In Nürnberg sollen überwiegend minderjährige Mädchen von Drogenhändlern unter Druck gesetzt und zu sexuellen Handlungen gezwungen worden sein. Ermittler fahnden nach Tatverdächtigen.
Seit Jahren bekämpft die Nürnberger Polizei laut eigener Aussage "mit großem Aufwand" die Kriminalität in der Nürnberger Innenstadt, insbesondere im Gebiet rund um den Hauptbahnhof. Laut der Polizei entwickle sich im Bereich des Nelson-Mandela-Platzes sowie des Südstadt- und Celtisparks ein "zunehmender Handel mit Betäubungsmitteln".
Dabei ergaben sich für die Ermittler Hinweise, dass offenbar gezielt "junge Mädchen aus prekären Verhältnissen" von Mitgliedern der Drogenszene angegangen werden. Die hier durch die Nürnberger Polizei und das für jugendliche Intensivtäter zuständige Fachkommissariat durchgeführten Ermittlungen brachten nun weitere Erkenntnisse zutage, hieß es vom Polizeipräsidium Mittelfranken.
Zu Sex gezwungen? Männergruppe in Nürnberg missbrauchte wohl gezielt Mädchen
Bei Ermittlungen verdichteten sich die Hinweise, dass mutmaßlich Männer aus der Drogenszene gezielt Kontakt zu jungen Mädchen aufnehmen. Die meist minderjährigen Mädchen stammen aus schwierigen Familienverhältnissen und halten sich regelmäßig im Bereich des Nelson-Mandela-Platzes oder in der Nähe auf.
Die Männer sollen die Mädchen zunächst mit Zuneigung sowie Geschenken wie Kleidung oder Kosmetik für sich gewinnen. Später sollen sie ihnen zum Teil harte Drogen wie "Crystal Meth" gegeben haben, heißt es von der Polizei. Die dadurch entstehende Abhängigkeit wurde dann offenbar ausgenutzt: Die Mädchen sollen weitere Drogen nur noch im Tausch gegen sexuelle Handlungen oder andere "Dienstleistungen" erhalten und sich dafür zumindest teilweise prostituieren. Es bestehe laut Polizei zudem der Verdacht, dass es hierbei auch zu sexuellen Übergriffen und Vergewaltigungen gekommen ist.
Bislang wurden zehn Verdächtige identifiziert. Von diesen stehen vier unter Verdacht, mit Drogen gehandelt, Drogen an Minderjährige abgegeben und Sexualdelikte begangen zu haben. Ein 23-Jähriger sitzt bereits in Untersuchungshaft. Gegen zwei weitere Männer, einen 22-Jährigen und einen 25-Jährigen, die derzeit flüchtig sind, wurden Haftbefehle erlassen. Ein 18-Jähriger steht ebenfalls unter Verdacht.
Um konsequent gegen diese Straftaten vorzugehen und die Ermittlungen zu bündeln, wurde die Ermittlungsgruppe "EKO Kajal" gegründet. Diese nahm am Montag, dem 18. Mai 2026, ihre Arbeit auf. Sie arbeitet eng mit der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth und anderen Partnern der Stadt zusammen. Das Ziel ist es, die Verdächtigen zu identifizieren, Haftbefehle zu erwirken und mögliche rechtliche Schritte zu prüfen.
Außerdem würden in Zusammenarbeit mit Jugendbehörden "umgehend präventive Maßnahmen" ergriffen, wie "gezielte Aufklärungsarbeit" bei der "potentiell vulnerablen Zielgruppe". So solle verhindert werden, dass weitere Mädchen in eine Abhängigkeit geraten.