Ein heißes Eisen: Die neue ZDF-Dokumentation "Der Teufel in mir - Exorzismus heute" nähert sich ihrem Thema ohne einfache Antworten. Im Zentrum stehen Fragen wie: Was ist das Böse? Und wo verläuft die Grenze zwischen Glaube und einer Gefahr für Leib und Seele?
Exorzismus - der Begriff ist nicht nur ein düsteres Relikt vergangener Jahrhunderte. Er wird auch heute noch verwendet - und Exorzismus wird praktiziert, mehr oder weniger offen. Die Dokumentation "Der Teufel in mir - Exorzismus heute" von Max Damm und Emely Sporrer widmet sich einem Phänomen, das zwischen Spiritualität und harter gesellschaftlicher Kontroverse angesiedelt ist.
"Verlasse diesen Körper, Dämon!": Was wie ein Zitat aus einem Horrorfilm klingt, ist für manche Gläubige weltweit weiterhin Teil ihrer sehr speziellen Glaubensüberzeugung und der Weg zu einer Art spirituellen "Befreiung". Die Doku-Macher begleiten Exorzisten und Betroffene, sprechen aber auch mit scharfen Kritikern und fragen, warum der Glaube an das Böse auch in einer aufgeklärten Gesellschaft noch Bestand hat. Dabei wird deutlich: Für viele Menschen ist die Vorstellung von Besessenheit eng mit persönlichen Krisen und spirituellen Deutungsmustern verbunden.
Einfallstor für Okkultismus
Im Fokus steht die Religionswissenschaftlerin Nicole Bauer, die sich seit Jahren mit dem Thema beschäftigt. "Meine Forschungen legen die Vermutung nahe, dass diese Praxis des Exorzismus anders praktiziert wird, als es nach außen hin kommuniziert wird", erklärt sie im Film. Auf ihrer Spurensuche trifft sie Menschen, die Befreiungsrituale durchführen oder selbst erlebt haben. Sie stößt dabei auf ein vielschichtiges Feld zwischen Glauben, Ritual und psychischer Belastung.
Auch der katholische Pater und Psychotherapeut Jörg Müller kommt zu Wort. Er begleitet Menschen in spirituellen Krisen, warnt jedoch vor vorschnellen Deutungen: Nicht hinter jedem Problem stecke eine dämonische Ursache. Häufig lägen die Gründe "tief im Menschen selbst und in seiner Vergangenheit".
Neben der kirchlichen Praxis beleuchtet die Dokumentation neue Formen sogenannter obskurer "Befreiungsdienste", die sich in freien Gemeinden etabliert haben. Eindrücklich sind die Schilderungen von Betroffenen: Jan, ein Aussteiger aus einer Freikirche, berichtet von belastenden Erfahrungen mit erzwungenen Exorzismen. Seine Geschichte zeigt, wie schmal der Grat zwischen Glauben und psychischer Gewalt sein kann. Gleichzeitig wird deutlich, dass es für Menschen in spirituellen Krisen oft an offiziellen Anlaufstellen fehlt: ein Umstand, der selbsternannten Exorzisten zusätzlichen Zulauf verschafft.
Die Doku schlägt auch den Bogen zur Gegenwartskultur: Okkulte Themen erleben durch soziale Medien eine neue Popularität, von Tarotkarten bis zu spirituellen Online-Angeboten. Für manche Gläubige ist diese Entwicklung jedoch ein "gefährliches Einfallstor" für dämonische Einflüsse.
Der Teufel in mir - Exorzismus heute - Mo. 25.05. - ZDF: 17.30 Uhr