Doch: Man müsse unterscheiden zwischen Familienserien und Serien über Dynastien. Die Forscherin sagt: «Jede Serie über eine Dynastie ist eine Familienserie, aber nicht jede Familienserie befasst sich mit Dynastien». Oft gehe es auch einfach um «kleine, unscheinbare Familien».
Bei Geschichten rund um Dynastien wiederum kommt ein weiterer Faktor dazu: Macht. Solche Serien spielen häufig auf einer «längeren Zeitachse» und verhandeln Fragen von Klassengerechtigkeit und Nepotismus – also Themen, die weit über das Familiäre hinausgehen.
Worum es in den «Forsytes» geht
Dass der «Guardian» 2025 gar von einem «Dynastycore» (einer Art Boom von Serien über Familiensagas) schrieb, dürfte kaum überraschen. Im selben Jahr liefen etwa «House of Guinness» über die Familie hinter der Guinness-Brauerei und die dritte Staffel von «The Gilded Age» an. Auch «The Forsytes – Familie verpflichtet» startete damals im britischen Fernsehen, nun ist die sentimental inszenierte Serie im ZDF zu sehen.
In den sechs Folgen bröckelt das augenscheinlich harmonische Leben der Londoner Familie Forsytes, als ein Konkurrenzkampf zwischen zwei Cousins um die Firmennachfolge ausbricht. Zu Beginn macht die Matriarchin der Familie klar: Ein Forsyte sei jemand, der «die Wertigkeit von Aktien kennt, von Familie und Reputation». Man dürfe Erwartungen, die in einen gesteckt werden, niemals enttäuschen. Ein hoher Anspruch, der fast zwangsläufig zum Scheitern verurteilt ist.
Doch genau da liegt ein Reiz solcher Serien. Oft spiele eine gewisse Schadenfreude etwa über eine dysfunktionale Familie eine Rolle, sagt Schlütz. Menschen nutzten Serienfiguren häufig zum sozialen Vergleich, also um sich selbst einzuordnen oder nach unten zu vergleichen, vor allem wenn es den Charakteren gerade so richtig um die Ohren fliege.
«Succession», ein Paradebeispiel
Gut zu sehen ist das bei «Succession» mit Jeremy Strong und Kieran Culkin. Die 2018 angelaufene Serie, die nach vier Staffeln endete, handelt von den Intrigen einer Familie eines Medien-Moguls. Sie räumte zahlreiche Emmys und Golden Globes ab. Dabei erinnert die Serien-Familie Roy an eine Mischung aus den Trumps und der Familie des Medienunternehmers Rupert Murdoch.
Die Roys sind eitel, verblendet und rachsüchtig. Ihr Reichtum und ihr Status werden nicht als erstrebenswert dargestellt, sondern fast schon als armselig. Es sei schon bemerkenswert, eine Serie zu drehen, bei der es eigentlich keine Figur gebe, mit der man wirklich mitfühlen könnte, so die Forscherin.
Viele Familien- und Dynastie-Serien hätten Zuschauerinnen und Zuschauer schon immer vor den Bildschirm gelockt - etwa die legendären 80er-Seifenopern «Dallas» oder «Dynasty» (deutscher Titel: «Der Denver-Clan»).
Grundsätzlich seien sie ein dauerhaft interessantes Angebot. Verändert hat sich über die Jahre vor allem der Output: Im Streaming-Zeitalter werde «unheimlich viel Content produziert», sagt Schlütz.
Langlaufende Familien- und Dynastie-Serien seien dabei ideal, weil sie besonders gut am Stück wegzugucken, kurz gesagt «bingeable», sind.