Als es bei "Markus Lanz" um die stockenden Reformen der Bundesregierung ging, versuchte CDU-Politiker Philipp Amthor vergeblich, die schwarz-rote Koalition in Schutz zu nehmen. Zwischen Rechtfertigungen und rhetorischen Ausflüchten wurde deutlich: Die großen Versprechen stehen auf wackligen Füßen.
Der jüngste Militärschlag der USA gegen Venezuela offenbarte einmal mehr: Donald Trump macht, was er will. Auch Start-up-Investor Christian Miele zeigte sich deswegen bei "Markus Lanz" besorgt. Am Donnerstagabend forderte er ein starkes Auftreten der Europäischen Union und sagte: "Wir müssen selber wieder stark werden und unseren Platz auch an diesem Erwachsenentisch zurückverdienen." Journalistin Eva Quadbeck konnte dem nur zustimmen und ergänzte, dass das Handeln von US-Präsident Donald Trump deutlich zeige, "dass das Völkerrecht nicht mehr diese Geltung hat, die es hatte und dass sich die Welt eben in Einflusssphären neu aufteilt".
Gerade deshalb machte Christian Miele immer wieder deutlich, dass Deutschland sich dringend um seinen eigenen Wirtschaftsstandort kümmern müsse, denn: "Die Nachfrage nach Energie wird in den nächsten Jahrzehnten noch und nöcher zunehmen." Miele weiter: "Wir sind in einer Bredouille gefangen als deutscher Industriestandort. (...) Wir haben ein gigantisches Problem vor uns."
Der Urenkel des Industriellen Carl Miele fügte mit ernster Miene hinzu: "Es ist jetzt an der Zeit, dass wir, wenn wir von diesem Kuchen noch was abhaben möchten, an dieser Transformation noch teilnehmen. Es geht - aber so wie es jetzt läuft, geht's eben nicht!" Lanz wies in diesem Zusammenhang auf das Schreiben von Friedrich Merz an seine Koalitionspartner hin. In dem Brief erklärte Merz, dass die Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit in Deutschland zu niedrig seien.
"Nein, Stopp!": Markus Lanz fährt Philipp Amthor beim Thema Reformen in die Parade
"Er mahnt und ruft dazu auf, 2026 nun die richtigen Entscheidungen zu treffen", erklärte Journalistin Eva Quadbeck. Dies brachte Lanz schließlich auf das Thema Reformen zu sprechen. Er wollte von CDU-Politiker Philipp Amthor wissen: "Sie haben sich im Herbst fast zerlegt wegen eines Prozentpunkts bei der Frage der Rente. Ist das der Herbst der Reformen?" Während Amthor zunächst mit einem knappen "Nein" antwortete, erläuterte er weiter, dass innerhalb der Regierung durchaus Selbstkritik angebracht sei: "Der Reformstau in diesem Land ist ja auch nicht nur in drei Jahren Ampel entstanden. Der ist auch in unserer Regierungsverantwortung entstanden und der ist größer, als wir ihn addressiert haben."
Die Selbstkritik hielt jedoch nicht lange an, denn Amthor sinnierte stattdessen weiter über die positiven Dinge, die die schwarz-rote Koalition bereits umsetzen konnte. Lanz unterbrach den Politiker jedoch streng: "Nicht ablenken, Herr Amthor." Der ZDF-Moderator machte deutlich: "Wenn das alles so sensationell wäre, würden Sie nicht bei 13 Prozent stehen (...) in Umfragen." Philipp Amthor stichelte prompt zurück: "Was heißt denn sensationell? Wo würden wir denn stehen, wenn wir unsere Versprechen brechen würden?"
Lanz konterte irritiert: "Nein, Stopp! (...) Wo würden Sie stehen, wenn Sie Ihre Versprechen halten würden? Das wäre ein Knaller!" Als Philipp Amthor beteuerte, dass die Koalition durchaus auch Versprechen halte, hakte Lanz hartnäckig nach: "Welche? Schuldenbremse? Herbst der Reformen?"
Markus Lanz weist Philipp Amthor in die Schranken: "Das ist ja Quatsch!"
Diese Stichelei wollte sich Philipp Amthor nicht gefallen lassen. Er echauffierte sich über den ZDF-Moderator: "Herr Lanz, das ist doch jetzt billig!" Lanz hielt unbeeindruckt dagegen: "Sie haben reihenweise Versprechen gebrochen. Deswegen stehen Sie doch da, wo Sie stehen!"