Lanz prustet los, als Fußball-Experte gegen Trump und Infantino vom Leder zieht: "Welchen meinen Sie?"

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"Markus Lanz"
Lucas Vogelsang erklärte bei "Markus Lanz", als Fußballfan "eine große Ambivalenz" zu verspüren.
ZDF / Markus Hertrich
"Markus Lanz"
Markus Lanz (links) sprach am Mittwochabend mit (von links) Cathryn Clüver Ashbrook, Rüdiger Bachmann, Lucas Vogelsang und Klaus Ehringfeld.
ZDF / Markus Hertrich

Bei "Markus Lanz" ging Lucas Vogelsang mit Donald Trump und FIFA-Präsident Gianni Infantino hart ins Gericht. Als der ZDF-Moderator wissen wollte, ob man Trump überhaupt noch ernst nehmen könne, bezeichnete der Fußball-Experte den US-Präsidenten sowie Infantino spitz als Despoten.

Während in den USA die Inflation Rekordwerte erreicht und WM-Tickets für viele unbezahlbar werden, rollt der Ball dennoch: Gemeinsam mit Kanada und Mexiko ist Amerika in diesem Jahr Gastgeber der Fußball-Weltmeisterschaft. Bei "Markus Lanz" nahm der ZDF-Moderator das Turnier zum Anlass, über die zunehmende Kommerzialisierung des Events und den politischen Zustand der USA inmitten unzähliger Krisen zu sprechen.

Podcaster und Fußballexperte Lucas Vogelsang gab zu Beginn der Sendung zu, dass er mit Blick auf die WM gemischte Gefühle habe und er als Fußballfan "eine große Ambivalenz" verspüre. Einerseits locke der Sport, andererseits lasse sich das Drumherum nicht ausblenden. Vogelsang erklärte: "Der Elfjährige in mir will Fußball schauen (...) und der Realist und der Journalist in mir sagt natürlich: 'Du kannst dieses Turnier nicht einfach so schauen wie früher'."

Mit Blick auf die Entwicklung des Fußballs fand Vogelsang deutliche Worte: "Dem Fußball ist die Unschuld verloren gegangen in diesen Jahrzehnten und deswegen ist auch die WM in den USA eine andere, als sie vor 32 Jahren war." Besonders die Preisentwicklung in "Trumps Amerika" stieß ihm sauer auf. "Da gibt es so viel, was einem einfach den Spaß am Fußball verdirbt", sagte der Podcaster enttäuscht.

Ökonom Rüdiger Bachmann pflichtete der Kritik zwar grundsätzlich bei, berichtete aber zugleich von einer anderen Beobachtung aus dem Land: "Ich habe doch den Eindruck, (...) dass die Amerikaner langsam wieder in die Stimmung kommen." Auch Journalist Jürgen Schmieder sah in seinem Umfeld eine große Freude und betonte: "Hier im Cluster Los Angeles ist die Begeisterung sehr hoch."

Lucas Vogelsang: "Je größer diese WM wird, desto größer wird auch die Bühne für Trump"

In der Runde ging es daraufhin auch um den politischen Einfluss auf das Fußball-Turnier. Lanz erinnerte daran, dass US-Präsident Donald Trump im März den Iran noch vor einer WM-Teilnahme gewarnt hatte - und stellte die provokante Frage: "Nimmt irgendjemand noch ernst, was dieser Präsident sagt?" Lucas Vogelsang schoss zurück: "Welchen meinen Sie? Infantino oder Trump?"

Während Lanz lachte, legte der Experte nach: "Da treffen sich ja wirklich auch zwei Despoten. Einer Präsident eines sehr großen Landes, der eine Präsident eines sehr kleinen Landes und die haben sich einfach gefunden und sind im schlimmsten Sinne Waffenbrüder." Für Vogelsang lag darin ein "großes Dilemma": "Je schöner und je größer diese WM wird, desto größer wird auch die Bühne für Trump."

Gleichzeitig beschrieb Vogelsang die Situation als paradox, weil Trump aus seiner Sicht noch nicht aktiv in Erscheinung getreten und bislang "der Mann im Hintergrund" geblieben sei. Es sei "ein großes Glück und gleichzeitig eine große Drohkulisse für dieses Turnier, dass Trump noch gar nicht stattgefunden hat", so der Podcaster.

Rüdiger Bachmann ging derweil davon aus, dass Trump sein Engagement vor allem nach politischem Nutzen ausrichten werde - auch abhängig davon, wie weit die US-Mannschaft beim Turnier komme: "Trump wird das so weit nutzen, wie es ihm politisch möglicherweise nutzt."

Klaus Ehringfeld: Mexikanische Drogenkartelle könnten "die WM vor die Wand fahren lassen"

Zum Schluss wechselte der Blick schließlich nach Mexiko. Korrespondent Klaus Ehringfeld schilderte die Stimmung vor Ort als überraschend "getrübt". Der Grund? Einige Menschen hätten den Eindruck, "das ist nicht unsere WM. (...) Das ist die WM der FIFA, die WM der Unternehmen, die WM der Touristen".

Lanz wollte in dem Zusammenhang wissen, wie groß die Macht der Kartelle sei. "Könnten die diese WM vor Ort auch vor die Wand fahren lassen?", fragte der ZDF-Moderator. Ehringfeld antwortete daraufhin vorsichtig, aber ehrlich: "Ja, wenn sie das wirklich wollten - was ich nicht glaube - könnten sie die WM vor die Wand fahren lassen."

Quelle: teleschau – der mediendienst