Trump führte auch aus, dass die USA das angereicherte Uran, das sich im Iran befinde, übernehmen wollen. Und er zeigte sich zuversichtlich, dass Israel von einem möglichen Deal ebenfalls überzeugt sein werde. Die USA und Israel begründen ihren Krieg unter anderem mit dem Ziel, den Iran am heimlichen Bau von Atomwaffen hindern zu wollen. Teheran bestreitet solche Absichten.
Trump hatte 48-Stunden-Frist gesetzt
Die Agentur Fars zitierte eine anonyme Quelle im iranischen Machtapparat, wonach Trump mit seinem Ultimatum zurückgerudert sei, nachdem er gehört habe, dass alle Kraftwerke in Westasien Ziele iranischer Angriffe sein würden. Tasnim schrieb, Trump habe sich «vom Druck der Finanzmärkte» überzeugen lassen.
In der Nacht zum Sonntag (MEZ) hatte Trump mit der Zerstörung seiner Energieanlagen gedroht, sollte das Land nicht innerhalb von 48 Stunden die Straße von Hormus vollständig und «ohne Drohungen» öffnen. Andernfalls würden die USA Irans Kraftwerke angreifen und zerstören, «beginnend mit dem größten!», schrieb Trump auf seiner Plattform Truth Social.
Aufatmen an den Märkten
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) begrüßte Trumps Aussagen zu einem vorläufigen Verzicht auf angedrohte Angriffe gegen Kraftwerke. «Ich bin dankbar, dass er heute gesagt hat, dass er das noch einmal um fünf Tage verschiebt und jetzt auch die Möglichkeit für unmittelbare und direkte Kontakte mit der iranischen Führung eröffnet», sagte Merz in Berlin. «Ich habe ihm angeboten, dass wir in jeder Hinsicht dabei behilflich sind. Wir verfügen über gute Kontakte in die gesamte Region.»
Anleger reagierten erleichtert auf die Verlängerung des US-Ultimatums. Der Deutsche Aktienindex (Dax) legte eine Kehrtwende hin und sprang daraufhin nach einem Minus am Vormittag deutlich nach oben. Gegen Mittag lag er mit 2,64 Prozent im Plus bei 22.972 Punkten.
Ähnlich sah es beim MDax der mittelgroßen Unternehmen aus, der zuletzt ebenfalls um 2,64 Prozent auf 28.531 zulegte. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 erholte sich ähnlich deutlich. Auch an den zuvor schwach erwarteten US-Börsen zeichnen sich nun Gewinne ab.
Der Ölpreis sank klar: Der Preis für ein Fass (159 Liter) Rohöl der für Europa maßgeblichen Nordsee-Sorte Brent sackte deutlich ab auf zuletzt rund 103 US-Dollar.
Iran wollte zurückschlagen
Der Iran hatte seinerseits am Sonntag mit der vollständigen Schließung der Meerenge gedroht, falls die USA iranische Kraftwerke angreifen sollten. Die Straße von Hormus werde erst dann wieder geöffnet, wenn die bereits jetzt zerstörten Kraftwerke wieder aufgebaut seien, teilten die iranischen Revolutionsgarden über den Staatssender Irib mit.
Davor hatte Teheran schon damit gedroht, Energieinfrastruktur und Entsalzungsanlagen in den mit den USA verbündeten Golfstaaten ins Visier zu nehmen. Angesichts des Wassermangels in der Region gehören Entsalzungsanlagen dort zur kritischen Infrastruktur.
Weitere Angriffe
Sowohl im Iran als auch in Israel kam es derweil zu weiteren Angriffen. Aus der iranischen Hauptstadt Teheran wurde eine neue Welle israelischer Luftangriffe mit heftigen Explosionen in mehreren Bezirken der Millionenmetropole gemeldet. Zuvor hatte das israelische Militär auf der Plattform Telegram den Beginn einer weiteren Serie umfangreicher Attacken auf Regierungseinrichtungen der Islamischen Republik verkündet.
Wenige Stunden später informierte Israels Armee über eine neue Raketensalve, die aus dem Iran auf Israel abgefeuert worden sei. Die Luftabwehrsysteme seien bereitgemacht worden, um die Geschosse abzufangen, hieß es auf Telegram. Anwohner wurden aufgerufen, sich in Schutzräume zu begeben.
Die vom Iran unterstützte Hisbollah-Miliz im Libanon beanspruchte innerhalb von 24 Stunden mehr als 60 Angriffe auf Israel für sich. Hisbollah-Kämpfer hätten mit Raketen, Drohnen und Artillerie unter anderem israelische Soldaten und Fahrzeuge im Grenzgebiet angegriffen, teilte die Miliz mit.