Die libanesische Regierung stuft das von Israel kontrollierte Areal, das gut sechs Prozent des Territoriums ausmacht, als völkerrechtswidrig besetztes Staatsgebiet ein.
Viele Stolpersteine bei der Umsetzung
Der israelische Nahost-Experte Danny Citrinowicz bezeichnete auf X das Abkommen zwar als eine beeindruckende diplomatische Errungenschaft, wies aber auf ähnlichen Optimismus bei früheren Vereinbarungen wie dem Gaza-Abkommen hin. Dessen Umsetzung stagniert.
Citrinowicz bezeichnet die zentrale Annahme des Abkommens, dass die Hisbollah letztendlich entwaffnet wird, höchst fragwürdig. Weder die libanesischen Streitkräfte noch Israel dürften dieses Ziel in absehbarer Zukunft erreichen. «Infolgedessen könnte die Frage der Waffen der Hisbollah zur Rechtfertigung für eine unbefristete israelische Militärpräsenz werden, ähnlich wie ungelöste Sicherheitsbedenken andere Konflikte verlängert haben», so der Experte.
Außerdem sei es unwahrscheinlich, dass ein israelischer Ministerpräsident einem nennenswerten Rückzug aus dem Libanon zustimmen werde. Die bereits genehmigte begrenzte Truppenverlegung betreffe Gebiete, die Israel ohnehin kaum dauerhaft hätte halten können. Es gebe kaum Anzeichen dafür, dass unter den derzeitigen Bedingungen weitere Rückzüge stattfinden werden.
Andere Beobachter weisen auch auf die Rolle des Irans hin. Die iranische Regierung unterstützt die Hisbollah finanziell und auch mit Waffen. Die Hisbollah gilt als wichtiges Abschreckungswerkzeug des Irans gegen Israel und trägt damit zum Machterhalt Teherans bei. Kritiker zweifeln an der Bereitschaft des Irans zur Aufgabe der Hisbollah-Waffen.
Hisbollah lehnt Vereinbarung ab
Die Hisbollah teilte mit, sie fühle sich nicht an das Rahmenabkommen gebunden. Die Hisbollah werde sich jeglichen Regierungsmaßnahmen widersetzen, die sich aus dem Abkommen ergäben, an ihren Waffen festhalten und nicht zulassen, dass die Behörden dem libanesischen Volk ihren Willen aufzwingen, sagte Hassan Fadlallah, ein Mitglied der Hisbollah-Fraktion im libanesischen Parlament, dem libanesischen proiranischen Nachrichtenportal Al Majadin.
Zahlreiche Anhänger der Miliz gingen am Freitagabend auf die Straße, um gegen das Abkommen zu demonstrieren. Hisbollah-Chef Naim Kassim bezeichnete das Abkommen als «Erniedrigung», «Schande» und «Verzicht auf die Souveränität». Kassim kritisierte insbesondere, dass ein israelischer Rückzug aus dem Südlibanon an die Entwaffnung der Hisbollah geknüpft werde. Dies überschreite «rote Linien», ermögliche Israel Einfluss auf innere Angelegenheiten des Libanon und legitimiere eine fortgesetzte Besatzung.
Waffenruhe zuletzt stabiler
Zwischen der Hisbollah und Israel gilt seit dem 19. Juni eine Waffenruhe. Nach mehreren fehlgeschlagenen Versuchen wurde sie zuletzt von beiden Seiten weitgehend eingehalten.
Lage im Libanon könnte Frieden im Iran gefährden
Der Konflikt im Libanon ist für die USA besonders relevant, weil er zum Knackpunkt in den Verhandlungen mit dem Iran werden könnte. Das zwischen Washington und Teheran erzielte Rahmenabkommen sieht ein Ende der Kämpfe auch im Libanon vor. Experten kritisieren, dass die US-Regierung dem Iran ein Vetorecht über Entwicklungen im Libanon zugestanden habe.
Der Iran will die Hisbollah um jeden Preis schützen und macht deshalb den Rückzug Israels aus dem Südlibanon zur Bedingung für ein dauerhaftes Kriegsende. Zwischen den USA und dem Iran herrscht eigentlich eine Waffenruhe. Erstmals seit dem erzielten Rahmenabkommen griffen die USA in der Nacht aber wieder iranische Ziele an - als Reaktion auf eine Attacke auf ein Frachtschiff in der Straße von Hormus. Der Golfstaat Bahrain meldete einen iranischen Angriff mit Drohnen.