es ist auch die Ostgrenze der Nato. Sie soll befestigt werden - und Bundeswehrsoldaten helfen dabei. Generalmajor Tilo Maedler reckt das Kinn Richtung Russland. «Sollen sie uns sehen - dann wissen sie gleich, mit wem sie es tun zu haben. Das dient auch der Abschreckung.»
Seit Juli sind rund 40 Soldatinnen und Soldaten eines verstärkten Maschinenpionierzuges im Nordosten von Polen im Einsatz. Sie haben gemeinsam mit der polnischen Armee einen Panzerabwehrgraben angelegt und die Panzersperren aufgebaut. Der Einsatz ist bis Ende Oktober geplant.
Polen investiert Milliarden in das «Schutzschild Ost»
Polen ist an seiner Ostgrenze nach den Worten von Regierungschef Donald Tusk «sicherer als je zuvor». Das EU- und Nato-Mitglied Polen ist einer der wichtigsten Unterstützer der von Russland angegriffenen Ukraine und sieht sich auch selbst von Moskau bedroht. Es investiert daher Milliarden in den sogenannten «Schutzschild Ost», eine befestigte Verteidigungslinie an Teilen seiner Ostgrenze.
Bis Ende dieses Jahres will das polnische Verteidigungsministerium rund 250 Kilometer der östlichen und nördlichen Grenze absichern. Vorgesehen sind Betonbefestigungen, elektronische Überwachungssysteme und Lager für Pionierausrüstung. Die Europäische Union beteiligt sich über ihr Verteidigungsprogramm «SAFE» an der Finanzierung des Projekts.
Panzersperren zur Abschreckung, Minen für den Ernstfall
«Der Aufwand für einen potenziellen Feind, hier durchzukommen, wäre enorm», erklärt Major Martin, der nach den Vorschriften der Bundeswehr nur mit seinem Vornamen genannt werden darf. Gleich hinter dem Grenzzaun haben die Pioniere einen tiefen Graben angelegt. «Der ist dafür da, dass ein Panzer reinfährt und nicht wieder rauskommt.» Sollte dies doch gelingen, gibt es gleich zwei Mal je drei Reihen von «Panzerigeln» zu überwinden.
Der etwa hundert Meter breite Zwischenraum zwischen den Sperren hat seinen Sinn. «Im Falle eines drohenden Angriffs können wir hier Minen auslegen», erklärt General Stanislaw Czosnek von der polnischen Armee.