"Das ist doch nicht Ihr Ernst!": Roderich Kiesewetter irritiert Lanz mit Aussage zum Krieg im Nahen Osten

3 Min
Markus Lanz 17.03.2026
CDU-Politiker Roderich Kiesewetter stritt am Dienstagabend mit Markus Lanz über den Krieg im Nahen Osten.
ZDF / Cornelia Lehmann
Markus Lanz 17,03,2026
Journalistin Kristina Dunz erklärte, dass der Angriff auf den Iran ein klarer Völkerrechtsbruch durch Israel und die USA sei.
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Markus Lanz 17.03.2026
Politologin Bente Scheller stellte fest, dass es momentan keine wirkliche Hoffnung auf einen Regimewechsel im Iran gebe.
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Markus Lanz 17.03.2026
Energie-Experte Frank Umbach warnte vor höheren Öl- und Gaspreisen als Folge des Kriegs im Nahen Osten.
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Markus Lanz 17,03,2026
Markus Lanz (links) diskutierte am Dienstagabend mit CDU-Politiker Roderich Kiesewetter (zweiter von links), Journalistin Kristina Dunz (dritte von links), Politologin Bente Scheller (dritte von rechts), Sicherheitsexperte Frank Umbach (zweiter von rechts) und Migrationsexperte Gerald Knaus.
ZDF / Cornelia Lehmann

Bei "Markus Lanz" prallten in der Debatte über den Iran-Krieg unterschiedliche Prioritäten aufeinander. CDU-Politiker Roderich Kiesewetter pochte auf die "Freiheit der Seewege", während Lanz immer wieder auf die konkreten Folgen für die Menschen hierzulande abzielte.

Der Konflikt im Nahen Osten eskaliert weiter. Parallel dazu erhöht US-Präsident Donald Trump den Druck auf die NATO: Sie solle Kriegsschiffe entsenden, um die Straße von Hormus zu sichern. Für Markus Lanz der Aufhänger, um in seiner ZDF-Sendung über eine mögliche deutsche Rolle in diesem Krieg zu diskutieren. Zu Beginn wollte Lanz wissen: "Wie groß ist die Gefahr, dass dieser Krieg plötzlich unser Krieg wird?" CDU-Politiker Roderich Kiesewetter hatte sich bereits Anfang März positioniert und auf X geschrieben: "Es ist in unserem Interesse, dass es im Iran einen Systemwechsel gibt." Auch im TV-Studio bestätigte Kiesewetter: "Ich sehe den Systemwechsel natürlich in unserem Interesse, weil der Iran drei heftige Vorhaben hat."

Zu diesen Vorhaben zählte er unter anderem "die Vernichtung Israels" und die "nukleare Absicht, sich zu bewaffnen". Gleichzeitig kritisierte Kiesewetter, das Vorgehen von USA und Israel sei "nur in Teilen abgestimmt" und Europa sei "überhaupt nicht einbezogen" worden. Kristina Dunz setzte einen klaren Kontrapunkt und bewertete den Beginn des Krieges scharf: "Das ist ein ganz klarer Völkerrechtsbruch", stellte die Journalistin fest: "Und ein Systemwechsel, Herr Kiesewetter, ist ja durch das Völkerrecht nicht gedeckt" Man könne nicht "nicht in ein Land gehen und sagen, mir passt die Regierung nicht!" Kiesewetter widersprach umgehend: "Nicht alle Völkerrechtler sehen es gleich."

