"Musik- oder Haltungswettbewerb?": Knapp eine Woche vor der Austragung des Eurovision Song Contest 2026 aus Wien gingen bei "Hart aber fair" die Wogen hoch.
Für den Lacher des Abends sorgte am Montag eindeutig Hubert Aiwanger von den Freien Wählern. "Ich bin der Toleranteste aller Zeiten", sagte der stellvertretende bayrische Ministerpräsident - und es gelang ihm dabei sogar, eine ernste Mine zu behalten. Das Publikum und die Gäste der Runde brachen hingegen in Gelächter aus. Aiwangers Argument, dass er sogar gegen die Impfpflicht gewesen sei, ignorierte Moderator Louis Klamroth. Schließlich ging es in der Sendung "Hart aber fair" nicht um Corona, sondern um die Frage: "Mehr als Musik - wie politisch ist der ESC?"
"Wenn der ESC die Demokratie retten müsste, wäre das traurig", hatte Aiwanger auch auf diese Frage eine Antwort. Generell werde die Veranstaltung seinem Verständnis eines europaweiten Gesangswettbewerbs nicht gerecht. "Der Klamauk wird in den Vordergrund gerückt", kritisierte er Auftritte wie die der österreichischen Kunstfigur Conchita Wurst, die 2014 den Songcontest gewonnen hatte. Das mache viel kaputt, denn der "Normalbürger" könne damit wenig anfangen.
"Die Diskussion ist absurd"
Auch als der Journalist Ronen Steinke von der "Süddeutschen Zeitung" an Guildo Horn erinnerte, der 1998 in einem schrillen Outfit die Bühne gerockt hatte, konnte sich Aiwanger den Kommentar nicht verkneifen: "Das ist das Ziel, dass Künstler auftreten, die sich selbst nicht ernst nehmen?!", meinte er zynisch. "Vielleicht sollten Sie sich nicht so ernst nehmen", konterte Steinke. "Was normal ist und was nicht, die Kategorie ist in Ihrem Kopf", ärgerte er sich über Aiwangers "Normalbürger"-Aussage.
"Jetzt kommt die Schublade, in die Sie mich gerne stecken würden", ätzte der Politiker, doch der Journalist hielt dagegen: Dass Menschen, die anders seien und aus der Reihe tanzen, bei so einer Veranstaltung gezeigt werden, sei eine "tolle Symbolik". Damit konnte er Aiwanger nicht überzeugen: "Das ist kein Musikwettbewerb." Statt um Musik und Qualität gehe es zu viel um Inhalte und Haltung.
Kunst sei immer Ausdruck von etwas und werde nur als "Haltung abgetan, wenn es nicht Ihre Vorstellungen trifft", wurde Steinke jetzt erst recht wütend, "das ist verächtlich anderen gegenüber".
"Die Diskussion ist absurd", mischte sich die europäische FDP-Abgeordnete Marie-Agnes Strack-Zimmermann ein, die während des ESC 2011 in Düsseldorf erste Bürgermeisterin war. "Wenn 160 Millionen Menschen zuschauen, weil es sie fasziniert und Singen völkerverbindend ist, ist das eine Frage der Demokratie. (...) Demokratie bedeutet immer Toleranz." Zudem sei nicht alles schrill und schräg, meinte sie in Richtung Aiwanger und warf ihm Intoleranz vor.
"Sie betreiben Intoleranz mir gegenüber", regte das den Politiker so auf, dass sich Strack-Zimmermann zu einem kühlen "Tief durchatmen" hinreißen ließ. "Sie beide sollten tief durchatmen", griff Klamroth das Stichwort auf. Das hielt die Streithähne aber nicht davon ab, weiter zu debattieren. Der Moderator musste sich buchstäblich dazwischen lehnen, um sie zu trennen.