Und tatsächlich: Er übersteht diese Zeit. Irgendwann sagt ihm ein Arzt: Der Krebs sei weg. Geblieben sind eine gewisse Müdigkeit und Schlappheit. Pohl hat gelesen, dass das eine bleibende Begleiterscheinung der Chemo sein könne. Er fügt hinzu: «Bei mir kommt allerdings noch dazu, dass ich in meinem Leben immer schon gern geschlafen habe.» So viel zum Thema Humor.
Für Pohl ist die überstandene Therapie mehr als ein glücklicher Ausgang. Er vergleicht sie mit früheren Wendepunkten seines Lebens. Er sei dankbar, die Kraft dafür aufgebracht zu haben, sagt er. So wie damals etwa, als er seine Kochlehre schmiss - dabei hätten seine Eltern, die eine Kneipe betrieben, einen Koch gut gebrauchen können. Aber in der Ausbildung habe es nur Prügel gegeben, erzählt er. «Tritte zwischen die Beine, Schläge an den Kopf. Jeden Tag», sagt er. Er ging. Es folgten weitere Berufe, keiner davon wurde seine Berufung. Pohl wurde sogar Polizeihauptwachtmeister.
Der lange Weg zum richtigen Platz
Seinen Platz fand er schließlich in der Komik. 1980 spielte er sein erstes abendfüllendes Soloprogramm. Mitte der 90er brummte plötzlich eine markante Stimme aus seinem Telefon: Rudi Carrell. Pohl dachte zunächst an einen Stimmenimitator. «Ich dachte: Ja, alles klar, da verarscht mich einer», erinnert er sich. «Ich sagte: Ja, ist klar, hau ab.»
Carrell war derartige Reaktionen offenbar gewohnt und blieb dran. Pohl konnte bei «7 Tage, 7 Köpfe» einsteigen, der Comedy-Runde unter anderem mit Mike Krüger, Gaby Köster und Carrell selbst. Die Sendung war ein großer Erfolg, die Quoten stimmten - die Gage war durchaus ordentlich.
Pohls Rolle war dort - das kann man nicht anders sagen - die des Kleinen. Ständig wurde er mit seiner Körpergröße aufgezogen. Bei der Polizei hatte man ihn einst genau vermessen: 1,69 Meter und drei Millimeter. Darauf angesprochen, sagt er heute: «Man soll sich im Alter ja eher nach unten verändern. Die drei Millimeter sind bereits verschwunden.»
Carrell habe damals sogar eigens Pohls Stuhl niedriger eingestellt, erzählt er. Der ohnehin kleine Komiker sollte noch kleiner wirken. Comedy in den 90ern.
Der Kleine ganz groß
So ein richtiges Problem hat Pohl aber auch nicht mit den Größen-Kalauern. Er bespielt sie selbst noch ganz gerne. Wenn man ihn etwa fragt, ob er in Merzenich westlich von Köln aufgewachsen sei, sagt er: «Aufgewachsen. Ja, so stimmt die Formulierung. Früher habe ich mich auf der Bühne immer versprochen, habe gesagt, ich wäre dort groß geworden.» Mit der Betonung auf «groß» - dann lacht er.
Die 90er- und 2000er-Jahre waren für Pohl eine goldene Zeit, allerdings nicht ohne Nebenwirkungen. «Ich wurde zeitweise ein bisschen überheblich, muss ich leider zugeben», sagt er. Ein großer Fehler sei etwa gewesen, das Angebot für eine Samstagabendshow anzunehmen - obwohl Moderation nie sein Ding gewesen sei. «Ich war ein bisschen auf dem Trip: Bei den anderen bist du immer nur der Kleine - jetzt machst du eine Samstagabendshow und zeigst es allen», sagt Pohl. Es wurde ein Flop.
Nachdem «7 Tage, 7 Köpfe» 2005 endete, spielte Pohl weiter Soloprogramme und Theater, zog sich irgendwann aber vom Tourleben zurück. Nach Jahrzehnten unterwegs ist ihm das Zuhause lieber.
Ganz aufgehört hat er mit dem Anfangen aber nicht. «Bisher habe ich immer kurze Geschichten geschrieben», sagt er. «Jetzt fange ich an, längere Sachen zu schreiben, aber auch humorvoll. Charaktere zu bilden und Figuren zu erschaffen, ist für mich Neuland», sagt er. Wieder etwas Neues. «Das ist etwas Wunderbares.»