Sven Schulze stellt in MDR-"Wahl-Arena" klar: "Ich habe nicht vor, mit der AfD hier zusammenzuarbeiten"

3 Min
"Fakt ist! Wahl-Arena - Sachsen-Anhalts Spitzenkandidaten im Bürgercheck"
"Brandmauer ist ein Begriff, den ich nicht benutze", sagt der amtierende Ministerpräsident Sven Schulze von der CDU.
MDR
"Fakt ist! Wahl-Arena - Sachsen-Anhalts Spitzenkandidaten im Bürgercheck"
"Deutschland zuerst", fordert Ulrich Siegmund von der AfD.
MDR
"Fakt ist! Wahl-Arena - Sachsen-Anhalts Spitzenkandidaten im Bürgercheck"
Bei der vom MDR veranstalteten "Wahl-Arena" standen die Spitzenkandidatinnen und -kandidaten Rede und Antwort.
MDR

Am 6. September wird in Sachsen-Anhalt ein neuer Landtag gewählt. In der MDR-Wahlarena traf Ministerpräsident Sven Schulze von der CDU nun eine Koalitionsaussage, die schwierige Regierungsverhandlungen verspricht. Oder sein politisches Ende.

Sachsen-Anhalt wählt einen neuen Landtag - und das bereits in wenigen Wochen, am 6. September. Erstmals wird die in Teilen gesichert rechtsextreme AfD mit hoher Wahrscheinlichkeit stärkste Partei in einem Bundesland werden. Deren Spitzenkandidat Ulrich Siegmund hofft sogar darauf, neuer Ministerpräsident in dem ostdeutschen Bundesland werden zu können.

Der MDR hat am Mittwochabend gemeinsam mit 50 Zuschauerinnen und Zuschauern mit den sechs Spitzenkandidaten für den Landtag diskutiert. Dabei hatten die Bürger das Wort, die vom MDR eingeladen waren. Dass der führende Spitzenkandidat Ulrich Siegmund von der AfD zunächst nicht zu Wort kommt, liegt nicht zuletzt an Ministerpräsident Sven Schulze von der CDU. Der muss gleich die erste Frage beantworten - und tut sich damit sichtlich schwer.

Wie er es denn so mit der Brandmauer hielte, will ein Zuschauer wissen, der selber die AfD wählen wolle. Schulzes Antwort kann niemanden zufriedenstellen. "Brandmauer ist ein Begriff, den ich nicht benutze", sagt Schulze, und tut es danach auch nicht mehr. Er wolle lieber darüber reden, wie man Sachsen-Anhalt nach vorne bringe. "Und da unterscheidet uns schon einiges."

Schulze: "Rede dieses Land hier nicht permanent schlecht, so wie es die AfD macht"

Schulze erklärt weiter: "Wir haben eine andere Idee. Wir haben die Idee, nach vorn zu schauen, nicht nach hinten zu schauen. Wir wollen Sachsen-Anhalt weiterentwickeln bei allen Herausforderungen, und wir unterscheiden uns auch an einer Stelle elementar: Ich rede dieses Land hier nicht permanent schlecht, so wie es die AfD macht, denn wenn man sein Land permanent schlecht redet, kann man es auch nicht regieren." Und immer so weiter.

Die Zeit verrinnt. Der Zuschauer hakt nach. Schulze weicht immer noch aus. "Es gibt nicht in erster Linie Themen von Parteien, sondern es gibt immer nur die Themen von Menschen. Und sicherlich war es auch ein Fehler der CDU, manche Themen in den letzten Jahren ignoriert zu haben oder zu wenig beachtet zu haben." Endlich schaltet sich die Moderatorin ein und will es jetzt klar wissen: "Stehen Sie zur Brandmauer, ja oder nein?" Endlich, nach locker fünf Minuten, kommt dann die Antwort: "Ich habe nicht vor, mit der AfD hier zusammenzuarbeiten. Aber es liegt ganz klar an diesen Themen. Ich bin überzeugt, die AfD hat nicht die Lösungen für die Zukunft Sachsen-Anhalts."

