"Viele Häftlinge warten deshalb jahrelang auf ihre Anhörung"
Das ungute Gefühl, dass der mittlerweile Ende 60-Jährige bereits verspürt hatte, wurde bestätigt. Denn anstelle eines Beatmungsgeräts befanden sich in dem Paket mehr als sieben Kilogramm Kokain. Für den ahnungslosen Touristen ging es ohne Spanischkenntnisse direkt in eine überfüllte Gemeinschaftszelle. Dort wartete er zusammen mit 50 bis 60 Leuten auf seine Anhörung.
Garbers kolumbianischer Anwalt, Strafverteidiger Milton Guillermo Martínez Sierra, weiß um die Herausforderungen, die das kolumbianische Justizsystem mit sich bringen: "Das Hauptproblem ist: Während man versucht seine Unschuld zu beweisen, sitzt man bereits im Gefängnis." Er betont weiter: "Sobald auch nur eine Person nicht zur Anhörung erscheint, wird die Verhandlung sofort verschoben. Viele Häftlinge warten deshalb jahrelang auf ihre Anhörung."
Im Mai 2023 bekennt sich Roman schuldig und er wird zu einer Freiheitsstrafe von sieben Jahren und zwei Monaten sowie einer Geldstrafe von 240.000 Euro verurteilt.
Unmenschliche Haftbedingungen: "Alles ist mit Schimmel befallen!"
Vier Jahre seiner Strafe hat er in "La Ternera" bereits abgesessen. Die Gemeinschaftszelle konnte er nach den ersten Wochen gegen eine Zelle tauschen, die er sich mit drei Kolumbianern teilt. Nur einer von ihnen spricht Englisch, Deutsch spricht in dem Gefängnis niemand.
Doch die Sprachbarriere und die Isolation sind nicht die einzigen Herausforderungen, die ihm zu schaffen machen. In der Haftanstalt sei "alles mit Schimmel befallen", beklagt Garber. "Das ist gesundheitsgefährlich!" Auch das Gefängnisessen macht ihm zu schaffen. "Solches Essen wir bei uns den Hunden verfüttert", schimpft der Insasse. "Ob Sie es glauben oder nicht, ich kann das nicht essen!" Das Fleisch enthalte oft Knochenstücke, an denen sich Garber bereits einen Zahn abbrach. Mittlerweile habe er 16 Kilogramm abgenommen.
Sein Anwalt hat einen Antrag auf Bewährung gestellt, das ist frühestens nach drei Fünfteln der Haftstrafe möglich. Doch selbst, wenn der Österreicher es schaffen würde, auf Bewährung freizukommen, dürfte er Kolumbien erst verlassen, wenn seine Bewährungszeit verstrichen ist und er die Geldstrafe abbezahlt hat. Und wenn das kolumbianische Justizsystem mitspielt und Garber rechtzeitig seine Entlassungspapiere erhält.
Voraussetzung für den Bewährungsantrag ist, dass die Insassen im Gefängnis arbeiten oder studieren. Roman erklärt, er sei im Gefängnis für die Mülltrennung zuständig und schiebt dann nach: "Offiziell ..." Das Kamerateam hakt nach: "Was heißt offiziell?" Doch Garber hält sich bedeckt, erwidert lediglich lachend: "Sage ich nicht."
"Deutsche im Knast - Kolumbien und das Kokain" läuft am Samstag, 23. Mai, bei ZDFinfo und ist schon jetzt in der ZDF-Mediathek zu sehen.
Quelle: teleschau – der mediendienst