Die Biathleten wollen die Medaillenbilanz aufhübschen. Erik Lesser freut sich über seine eigene. Und Jürgen Klopp ist auch da: Zur Freude deutscher Sport-Fans läuft das olympische Staffelrennen in Antholz aber so gar nicht.
In Antholz schneit's. Dem Deutschen Olympische Sportbund (DOSB) wäre Regen lieber. Ein Medaillenregen. Platz 3 im Medaillenspiegel hatte man schließlich als Minimal-Ziel ausgerufen. Stand jetzt ist Deutschland Achter. 2022 gab es neunmal Gold. Unter anderem im Biathlon.
Auch in Antholz bekamen die deutschen Biathleten schon Gold um den Hals gehängt. Dummerweise waren es die nachträglich überreichten Medaillen für den Staffelsieg 2014. Erik Lesser zeigt sie im Studio. Er sei froh, dass das ganze Hin und Her nun ein Ende habe, erklärt er: "Wenn ich die zu Hause an die Wand hänge, mit einer Schraube, die ich da durch bohre, dann will ich sicher sein, dass das meine ist."
Eine eigene Medaille zum Anbohren hätten auch gerne David Zobel und Philipp Horn, die heute in der Staffel an den Start gehen. Justus Strelow und Philipp Nawrath haben ja immerhin Bronze im Mixed geholt. Es war übrigens die erste Olympiamedaille im Biathlon-Mixed für Deutschland. Pessimisten vermuteten da schon, dass es danach nur noch bergab gehen könne ...
"Wo sind wir denn hier gelandet?"
Über die Stimmung in Antholz können sich die Sportler immerhin schon einmal nicht beschweren. "Wahnsinnig laut" sei es, sagt Experte Arnd Peiffer. "Man ist wie erschlagen!" Vielleicht hätte das Publikum in Antholz dem in Bormio ein bisschen Nachhilfe im Klatschen und Anfeuern geben müssen.
Nicht so gut ist die Stimmung im norwegischen Team, erzählt Kommentator Christian Dexne. Vielleicht, so hofft man vor dem Bildschirm, verhindert das einen norwegischen Podestplatz. Das würde den Zuschauern eine erneute tränenreiche Beziehungsbeichte von Sturla Holm Lægreid ersparen. (Und übrigens, liebe Liebenden: Es ist NICHT romantisch, vor einem Millionenpublikum um Verzeihung zu bitten. Es ist aufmerksamkeitsheischend, egozentrisch und manipulativ.)
Justus Strelow jedenfalls tut sein Bestes, um den Norwegern in die Suppe zu spucken. Im ersten Schießen trifft er im Eiltempo fünfmal, übergibt schließlich auf Platz zwei laufend an David Zobel. Und auch der legt eine starke erste Schießeinlage hin, geht sogar in Führung, während der Norweger Botn weit über eine Minute für seine fünf Treffer braucht.
Dexne jubelt: "Wo sind wir denn hier gelandet?" Er bekommt darauf keine Antwort. Landet aber schnell wieder auf dem Boden der Tatsachen, als David Zobel beim nächsten Schießen drei Nachlader braucht und vom Goldrang auf Platz sechs zurückfällt. "Shame on you!", tadelt ihn Michael Antwerpes im Interview. Und David Zobel gesteht zerknirscht: "Ich habe alles gedacht, was ich nicht denken sollte. Ich hoffe, ich habe die Staffel nicht versaut, und die zwei Philipps retten mich jetzt."