Roderich Kiesewetter: "Unser Fokus muss wirklich die Ukraine sein"

Politologin Bente Scheller zeigte sich dennoch skeptisch, die Hoffnung auf einen Regime-Wechsel im Iran sehe sie "in der Realität noch nicht abgebildet". Kristina Dunz warnte zudem vor den Folgen der Eskalation: "Wir haben jetzt eine dramatische Verschlechterung (...) der Situation, ohne das irgendwas gelöst ist." Aus ihrer Perspektive stehe inzwischen ein "Flächenbrand" im Raum: "Der US-Präsident - gemeinsam mit dem israelischen Präsidenten - hat die Welt angezündet und nichts von dem erreicht, was er erreichen wollte. Und weil er jetzt nämlich das Interesse schon wieder verliert, sollen es Europäer und andere zu Ende bringen." Lanz nickte und bilanzierte nachdenklich: "Ich habe in diesen Tagen das Gefühl, es ist so ein bisschen (...) in Mode gekommen, das Völkerrecht (...) verächtlich zu machen."

Trotz der Kritik redete sich Roderich Kiesewetter im weiteren Verlauf der Sendung in Rage und nannte es "gravierend", dass Israel im Krieg gegen Iran "nun dort aufräumt, wo die internationale Gemeinschaft über Jahre sich nicht durchsetzen konnte". Trotzdem setzte er eine klare Priorität: "Unser Fokus muss wirklich die Ukraine sein. Die Amerikaner schmeißen uns die Ukraine-Unterstützung vor die Füße, ziehen sich komplett zurück (...) und wollen jetzt die NATO reinziehen."

Energie-Experte Frank Umbach warnte derweil in Bezug auf den Nahen Osten vor weitreichenden ökonomischen Folgen, denn: "Je länger dieser Konflikt natürlich dauert, umso höher sind die Auswirkungen für die Weltwirtschaft." Besonders heikel seien mögliche Verwerfungen beim Gas: "Die unmittelbaren Gefahren auch für die Gaspreise könnten sogar noch größer sein, (...) als in dem Ölbereich, weil wir eben keine entsprechende Gasbevorratung haben, die vergleichbar wäre mit der Ölbevorratung."

Markus Lanz stichelt in Richtung Kiesewetter: "Wir sind Spezialisten für Doppelmoral"

Lanz nutzte dies als Steilvorlage und fragte: "Wenn der Spritpreis dann deutlich über zwei Euro ist, hört das dann auf mit der Moral und mit den klaren Bekenntnissen?" Kiesewetter konterte mit ernster Miene: "Das ist nicht das Thema!", stellte der CDU-Politiker fest. "Das eigentliche Thema ist Freiheit der Seewege und wir erleben jetzt gerade, dass die Straße von Hormus gesperrt ist." Deshalb betonte er erneut: "Es ist mittelbar unser Krieg." Lanz reagierte irritiert: "Es ist unser Benzinpreis, lasst es uns so formulieren." Als Kiesewetter daraufhin anmerkte, dass es "eine doppelte Moral" sei, stichelte Lanz: "Entschuldigung, wir sind Spezialisten für Doppelmoral, ich bitte Sie!" Kiesewetter wies das zurück: "Sie vielleicht! Ich nicht, ich mag keine Doppelmoral. Ich will sehr deutlich sagen: die Straße von Hormus ist ein internationaler Seeweg."

Lanz fiel ihm ins Wort: "Bitte! Das ist doch nicht Ihr Ernst!" Kiesewetter blieb jedoch hart und legte nach: "Die Amerikaner haben hier etwas angezettelt, helfen dem Putin. Und wir sollen jetzt unsere knappen Ressourcen dort hinschicken. Nein! Sehr klar: Unser Fokus ist die Ukraine. Aber wir müssen uns im Klaren sein, dass hier Seewege, die zum internationalen freien Seeverkehr gehören, dass die blockiert sind durch die Amerikaner." Der CDU-Politiker führte seine Prioritätenrechnung weiter aus: "Wir können nicht dort sein und in der Ukraine. Funktioniert nicht. (...) Die Amerikaner laden das doch bei uns ab, Herr Lanz!" Der Moderator blieb skeptisch: "Das können Sie doch als Politiker niemals durchhalten. Irgendwann werden die Leute Sie fragen, was Sie gegen den steigenden Benzinpreis tun!"

Quelle: teleschau – der mediendienst