Im Laufe der Sendung wird Schulze nicht mehr allzu oft von einem Zuschauer angesprochen. Zum Schluss muss er sogar selbst darauf hinweisen, dass er seiner Ansicht nach nicht ausreichend zu Wort gekommen sei. Im Hauptinteresse stehen Siegmund von der AfD und Eva von Angern von den Linken. Dass die nichts mit der AfD am Hut hat, ist in Sachsen-Anhalt bekannt: Die Politikerin weigert sich standhaft, AfD-Politikern beim Grüßen die Hand zu geben. Als sie Siegmund während der Sendung zu einem persönlichen Gespräch bei einer Tasse Kaffee einlädt, kontert sie: "Warum sollte ich das tun?"

Vielleicht, weil es zur Demokratie gehöre - das sagt zumindest ein Zuschauer in Richtung CDU und SPD: "Ich finde, die SPD und auch die CDU treten die Demokratie mit Füßen. Wer 40 Prozent einfach missachtet, der hat bei mir keinen Begriff von Demokratie. Demokratie bedeutet, mit allen zu reden, auch wenn man unterschiedlicher Meinung ist. Das heißt noch lange nicht, dass ich AfD wähle. Aber ich bin der Meinung, wenn man 40 Prozent der Menschen ausgrenzt, dann hat man Demokratie nicht verstanden."

AfD-Mann Siegmund: "Wir leben über unsere Verhältnisse"

Demokratie sei, dass es Koalitionen geben müsse, sagt SPD-Spitzenkandidat Armin Willingmann, und Sven Schulze ergänzt, dass man ja mit allen Parteien rede, auch mit der AfD und der Linken, und man versuche, deren Vorschläge umzusetzen, wenn sie gut seien. Dann fügt er hinzu: "Und ich habe klar gesagt, und dazu stehe ich auch, dass für mich ausgeschlossen ist, dass in einem Kabinett, was ich leite, ein Minister der AfD oder der Linkspartei sitzt." Das ist Parteilinie. Aber es bedeutet auch Koalitionsverhandlungen, die sich unendlich hinziehen könnten. Es sei denn, Schulze meint es ernst - und verzichtet darauf, Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt zu werden.

Reden will übrigens auch Ulrich Siegmund von der AfD. Über alles. Und darum wird er auch von vielen Zuschauern angesprochen. Auf eine bessere Finanzausstattung der Kommunen zum Beispiel. Hier hat die CDU schon einen Weg gewiesen und den Teil des Sondervermögens, der für die Kommunen vorgesehen ist, schnellstmöglich verteilt.

Siegmund beantwortet die Frage eines Zuschauers aus Gardelegen: Er sei gegen Schulden. "Wir leben über unsere Verhältnisse, wir geben Geld auf Landesebene für Dinge aus, die sind völlig unnötig, das bringt diesem Land gar nichts, aber in noch viel größeren Größenordnungen natürlich auf Bundesebene." Man wolle "erst mal sparen" und "unnötigen Ballast abwerfen, Geld in die Ukraine und sonst wohin". Siegmund glaubt: "Wenn wir das Geld in die Länder geben würden, hätten wir überhaupt kein Problem damit, die Kommunen auszufinanzieren. Dann bräuchten wir auch keine Flächen-Voltaikparks, dann bräuchten wir keine Windräder in die Wälder zu setzen. Wir müssen uns auf unser eigenes Land konzentrieren. Deutschland zuerst."

Das ist das Motto seiner "Vision 2026", in der Siegmund eine Zukunft für Sachsen-Anhalt verspricht, die nach Milch und Honig schmeckt. Nur, dass die meisten seiner Projekte ohne den Bund nichts werden. Am Ende hat der AfD-Politiker zwar viel versprochen, aber möglicherweise keine neuen Wählerstimmen gewonnen. Da geht es ihm aber wohl nicht anders als den anderen Spitzenkandidaten.

Quelle: teleschau – der mediendienst