"Wahnsinn ist das, was Sie sagen. Denn zwei und zwei ist nicht fünf, sondern vier", entgegnete Stegner. Dann fing er langsam an, auszurasten. "Wenn wir aus der EU aussteigen, hätten wir Massenarbeitslosigkeit." Er wies auf den Arbeitskräftemangel hin, der durch Migranten aufgefangen werden könnte. "Sie stellen sich hin und sagen: Deutschland den Deutschen, Ausländer raus. Sie stellen sich als Biedermann hin, aber sie sind die Brandstifter."
"Hinter uns stehen 12 Millionen Wähler, das sind keine Demokratiefeinde", antwortete Baumann, der recht gelassen wirkte. "Es ist der Kern der Demokratie, der Mittelstand und die arbeitende Bevölkerung, die uns wählt. Die von mir genannten Zahlen sind einsparende Größen, die auch Friedrich Merz vor der Bundestagswahl genannt hat", betonte Baumann - und hat damit teilweise Recht.
Streitpunkt Steuern
Im November hatte die AfD eine Art Steuerflatrate von 25 Prozent für alle vorgeschlagen. Das komme jetzt noch nicht. "das ist ein langfristiges Modell", sagte Baumann. "Das 25-Prozent-Modell ist ein Modell von Kirchhoff, mit dem hat die Merkel 2005 die Wahlen gewonnen." Das ist Unsinn. Paul Kirchhoff hatte 2005 eine "Flattax" von 25 Prozent für alle Einkommensklassen vorgeschlagen. Ursprünglich sollte er im ersten Merkel-Kabinett Finanzminister werden, doch seine Vorschläge wurden so heftig kritisiert, dass sie der CDU am Ende sogar Wählerstimmen kosteten und Kirchhoff schnell wieder von der Bildfläche verschwand.
Das weiß auch Stegner, und er kritisierte: "Das ist grob ungerecht. Man muss die Menschen besteuern nach ihrer Leistungsfähigkeit", betonte der SPD-Politiker. Und dann kam es ganz dick, denn Stegner wundert sich darüber, "dass sie hier was über Steuern sagen, dabei zocken Sie doch die Steuerzahler ab. Sie beschäftigen Familienangehörige des Nachbarn samt der Stiefschwester und den alten Großvater noch dazu. Man kann ja froh sein, dass sie nicht noch deren Haustiere bezahlen aus der Steuer. Sie sind scheinheilig in der Steuerpolitik."
Baumann: "Sie sind unser bester Wahlkampfhelfer"
Maischberger wollte die Diskussion in eine andere Richtung lenken, doch Stegner ließ nicht locker. Er warf der AfD vor, Mitarbeiter der Partei säßen im Gefängnis wegen Geiselnahme - was allerdings nicht stimmt, und das nutzte Baumann als Steilvorlage. "Herr Stegner", freute er sich, "ich bin Ihnen dankbar, Sie sind unser bester Wahlkampfhelfer. Sie erzählen hier einen solchen Unsinn. Wie verzweifelt muss die SPD sein, dass Sie mit so einem Zeugs hier kommen. Nichts davon ist wahr."
Im weiteren Verlauf der Diskussion forderte Baumann eine Abschaffung der Erbschaftssteuer, die die SPD nur bei hohen Erbschaften anwenden will. Zudem plädierte er für eine Senkung von Strom-, CO2- und Mineralölsteuer, um den Benzinpreis wieder zu senken. "Alles, was jetzt diskutiert wird: Spitzensteuersatz erhöhen, Mehrwertsteuer erhöhen, Ehegattensplitting abschaffen, ist der Gipfel des sozialistisch-links-grünen Wahnsinns. Das funktioniert überhaupt nicht", kritisierte er zudem die Steuervorschläge der SPD. Außerdem sprach er sich dafür aus, dass Deutschland wieder Öl aus Russland importieren soll.
Am Ende fasste Stegner Baumanns Meinungen so zusammen: "Wenn zwanzig Prozent die AfD wählen, gibt es 80 Prozent, die wissen, dass wir Wohlstand und Frieden und Demokratie haben, weil wir unsere Grundrechte im Grundgesetz haben, weil wir eine Demokratie haben, weil wir gegen Nationalismus sind, weil wir eine europäische Friedensordnung haben und weil wir die größte Katastrophe des letzten Jahrhunderts verursacht haben, die gerade mal achtzig Jahre her ist. Die wissen also: Wählen wir Nationalismus, wählen wir Antieuropa, dann wählen wir Krieg und Elend. Und deswegen kann man mit so einer Partei nie zusammenarbeiten." Dafür gab es Applaus, auf den Baumann bei der Diskussion verzichten musste.
Quelle: teleschau – der mediendienst