Kramer poltert gegen Trump und Infantino: "Wenn es nicht so traurig wäre, wäre es lustig"

2 Min
ZDF-Sportstudio
Christoph Kramer (rechts) und Per Mertesacker haben sich im ZDF zu Donald Trump und Gianni Infantino geäußert.
ZDF
Christoph Kramer
Christop Kramer hat im Fall um Folarin Balogun eine klare Meinung.
2022 Getty Images/Alex Grimm

Im "ZDF-Sportstudio" haben Christoph Kramer, Per Mertesacker, Fritzy Kromp und Thorsten Kinhöfer über die ausgesetzte Sperre des US-Amerikaners Folarin Balogun gesprochen. Dabei wetterte Kramer gegen Donald Trump und Gianni Infantino.

Der Fall des US-Amerikaners Folarin Balogun schlägt weiterhin hohe Wellen. Im "ZDF-Sportstudio" hat sich im Vorfeld der WM-Achtelfinalpartie zwischen Spanien und Portugal am Montagabend nun auch die Expertenrunde des ZDF geäußert. Dabei fanden Christoph Kramer, Per Mertesacker und Fritzy Kromp deutliche Worte.

Zunächst gab jedoch Schiedsrichter-Experte Thorsten Kinhöfer seine Einschätzung und erklärte, dass das Foul von Folarin Balogun gegen Tarik Muharemović eine klare Rote Karte gewesen sei. "Hier kann es keine zwei Meinungen geben", stellte der 58-Jährige frest, der die Aussetzung der Sperre seitens der FIFA entsprechend nicht nachvollziehen konnte. "Dann verliert im Endeffekt der Fußball die Glaubwürdigkeit."

Fritzy Kromp konnte sich dieser Meinung nur anschließen und bezeichnete das Eingreifen von US-Präsident Donald Trump, der eigenen Aussagen nach die Aufhebung der Sperre in einem Telefongespräch mit FIFA-Chef Gianni Infantino gefordert haben soll, als "eine neue Dimension". Sie sei "total fassungslos und bestürzt", wetterte die Trainerin der Frauenmannschaft des SV Werder Bremen weiter.

"Dann brauchen wir auch kein Fußball mehr spielen"

Als ZDF-Moderator Jochen Breyer die Frage nach der möglichen Tragweite dieses Vorfalls stellte, teilte Per Mertesacker seine düsteren Aussichten: "Ich glaube, das ist verheerend." Laut des Experten müsse bei einer Roten Karte eine Sperre von mindestens einem Spiel immer stehen bleiben. "Wenn das nicht mehr der Fall ist, dann brauchen wir auch kein Fußball mehr zu spielen", urteilte der frühere Innenverteidiger knallhart.

"Genau. Man muss ja sagen, wenn es nicht so traurig wäre, dann wäre es schon fast lustig", stimmte Christoph Kramer seinem TV-Kollegen zu. "Dann könnte man ja jetzt auch sagen, Friedrich Merz ruft bei Infantino an und dann zählt das Tor gegen Paraguay doch", spielte er auf den - für viele Fans zu Unrecht - aberkannten Treffer der DFB-Elf im Sechzehntelfinale an.

Gegen Trump und Infantino lederte der Weltmeister von 2014 daraufhin ordentlich ab: "Ich finde es heftig. Denen ist nichts peinlich. Die stellen sich dahin, zeigen wieder der ganzen Welt, dass sie alles entscheiden können. Alles. Und alle gucken dann irgendwie in die Röhre. Das geht gar nicht." Und weiter: "Ich dachte zuerst, als das aufploppte im Internet, das wäre ein Scherz."

Was war passiert?

Folarin Balogun hatte während der WM-Sechzehntelpartie der USA gegen Bosnien und Herzegowina nach einem unglücklichen, aber auch harten Einsteigen die Rote Karte gesehen. Damit hätte der Top-Torjäger der USA (drei Treffer in drei Spielen) im Achtelfinale gegen Belgien folgerichtig nicht spielen dürfen. Doch die FIFA setzte im Vorfeld der Begegnung die Sperre überraschend zur Bewährung aus - zunächst ohne jegliche Begründung. Gegner Belgien legte Einspruch ein, der allerdings inzwischen von der FIFA abgewiesen wurde.

Kurz darauf gab US-Präsident Donald Trump an, dass er FIFA-Chef Gianni Infantino angerufen und sich für eine Aussetzung von Baloguns Sperre starkgemacht hatte. Auch Infantino bestätigte mittlerweile das Gespräch, sagte allerdings auch, dass ein laufendes Verfahren von den in seiner Darstellung unabhängigen FIFA-Justizorganen entschieden werde. "So funktioniert das System der FIFA, und dieses Prinzip werde ich immer verteidigen. Ob uns eine Entscheidung persönlich gefällt oder nicht, ist irrelevant." Weiter erklärte Infantino, regelmäßig auch mit anderen Staats- und Regierungschefs in Kontakt zu stehen.

Quelle: teleschau – der mediendienst