Manchmal gibt es jedoch Ausnahmen. Für die «Eras»-Tour von Taylor Swift etwa mussten Fans bei einem besonderen Vorverkauf mehrere Registrierungsstufen durchlaufen, um überhaupt die Chance auf Tickets zu erhalten.
Auf Plattformen wie Tiktok oder Instagram geben sich Nutzer gegenseitig Tipps, wann und wie man sich am besten einloggen sollte, um an Karten zu kommen. Andere versuchen im Freundeskreis gleichzeitig, über mehrere Geräte Tickets zu kaufen, um ihre Chancen zu erhöhen. Einigen erscheint die Platzierung in der Warteschlange hierbei willkürlich.
«Alle Nutzer haben die gleichen Chancen»
Der Ticketvermarkter CTS Eventim betont, dass alle Nutzer die gleichen Chancen hätten. Ein Sprecher erklärt auf Anfrage: «Wer zuerst da ist, wird auch zuerst in die Warteschlange eingereiht. Versuche, die Platzierung zu beeinflussen – etwa durch wiederholtes Aktualisieren oder mehrere parallel geöffnete Tabs – bringen keinen Vorteil».
Digitale Warteschlangen sorgten für ein faires und transparentes Verfahren, heißt es. Insgesamt sei die Nachfrage nach Live-Entertainment gestiegen, besonders bei Künstlern mit sehr hoher Anziehungskraft. «Damit steigen die Anforderungen an Ticketing-Systeme deutlich.» Der Ticketanbieter Ticketmaster, über den etwa der Verkauf der Harry-Styles-Karten lief, antwortete auf eine Anfrage zunächst nicht.
Ein weiterer Grund für Fanfrust: der kommerzielle Schwarzmarkt und Zweithandel. Oft werden ungültige oder schon personalisierte Tickets verkauft, die andere nicht mehr nutzen können, wie Markus Hagge, Rechtsexperte der Verbraucherzentrale Niedersachsen erklärt. «Es passiert leider auch, dass verkaufte Tickets gefälscht sind oder zu überhöhten Preisen vertrieben werden.»
Mehr Bots unterwegs - Zweitmarkt ein Problem
Auch der BDKV kennt dieses Problem. «In diesem Markt wirken teilweise technisch hochgerüstete Akteure am Kartenkauf mit, die mit Bots versuchen, möglichst viele Karten zu kaufen, und damit schneller als die normalen Fans sind», sagt Everke.
Solche Zweitmarkthändler sorgten teilweise für einen Druck, unter dem auch mal Server kollabieren könnten. Teils verlangten sie Aufschläge bis zum Sechzehnfachen des ursprünglichen Kartenpreises.
Das frustriere nicht nur Fans, sondern auch Künstler und die Veranstaltenden, so der Geschäftsführer. Der BDKV setzt sich daher eigenen Angaben zufolge auf nationaler und EU-Ebene dafür ein, den Verbraucherschutz auf dem Zweitmarkt zu verbessern.
Auch Eventim berichtet von einer Zunahme automatisierter Kaufversuche und Bots, insbesondere mit dem Ziel, Tickets überteuert auf nicht autorisierten Zweitmärkten weiterzuverkaufen. Dagegen setzt der Anbieter eigenen Angaben nach auf ein «Bündel wirksamer technischer und organisatorischer Maßnahmen».